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Fahrrad-Boom in Köln Radverkehr legt im Corona-Jahr um 10,9 Prozent zu

Fahrradfahrer auf den Ringen

Fahrradfahrer auf den Ringen

Köln – Der Fahrrad-Boom in Köln ist ungebrochen. Im Corona-Jahr 2020 hat der Radverkehr sogar noch stärker zugelegt als in den Jahren zuvor. An den zwölf Dauerzählstellen in der Stadt wurden im vergangenen Jahr exakt 14 212 358 Radbewegungen registriert. Das sind 10,9 Prozent mehr als 2019 (12 815 838 Fahrten) und 14,5 Prozent mehr als 2018 (12 413 157 Fahrten).

Im letzten Jahrzehnt war der Radverkehr durchschnittlich um drei bis fünf Prozent pro Jahr gewachsen. Dieser Trend sei durch die Corona-Pandemie nochmals verstärkt worden, erklärte die Stadtverwaltung. Sie spricht sogar von einem neuen Allzeit-Rekord. Denn zu den 14,2 Millionen Fahrten kamen weitere 1 356 215 Radbewegungen dazu, die an der erst im Frühjahr 2020 neu eingerichteten Dauerzählstelle Universitätsstraße erfasst wurden.

Bislang war 2014 das Rekordjahr

Bislang galt das Jahr 2014 als Rekordjahr, als die Zahl der Radfahrenden unter anderem dank eines milden Winters sprunghaft in die Höhe schoss. Da es in der Vergangenheit weniger Zählstellen gab, lassen sich die absoluten Zahlen nicht vergleichen, die Verwaltung hat die Entwicklung seit 2009 anhand unterschiedlicher Daten zusammengefasst (siehe Grafik).

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Um 10,9 Prozent hat der Radverkehr 2020 gegenüber dem Vorjahr zugenommen.

Verkehrsdezernentin Andrea Blome sieht die Zahlen des Jahres 2020 als Beleg dafür, „dass die Mobilitätswende gelebt wird“, sowie als „großen Ansporn, den Weg der konsequenten Radverkehrsförderung zielstrebig fortzuführen“. Ihr sei aber „bewusst, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufzuholen“.

Deutscher Fahrrad Club begrüßt Entwicklung in Köln

Christoph Schmidt, Vorsitzender des Kreisverbands Köln des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), begrüßt die Entwicklung in Köln: „Wir sehen mit Freude, welche große Bedeutung der Radverkehr inzwischen für die städtische Mobilität hat. Der Zuwachs ist um so erstaunlicher, da die Mobilität in der Corona-Pandemie insgesamt zurückgegangen ist angesichts von Lockdown und Homeoffice.“

Schmidt übte aber auch Kritik: „Köln bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, nutzt sein Potenzial nicht aus. Der Zuwachs wäre noch größer, wenn die Stadt mehr für den Radverkehr tun würde.“ Zwar werde in Köln inzwischen viel für den Radverkehr geplant, doch die Umsetzung dauere meist viel länger als angekündigt. Um schneller zu werden, brauche es mehr Personal und Finanzmittel.

Radverkehrsprojekte

2mal so viel Geld gab Köln voriges Jahr für die Sanierung von Radwegen aus wie in 2018 und 2019 zusammen. Das Fahrradstraßennetz wuchs auf 17,1 Kilometer an. Dieses Jahr will die Stadt „in bis zu 15 Straßen“ Fahrradstraßen einrichten. Auf den Ringen soll Radfahrern Ende 2021 „fast durchgängig eine eigene Spur zur Verfügung stehen“.

Auch mit dem Bau des ersten von fünf Fahrradparkhäusern („Bike Tower“)  soll in diesem Jahr in Weiden-West begonnen werden. Außerdem will die Stadt weitere Kfz-Spuren in Radfahrstreifen umwandeln, etwa auf der Riehler Straße, der Magnusstraße/Christophstraße und der Kalk-Mülheimer Straße. (fu)

Wichtig sei aber noch etwas ganz anderes, so Schmidt: „Die Stadtverwaltung muss den Radverkehr auch im Alltag stets mitdenken. Egal ob bei Baustellen, Sperrungen oder Hochwasser: Es darf nicht sein, dass beschilderte Umleitungen für den Autoverkehr Standard sind, aber für den Radverkehr erst nach Protesten eingerichtet werden und dann auch noch zu langen Umwegen führen.“ Die Stadt solle umgekehrt handeln.

„Erst schauen, dass es vernünftige Ausweichrouten für Fußgänger und Radfahrer gibt, und dann sehen, wie die Autos geführt werden. So fördert man den Radverkehr.“ Schmidt verwies auf den Rheinufertunnel, der beim momentanen Hochwasser mit sechs Fahrspuren unnötig viel Kapazität für Autos biete, während es für Radfahrer am Rheinufer kein Durchkommen gebe.

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Verkehrsdezernentin Andrea Blome war von Radfahrervertretern dafür kritisiert worden, dass sie es ablehnte, in der Corona-Pandemie so genannte „Pop-up Bike Lanes“ zu errichten, um dem Radverkehr mehr Platz zu gewähren. Gemeint ist die kurzfristige Absperrung einzelner Kfz-Fahrspuren mit mobilen Trenn-Elementen. Städte wie Berlin, Brüssel oder Barcelona haben darauf gesetzt und dem Autoverkehr Fläche weggenommen, um sie den Radlern zu geben.

Das verlieh dem Trend zum Fahrrad offenbar zusätzlichen Schub. In Berlin legte der Radverkehr 2020 nach einer Auswertung des RBB um 22,6 Prozent zu. In Hamburg, wo es 55 Dauerzählstellen für Radfahrer gibt, wurde im Sommer ein Plus von 33 Prozent registriert.