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Nach historischer Dürre in KölnKennen Sie noch Regen?

3 min
Endlich Regen: Eine Frau mit Regenschirm am Rheinufer in Mülheim.

Endlich Regen: Eine Frau mit Regenschirm am Rheinufer in Mülheim. 

Nach Wochen voller Hitze und Trockenheit fällt endlich wieder Regen auf Köln herab. Kölner Gärtner und Spaziergänger werden ausnahmsweise einmal gerne nass.

Es ist ein ungewohntes Bild, das sich am Montag bei einem Spaziergang durch die Stadt bietet. Zu sehen sind Kapuzen, Regenschirme und Menschen, die mitten im Kölner Hochsommer tatsächlich Jacken tragen. Dieser Zustand, dass Wasser von oben kommt, dieses Konzept Regen, ist im heißesten westeuropäischen Sommer der Geschichte fast in Vergessenheit geraten. Die kommende Woche verspricht endlich etwas Erholung.

„Das war ja kein Zustand mehr, richtig deprimierend, wenn alles so trocken ist“, sagt Beate Wimmer. Die Kölnerin ist am Montag mit ihrem Hund im Rheinpark spazieren gegangen. „Für die Bäume, Vögel und Insekten freut mich das sehr, dass es jetzt geregnet hat.“ Mit diesem Gefühl ist sie nicht allein. Was im Herbst und Winter so unbeliebt ist, verursacht in diesem August Erleichterung.

Anita S. (76) steht im Rheinpark am Ufer: „Wir konnten weniger unternehmen.“

Anita S. (76) steht im Rheinpark am Ufer: „Wir konnten weniger unternehmen.“

„Wir warten schon seit Wochen darauf“, sagt eine andere Spaziergängerin am Rheinufer. Anita S. ist 76 Jahre alt, die Hitze hat sie und ihren Mann im Alltag eingeschränkt. „Wir konnten weniger unternehmen. Weil es so heiß war, waren wir vorsichtig und sind kaum rausgegangen, das war schade.“ Den Rheinpegel findet sie alarmierend. Als Kind war sie einmal im Rhein baden. Genau dort, wo sie jetzt auf dem Trockenen steht, reichte ihr das Wasser damals bis zur Brust.

Nur knapp neun Liter pro Quadratmeter hat es in den vergangenen 30 Tagen in Köln geregnet. Das ist historisch wenig. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert für Juli und August liegt in Köln zwischen 70 und 90 Litern und damit bei knapp dem Zehnfachen. In Köln wie in ganz NRW war der Juli so trocken wie noch nie zuvor.

Franz Kotnik (75) steht in seinem Schrebergarten in Nippes. Er pflegt ihn seit 36 Jahren.

Franz Kotnik (75) hat seinem Schrebergarten in Nippes seit 36 Jahren.

Für Franz Kotnik bedeutet der Regen, dass er endlich einmal nicht gießen muss. Seit 36 Jahren hat er einen Schrebergarten in Nippes, noch nie sei es so trocken gewesen wie in diesem Sommer. „Der Salat ist geschossen und die Bohnen vertrocknet“, erzählt der 75-Jährige. Vor seinem Gartenhäuschen schaut er den Tropfen zu, wie sie auf das vertrocknete Gras fallen. Der Gärtner ist zufrieden: „Ein guter Landregen.“

Leider ist der Landregen nicht nur gut, sondern überraschenderweise auch ziemlich nass. Einige Spaziergänger sind schlecht vorbereitet. Andreas und Ruth Vogel sind Touristen und am Montagmorgen bei 16 Grad im Nieselregen angekommen. „Wir sind nur 35 Grad gewohnt, wir wissen gar nicht mehr, wie eine Jacke aussieht“, witzelt Andreas Vogel. 

Noch mehr Regen im Laufe der Woche

In einem anderen Fall hat nicht einmal die Jacke gereicht. „Ich bin heute Morgen mit dem Fahrrad gefahren und pitschnass geworden, das war ein komisch ungewohntes Gefühl mal wieder“, erzählte Kim Veit (39), die am Montag mit ihrem Sohn Max (7), einer Freundin und deren Tochter unterwegs war. „Wenn ich hier den Rhein und das verbrannte Gras so sehe, dann freut es mich aber sehr.“ Die Kinder nicken. „Dann brennt es weniger, auch in der Eifel“, sagt Max.

Ob dieses selten gewordene Wetterphänomen jetzt echte Erleichterung für die Parks, die Gärten und den Rheinpegel bieten kann? Vorerst eher nicht. Zwar soll es am heutigen Dienstag, am Mittwoch und auch am Samstag weitere Regenfälle geben, doch die Menge bleibt überschaubar. Zumindest ruft sich der Regen mal wieder in Erinnerung.