Burgenexperte Dr. Joachim Zeune soll im Auftrag des Oberbergischen Kreises Wissenslücken zur Baugeschichte von Schloss Homburg schließen.
Schloss HomburgExperte glaubt, der kleinere Turm des Nümbrechter Wahrzeichens ist jünger als gedacht

Der Burgenforscher Dr. Joachim Zeune erforscht zurzeit die Baugeschichte von Schloss Homburg – und hinterfragt alles, was bisher als sicher galt.
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Die Geschichte von Schloss Homburg begann wohl vor 1000 Jahren, urkundlich erwähnt wurde es erstmals vor 750 Jahren. Immer wieder wurde die Anlage im Laufe der Jahrhunderte verändert und erweitert. Den bedeutendsten Umbau gab es ab Mitte des 17. Jahrhunderts.
Doch die Baugeschichte wird jetzt komplett hinterfragt. Der Oberbergische Kreis hat den Mittelalter-Archäologen und Kunsthistoriker Dr. Joachim Zeune mit Forschungen zu den verschiedenen Bauphasen beauftragt. Der Burgenexperte unterhält das bundesweit einzige Büro für Burgenforschung und soll Wissenslücken schließen helfen.
Wie kam der Kontakt zwischen Forscher und Kreis zustande ?
Das Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland hat den Kontakt zwischen dem Oberbergischen Kreis und Joachim Zeunes Büro für Burgenforschung mit Sitz im Allgäu hergestellt.
Was ist der explizite Arbeitsauftrag?
Der erste Auftrag ist die Klärung der tatsächlichen Baugeschichte des Schlosses, denn die soll ein Schwerpunkt der neuen Ausstellung werden. Allerdings: „Man weiß relativ wenig über das Schloss, wenn es konkret wird“, sagt Zeune. „Der Auftrag ist, die Baugeschichte abzuklären, auch die archäologischen Befunde – ich bin ja auch Mittelalter-Archäologe mit Schwerpunkt Burgenforschung – mit einzubeziehen.“ Daraus seien zwei weitere Aufträge erwachsen.
Welche Aufträge sind noch dazugekommen?
„Ich habe festgestellt, dass das Schloss ein sehr interessantes Potenzial hat für die Erschließung und für die Baugeschichte. Was die beiden Türme angeht, ist das Objekt etwas außergewöhnlich“, so der Burgenexperte. „Denn wir haben einen sehr frühen Riesenturm und wir haben einen ganz späten, praktisch nachmittelalterlichen Nachbau eines Bergfrieds, also wir haben wirklich zwei ganz unterschiedliche Arten von Türmen, die beide recht selten sind. Diese Riesentürme aus dem 11. Jahrhundert sind etwas Seltenes, und dann der Nachzügler: Da haben wir einen Bergfried-Fake, wie es ausschaut; wir haben einen Turm, der macht auf Bergfried, ist aber viel zu jung.“

Schloss Homburg, das Wahrzeichen von Nümbrecht.
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Kann man allein aus dieser Tatsache etwas ableiten?
Jein, sagt Joachim Zeune. Der Bau von Türmen – den Statussymbolen von Burgen – habe immer mit dem Erbauer zu tun. Und wer das gewesen ist, muss jetzt nach der neuen Datierung recherchiert werden. Es sei zu klären: „Wer konnte überhaupt so einen frühen Turm bauen? Denn das war ein außergewöhnlich aufwendiges und auch teures Bauprojekt.“
Welcher Auftrag ist außerdem noch dazugekommen?
Der hat mit dem Grundriss von Schloss Homburg zu tun. „Die Grundrisse, die wir haben, stimmen alle nicht. Jetzt ist der Auftrag einen Grundriss anzufertigen, mit dem man auch wirklich arbeiten kann.“
Wie geht der Burgenforscher konkret vor?
Joachim Zeune hat an verschiedenen Stellen Putz abgetragen, um dahinter Mauerwerk, Fugen und Mörtel zu untersuchen. Er wertet alte Bildquellen aus, bringt archivarische Auswertungen und bodenkundliche Überlegungen in Einklang, vermisst neu. Das sei auch viel Grundlagenforschung: „Wir rollen die ganze Baugeschichte noch einmal ganz neu auf. Wir hinterfragen alles, was bisher geschrieben worden ist, und schauen: Stimmt das auch?“ Ziel sei es, dass am Schluss der Untersuchungen die Baugeschichte von Schloss Homburg in einer Ausstellung sehr genau und deutlich und vor allem gesichert präsentieren können.
Wer finanziert die Erforschung der Baugeschichte?
Die Finanzierung erfolgt aus Kreismitteln, heißt es in einer Mitteilung des Oberbergischen Kreises. Je nach Aufwand könnten zusätzlich Fördergelder des Landes beantragt werden. „Wir wollen Forschung lebendig machen“, wird Kuratorin Birgit Langhanke vom Kulturamt in einer Mitteilung des Oberbergischen Kreises zitiert. Die Forschungsergebnisse sollen nach und nach in die Ausstellung aufgenommen und so öffentlich zugänglich gemacht werden.
Mittelaltermarkt auf Schloss Homburg
Vom 30. April bis 3. Mai herrscht auf dem Gelände rund um Schloss Homburg wieder ein buntes und quirliges mittelalterliches Treiben. Veranstalter Andreas Tabor, der Verein Kramerey vnd Kurtzweyl und auch das Kreiskulturamt laden dann zum Mittelaltermarkt ein.
Ein erster knapper Programmüberblick: Los gehts am Donnerstag, 30. April, mit dem schon aus den Vorjahren bekannten Schulpädagogischen Tag (Zugang zum Gelände nur für gebuchte Schulklassen). Für jedermann öffnet der Markt dann um 17 Uhr zur offiziellen Markteröffnung und zum Walpurgisfest. Freitag und Samstag ist der Markt von 11 bis 20 Uhr geöffnet, Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Es warten mittelalterliche Handwerker; das Programm bestreiten Künstler wie etwa Chapelloise, Lupus der Gaukler, ConFilius, Maxx der Narr, Theater Gimolino, Tanzweib Mirimah, Robin Hood, die Band Tanzwut – und natürlich Herold Walther von der Pferdeweide und Äbtissin Adelheid.
