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Kölner Ehrenamtspreis„Radeln ohne Alter“ ermöglicht weniger mobilen Menschen kostenlose Rikscha-Fahrten

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Rita Volkert freut sich über die Ausfahrt mit Bernhard Riedl.

Rita Volkert freut sich über die Ausfahrt mit Bernhard Riedl.

Die Fahrgäste können selbst wählen, wohin die Fahrt geht. Die Ausfahrten sind eine Bereicherung für alle Beteiligten.

„Ach, ist das schön“, ruft Rita Volkert, als die Rikscha Richtung bunt bepflanzter Gartenanlage der Flora abbiegt. Normalerweise sind Fahrräder hier streng verboten. Die Rikscha, in der die Seniorin sitzt, hat eine Sondererlaubnis. Sie gehört zum Verein „Radeln ohne Alter“. Der Verein bietet Fahrten für Menschen an, die nicht mehr so mobil sind. Kostenlos, eine bis anderthalb Stunden, dorthin, wo auch immer der Fahrgast es sich wünscht. „Ich kann selbst nicht mehr so gut und lange laufen und fahre auch nicht gerne mit der Bahn“, sagt Rita Volkert. „Durch das Angebot der Rikscha-Fahrten komme ich in Ecken von Köln, in die ich sonst nicht mehr käme.“ Über 100 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer sind mittlerweile über das ganze Stadtgebiet verteilt mit dabei. Für dieses Engagement verleiht die Stadt dem Verein „Radeln ohne Alter“ nun den städtischen Ehrenamtspreis „Köln Engagiert“.

Ableger von „Radeln ohne Alter“ gibt es weltweit, angefangen hat die Bewegung 2012 in Kopenhagen. Der Sozialunternehmer Ole Kassow radelte damals täglich an einem Pflegeheim vorbei, vor dem immer derselbe ältere Herr saß. Irgendwann hielt Kassow an und fragte, ob der Mann nicht auch gerne wieder Fahrrad fahren wolle. Aus einer geliehenen Rikscha und einer einzelnen Ausfahrt wurde eine Bewegung, die heute in mehr als 50 Ländern aktiv ist. In Deutschland gibt es inzwischen über 150 Standorte. In Köln fing man 2020 an – mittlerweile ist die 34. Rikscha im Einsatz.

Bernhard Riedl ist einer der sogenannten Kapitäne, die an den einzelnen Standorten die Fäden in der Hand halten. Zu jeder Rikscha gehört ein Team von sechs bis 15 Freiwilligen, in der Südstadt sind es sogar fast 30. Manche fahren wöchentlich, andere alle zwei Wochen. Die Fahrgäste kommen zu einem großen Anteil aus Seniorenhäusern und anderen Einrichtungen.

„Radeln ohne Alter“: Das Recht auf Wind in den Haaren

Zur Zielgruppe gehören vor allem Menschen, die nur noch schlecht lange Wege zurücklegen können. Im internationalen Vereinsmotto ist die Rede vom „Recht auf Wind in den Haaren in jedem Lebensalter“. Wenn es mal bergab geht, fragt Bernhard Riedl seine Fahrgäste gerne: „Sollen wir mal den Wind ein bisschen durch die Haare wehen lassen?“ Rita Volkert sagt dann genauso gerne „ja“, etwa auf den kleinen Hügeln im Rheinpark. „Das macht so Spaß“, sagt sie mit einem Grinsen im Gesicht.

Zwischen 7000 und 13.000 Euro kosten die Rikschas, zum Start finanzierte die Stadt elf Stück. „Das war natürlich ein fulminanter Start“, sagt Riedl. Für die Anschaffung weiterer Fahrzeuge ist der Verein vor allem auf Spenden angewiesen. Platz ist immer für zwei Fahrgäste. Auch Angehörige, die zu Besuch sind, können also mitfahren.

Bernhard Riedl ist begeistert von seinem Ehrenamt.

Bernhard Riedl ist begeistert von seinem Ehrenamt.

Zu Riedl, der sich für den Verein um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, kam das Ehrenamt eher zufällig über einen Mitstreiter aus seinem früheren Nachbarschaftsverein im Pantaleonsviertel. Riedl ließ sich zu einer Ausbildungsfahrt einladen – und blieb dabei. Seine erste Fahrt allein: mit einer „urkölschen Frau“ am Rhein entlang, die ihm in anderthalb Stunden ihr gesamtes Leben erzählte. „Ein unvergessliches Erlebnis“, sagt Riedl.

Rikscha-Fahrten bieten Weg aus der Einsamkeit

Seitdem hat er die unterschiedlichsten Menschen gefahren. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Fahrt mit einer beginnend dementen Seniorin während der Corona-Zeit: Alle paar Minuten habe sie aus tiefstem Herzen gesagt, wie schön es doch sei, so etwas noch erleben zu dürfen. „Das war absolut beeindruckend und auch für mich wie ein Geschenk“, sagt Riedl. Die kurioseste Fahrt absolvierte er mit einer Dame, die mit ihm ihre Immobilien besichtigen wollte. Aus der Innenstadt wollen die Fahrgäste oft auf die andere Rheinseite, durch den Rheinpark. Auch die Flora, der Botanische Garten oder einfach der frühere Wohnort sind beliebte Ziele. Manchmal gehört auch der Stopp in einem Café oder einer Eisdiele zum Ausflug dazu.

Gesprächsstoff gibt es immer, mit Stammgästen entwickelt sich oft eine enge Verbindung bis hin zu Freundschaften. Im besten Fall bereichert eine Fahrt beide Seiten. Das sei aber so gut wie immer der Fall, sagt Riedl. „Dieses Ehrenamt hat mein Rentnerleben ziemlich radikal positiv verändert. Für mich ist es das tollste Ehrenamt dieser Welt.“

„Radeln ohne Alter“ sei für viele Fahrgäste auch ein Weg aus der Einsamkeit, sagt Riedl. Dass viel über das Thema geredet werde, aber wenig dagegen getan werde, ärgere ihn ein wenig. Sein Verein, sagt er, löse das Problem auf ganz einfache Weise: „In dem Moment, wo wir unterwegs sind, hat sich das erledigt mit der Einsamkeit.“


Verein möchte noch mehr Menschen erreichen

Für die Auszeichnung mit dem Ehrenamtspreis „Köln Engagiert“ ist Riedl dankbar – nicht nur wegen der Anerkennung, sondern auch, weil sich der Verein davon mehr Öffentlichkeit erhofft. Denn eine Zielgruppe möchte der Verein künftig noch stärker erreichen: Menschen, die noch zu Hause wohnen, und selbstständig kaum noch vor die Tür kommen. „Manche empfinden eine gewisse Scham, ein solches kostenloses Angebot überhaupt anzunehmen“, glaubt Riedl. Der Verein freut sich daher über Anfragen. Auf der Webseite finden sich Mail-Adressen und Telefonnummern von Ansprechpartnern für 23 Standorte in Köln.www.radelnohnealter.koeln