Die Stadt bestätigt, dass das Miqua teurer wird als 190 Millionen Euro. Wie viel teurer, sagt sie nicht. Dem Vernehmen nach kostet der Bau bis zu 230 Millionen Euro.
Nächste KostenexplosionKölner Museumsbau bis zu 40 Millionen Euro teurer

Blick von außen auf das Miqua: Dahinter sieht man noch die Spitze des Rathaus-Turms.
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Es ist kein halbes Jahr her, da hatte der damalige Baudezernent Markus Greitemann gegenüber dieser Redaktion betont: Das Budget von 190 Millionen Euro für den seit 2015 laufenden Bau des neuen Jüdischen Museums inklusive unterirdischem Rundgang durch die Archäologische Zone muss reichen.
Zuvor hatte diese Zeitung berichtet, dass die vorgesehenen 190 Millionen Euro aber schon komplett „verfügt“ sind, also verplant – zweieinhalb Jahre vor der geplanten Fertigstellung des „Museums im Quartier“ („Miqua“) vor dem Historischen Rathaus.
Zweieinhalb Jahre sind eine lange Zeit bei einem Bau, der im vergangenen Jahrzehnt immer wieder für Überraschungen gut war, für mehrfache Kostensteigerungen, Verzögerungen, Kündigungen von Firmen.

Unter der Erde: Im Februar präsentiert die Stadt Funde auf der Baustelle.
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Nach Informationen dieser Redaktion soll jetzt klar sein: Die 190 Millionen Euro reichen nicht. Demnach sollen die Baukosten auf bis 230 Millionen Euro steigen, das wäre ein Plus von 40 Millionen Euro (rund 21 Prozent).
Die Stadt Köln bestätigte die konkrete Summe am Mittwoch auf Anfrage nicht, bejahte aber grundsätzlich die Fragen nach Mehrkosten. Eine Sprecherin sagte: „Nach derzeitigem Stand ist mit Mehrkosten zu rechnen. Die konkrete Höhe wird derzeit verwaltungsintern geprüft. Belastbare Aussagen zu den Kosten wird die Verwaltung nach Abschluss dieser Prüfung kommunizieren.“
Dem Vernehmen nach soll die Verwaltung bemüht sein, die Summe noch zu drücken, bevor sie die Politik informiert. Ähnlich war es bei der vergangenen Kostensteigerung von 127 auf 190 Millionen Euro vor zwei Jahren. Es kursierte die Summe von bis 200 Millionen Euro im Rathaus (wir berichteten), letztlich teilte die Stadt 190 Millionen Euro mit.
Museum sollte längst im Betrieb sein
Seit dem Baubeschluss im Jahr 2011 sind die Kosten mehrfach deutlich angestiegen. Das Projekt sollte längst fertig sein: Ursprünglich wollte die Stadt das fertige Museum zum 1. Januar 2019 an den Betreiber übergeben. Es handelt sich um den Landschaftsverband Rheinland (LVR). Die Stadt baut es, der LVR betreibt es (siehe Info-Text).
Zuletzt hatte die Stadt im Januar mitgeteilt, Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe zu prüfen. Ob das gelungen ist und wie hoch die Summe ist, beantwortete die Verwaltung am Mittwoch nicht.
Ob es beim bisherigen Zeitplan bleibt, war zunächst nicht zu erfahren und die Stadt äußerte sich dazu ebenfalls nicht. Laut des aktuellem Monatsberichts von der Baustelle soll Ende Juni 2028 alles fertig sein, danach der sechsmonatige Probebetrieb folgen, bevor das Museum nach 14 Jahren Bauzeit eröffnen soll.

