KHM-Rektorin im Interview„Köln ist höchstinteressant als Kulturstadt“

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Kerstin Stutterheim

Köln – Seit Januar wohnen Sie in Köln, im März wurden Sie zur neuen Rektorin der Kunsthochschule für Medien (KHM) berufen. Fühlen Sie sich hier schon ein bisschen heimisch?

Ja, obwohl wegen der Corona-Krise ja vieles nicht mehr stattgefunden hat. Köln ist höchst interessant als Kulturstadt, ich schätze die Vielfalt und die Neugier aufeinander. Ich mag zum Beispiel besonders das Museum Ludwig und erkunde so langsam die Kulturszene, wo sie denn wieder zugänglich ist.

Infos zur Person und zur KHM

Prof. Kerstin Stutterheim, 1961 geboren, ist Film- und Theaterwissenschaftlerin, Filmemacherin, Dramaturgin, Autorin. Von 2015 bis zum Antritt als Rektorin der KHM arbeitete sie als Professorin für Media and Cultural Studies an der Bournemouth University, Großbritannien. 2006 bis 2015 war sie Professorin für Dramaturgie der audiovisuellen Medien an der Filmuniversität Babelsberg und dort Gründungsdirektorin des Instituts für künstlerische Forschung. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Formen der modernen Filmdramaturgie, Artistic Research.

Die KHM, 1990 eröffnet, bietet unter dem Titel Mediale Künste – von audiovisuellen Medien bis Virtual Reality – ein Projektstudium an, das Studierenden die freie Wahl und individuelle Kombination von künstlerischen Schwerpunkten ermöglicht. Sie zählt 390 Studierende und ist auf sieben Gebäudekomplexe verteilt (s. Grafik). Vom 15. bis 19. Juli 2020 präsentiert eine Ausstellung mit Filmprogramm eine Auswahl von Werken von Diplomanden 2019/20. (MW)

www.khm.de

Möchten Sie neue Schwerpunkte setzen?

Die KHM bietet ja bereits ein breites Spektrum in hoher Qualität, sie ist sehr zeitgemäß und zukunftstauglich. Ihr besonderes Profil war der Grund für meine Bewerbung. Es gibt natürlich auch Bereiche, die ich verstärken und ausbauen möchte. Zum einen die Auseinandersetzung mit Folgen des Klimawandels.

Ich möchte den Austausch der Künste mit den Naturwissenschaften in einen kontinuierlichen Dialog bringen und zum Beispiel Projekte unterstützen, die wissenschaftliche Fakten durch die Kunst sinnlich beziehungsweise über die wissenschaftliche Dokumentation hinaus anders erfahrbar machen. In Großbritannien ist diese Form der Zusammenarbeit schon stark verbreitet. Zum Zweiten möchte ich den Bereich Künstlerische Forschung, Artistic Research, akzentuieren.

Die KHM setzt ja mit ihrem Profil gerade auf Offenheit und Experimentierfreude. Das kommt Ihrem interdisziplinären Ansatz entgegen. Sie sind außerdem Kennerin der Bauhaus-Pädagogik – einst in Weimar, dann in Dessau entwickelt.

Das einstige „Bauhaus“-Konzept hat gewisse Parallelen zum KHM-Modell mit projektbasierten Studien und sehr offener Lehre. Die Bauhaus-Pädagogik setzte auf die vielfältigen Möglichkeiten des künstlerischen kreativen Ausdrucks, die Bühne wurde mit dem Umzug nach Dessau zum Zentrum des Hauses, sie wurde von Studierenden aller Richtungen genutzt. Die Bauhaus-Pädagogik kann noch nach 100 Jahren sehr inspirierend sein!

Grafik KHM

Die Gebäuder der KHM

Inspirierend sind ja für Künstlerinnen und Künstler vor allem eine Lehre und Erfahrungen, die live sind. Wird es im Wintersemester wieder Präsenzlehre geben?

Kurz vor Beginn des Sommersemesters brach ja die Corona-Pandemie aus. Es war ein schwieriges, anstrengendes Semester für alle, wir mussten auf Online-Angebote umstellen. Inzwischen muss für jedes Studio, jedes Atelier, das man nutzen möchte, ein eigenes Sicherheitskonzept vorliegen. Wir konnten mittlerweile einige Präsenzveranstaltungen zulassen und anbieten, Workshops unter freiem Himmel zum Beispiel.

Dass wir auf sieben verschiedene Gebäudekomplexe verteilt sind, macht es allerdings enorm schwer! Es ist gar nicht anders vorstellbar, als dass das Wintersemester wieder in Präsenz stattfindet! Künstlerische Arbeit kann man nicht digital unterrichten. Es geht hier auch um die Lebenszeit der Studierenden.

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Die Standortfrage hat schon ihre Vorgänger intensiv beschäftigt. Befürworten auch Sie einen neuen Campus – der allerdings immer noch nicht konkret in Sicht ist?

Ja. Ich wünsche mir für die KHM ein großes Haus unter einem Dach und mit einem Eingang – einen offenen Campus mit Raum für Begegnungen. Mir liegt aber vor allem am Herzen, dass die KHM Teil des Kulturlebens der Stadt und Region ist und als lebendiger Ort des Dialogs wahrgenommen wird, nicht nur als Kleinod, irgendwo in dieser anregenden Stadt.

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