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ErfolgsgeschichteDer „Hinterhofsalon“ in Köln fördert seit 2009 Kunst und Kultur

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Über das Vorzimmer gelangen Anja Reuthers Gäste zu Darbietungen oder Feiern in den Hinterhofsalon.

Über das Vorzimmer gelangen Anja Reuthers Gäste zu Darbietungen oder Feiern in den Hinterhofsalon.

Der Event-Stätte bietet seit über 17 Jahren einzigartige Kulturveranstaltungen, inspiriert vom Pariser und Berliner Nachtleben der 1920er Jahre.

Der Weg zu einem der bestgehüteten Kunst- und Kulturgeheimnisse Kölns führt aufwärts. Im ersten Stock eines Wohnhauses auf der Aachener Straße gelangen die gerade erst eingetretenen Besucher über einen Flur hinaus auf das Flachdach der Immobilie. Umrahmt von den Fassaden der Nachbarbauten blickt den Gästen, in ein Kieselsteinfeld gebettet, der Hinterhofsalon entgegen. Mit dem Ticket lösen die Ankömmlinge ihre Zeitreise zurück ins Pariser und Berliner Nachtleben der 1920er Jahre, denn sowohl Interieur als auch Programm atmen den Geist jener Epoche des gesellschaftlichen Umbruchs.

Mit der Eröffnung vor rund 17 Jahren erfüllte sich Anja Reuther einen Lebenstraum. Seitdem stehen jedes Wochenende Klassik- und Jazzkonzerte, musikalische Lesungen, Kabarettveranstaltungen oder Talk-Shows vor bis zu 115 Gästen auf der Agenda. Unter der Woche werden Kurse aus den Bereichen Pilates, Yoga und Tanz angeboten. Kulinarische Events, Firmenpräsentationen, Workshops und Privatfeiern ergänzen das Spektrum der Offerten.

Von der Eventbranche zur eigenen Kunstbühne

„Ich habe mich schon immer für Kunst begeistert, vor allem für Lyrik und Musik. Diesen emotionalen Ausdrucksformen wollte und will ich mit dem Salon eine Bühne schaffen“, betont Reuther. Die gebürtige Bonnerin sammelte ihre beruflichen Erfahrungen als Mitarbeiterin in der Event- und Werbebranche, bevor sie mit dem erfolgreichen Franchise-Projekt „Blind-Date-Cooking“ – einer Partnervermittlung im Zuge von Koch-Kennenlerntreffen – den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

Doch dies sollte nicht die kreative Endstation für Anja Reuther sein. Ihre Affinität für Kunst wollte die Wahlkölnerin an einem besonderen Ort vereinen. Nach einem Hinweis durch eine befreundete Malerin gewann die Idee realistische Konturen: „Die Bewohnerin der Räume des jetzigen Salons hatte sich entschlossen, nach Berlin zu ziehen und mir eine Bewerbung um die Räumlichkeiten vorgeschlagen. Als ich das Angebot zum Einzug erhielt, habe ich trotz der relativ hohen Miete plus der zu erwartenden Renovierungsarbeiten nicht gezögert und zugegriffen. Ich musste das einfach wagen“, berichtet die Event-Managerin.

Von meinem Vater habe ich gelernt, nie aufzugeben.
Anja Reuther

Nach einigen Umbauten startete Reuther 2009 den Betrieb und verzeichnete mit ihrem Team bis heute rund 1.600 Kultur-Veranstaltungen. Dabei überstand der Salon bisher alle Krisen. Neben den unerwartet hohen Kosten zur Erfüllung der Sicherheitsauflagen traf die Geschäftsfrau der Corona-Lockdown hart: „Das war eine immens kritische Phase, aber ich habe von meinem Vater, einem Verleger und Autor, gelernt, nie aufzugeben. Er hat mir klargemacht, dass Ziele nur erreichbar sind, wenn man bereit ist, dafür Risiken einzugehen. Dieses Credo und das Aufbrauchen meiner finanziellen Rücklagen haben den Salon gerettet“, erklärt Reuther.

Nicht nur lokale Acts, auch Künstlerinnen und Künstler aus anderen Regionen haben die Einrichtung für Auftritte im besonderen Ambiente entdeckt, darunter im Oktober letzten Jahres Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin Isabel Varell. „Das war ein denkwürdiger Termin. Isabel hat eine Ausstrahlung, die den Saal erleuchtet. Einfach unvergesslich“, schwärmt die Gastgeberin vom Geschichten- und Liederabend des TV-Stars.

Ein weiteres Highlight stellt die Hommage der Band „Round Midnight“ dar, die sich mit der Location seit langem verbunden fühlt. Auf ihrer ersten CD „plays the music of Andreas Orwat“ findet sich mit „Waltz for the Hinterhofsalon“ ein Walzerstück, das Jazz- und Klassikeinflüsse beinhaltet. Seine Live-Premiere erlebte die Komposition auf dem Konzert am 22. November 2025.

„Ich wusste von nichts. Das hat mich sehr berührt. Solche Erlebnisse entschädigen für all die Mühen und kleinen Rückschläge. Ich habe meinen Entschluss zur Eröffnung des Salons nie bereut und freue mich täglich auf neue Begegnungen“, so die Unternehmerin.


Hinterhofsalon, Aachener Straße 68, 50674 Köln, Telefon: 0221 13 97 116, www.hinterhofsalon.de