Blick auf das Miqua und das Wallraf-Richartz-Museum (links)
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Die Kostensteigerung fällt mitten in die Zeit, in der die Verwaltung den Haushalt für 2027 und 2028 aufstellt – und hart sparen muss. Unter anderem strich sie ihren rund 4800 Beamten den jährlichen Bonus, um fünf Millionen Euro jährlich zu sparen. Auch die Grundsteuer B erhöhte sie, im Stadtrat fand sich dafür eine Mehrheit.
Auf die Bürgerinnen und Bürger dürften härtere Zeiten zukommen. Zuletzt hatte Kämmerin Dörte Diemert mitgeteilt, dass der Verlust der Stadt im vergangenen Jahr um 106 Millionen Euro auf 594,8 Millionen Euro zugenommen hat (plus 22 Prozent).

In kräftigen Farben stellt diese Visualisierung das Historische Rathaus und das Miqua (rechts) dar.
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Auch zu den Gründen für die erneute Steigerung äußerte die Verwaltung sich nicht: Dem Vernehmen nach sollen unter anderem erneut Umplanungen im Rundgang dafür verantwortlich sein, weil archäologische Funde sie nötig machen. Diese Umplanungen hatte der Projektsteuerer im monatlichen Baustellenbericht Ende Mai thematisiert. Auch die Baupreise sollen angestiegen sein.
Bei der vergangenen Kostensteigerung auf 190 Millionen Euro hatte die Stadt mitgeteilt: „Es taucht immer wieder Neues auf: Teile römischer Rundbögen oder Fußböden, Brandschichten und andere Spuren von Bombeneinschlägen aus dem Zweiten Weltkrieg. So wurde die Route für den späteren Ausstellungsparcours bereits mehrmals den neuesten Erkenntnissen angepasst.“
Und weiter: „Mehrkosten sind auch dem Bestand geschuldet, da sich einige Arbeitsaufwände erst nach Freilegung der Archäologie sicher ermitteln lassen.“

Die Entwicklung der Baukosten.
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Und dann wurde immer wieder während des Baus umgeplant. Unter anderem der Anschlag auf das Jüdische Museum 2014 in Brüssel zog Änderungen wegen höherer Sicherheitsanforderungen nach sich. Der einst vorgesehene Zugang über den Alter Markt am Rathaus ist längst Geschichte, ebenso wie eine Gastronomie im Erdgeschoss des Rathauses.
Ein zweiter Eingang vis-à-vis zum benachbarten Wallraf-Richartz-Museum ist auch passé. Stattdessen befindet sich der einzige Eingang nahe der Rathauslaube: Die Besucherinnen und Besucher müssen eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen passieren. Später kündigte die Stadt auch dem Stahlbauer (wir berichteten), was Zeit kostete.
Ina Brandes, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft (CDU), hatte voriges Jahr trotzdem gesagt, dass es gerade in der heutigen Zeit wichtig sei zu zeigen, dass jüdisches Leben und jüdische Kultur zu Deutschland gehören. „Das Projekt wird am Ende alle Mühen wert sein.“
Das ist das Miqua
Der Bau des Museums vor dem Historischen Rathaus läuft seit August 2015. Er hat zwei Ebenen, zunächst wurde unterirdisch gebaut: Dort können Besucher nach der Fertigstellung auf einem 600 Meter langen Rundgang 2000 Jahre Stadtgeschichte in der Archäologischen Zone erleben. Im Gebäude darüber befindet sich das Jüdische Museum. Auf der Internetseite des Museums heißt es: „Erleben Sie beeindruckende archäologische Funde, die die römische und jüdische Zeit zum Leben erwecken.“

So soll das Miqua später einmal aussehen.
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Die Stadt baut es zwar, aber später wird es der Landschaftsverband Rheinland (LVR) betreiben. Der LVR ist laut eigener Beschreibung ein Verband der kreisfreien Städte und Kreise im Rheinland sowie der Städteregion Aachen und einer von zwei Landschaftsverbänden in NRW. Die Kommunen wie Köln regeln zwar ihre eigenen Angelegenheiten, sie reichen aber oft über ihr Gebiet hinaus, der LVR nennt etwa die Kulturpflege oder die Gesundheits-, Schul-, Jugend- und Sozialwesen als Beispiele für seine Aufgaben.