Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch hat 20 Bienen- und 18 Hummelvölker, die für die Bestäubung sorgen.
Bienen und HummelnEs summt und brummt auf der Kirschplantage in Bornheim

Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch in der Kirschblüte in seiner Plantage in Bornheim-Merten.
Copyright: Magret Klose
Wenn Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch (51) über seine Leiharbeiterinnen spricht, dann gerät er schnell richtig ins Schwärmen. „Ihr Fleiß und ihre Genügsamkeit sind einfach nicht zu toppen“, sagt er. Wenn ihnen das Wetter passt, seien sie völlig ohne Protest von morgens bis zum Sonnenuntergang im Einsatz. „Nur wenn es ihnen zu kalt ist, bleiben sie auch unabgemeldet ihrer Arbeitsstätte fern“, erklärt er. Aber er habe gelernt auch damit umzugehen. „Unsere Leiharbeiterinnen starten ja immer erst bei Temperaturen ab zwölf Grad“, erklärt er.
Ihre Aufgaben seien allerdings klar definiert: „Sie müssen einfach nur mithelfen die etwa 15 Millionen Süßkirschen-Blüten zu bestäuben“, berichtet der Obstbauer. Und dann erklärt er, dass seine Leiharbeiterinnen in so genannten Beuten leben.
20 Bienenkästen und 18 Hummelvölker
Eng arbeitet er deswegen auch mit seinem Imker Jonas Klingel zusammen, der ihm auch in diesem Jahr wieder 20 Bienenkästen in die Plantage gestellt hat. Zusätzlich hat er auch noch 18 Hummelvölker im Einsatz. „Sie fliegen ja schon bei deutlich geringeren Temperaturen ab acht bis zehn Grad“, sagt Schmitz-Hübsch. In regelmäßigen Abständen hat der Obstbauer in seiner Plantage aber auch spezielle Insektenhotels für seine Mauerbienen stehen.
Und gemeinsam hat es das brummende und summende Insektenvolk bisher jedes Jahr geschafft, die Kirschblüten zu bestäuben und somit die Grundvoraussetzung für eine gute Ernte zu schaffen. „Den Nektar, den die Bienen sich hier in der Kirschplantage sammeln, den brauchen sie aber selber“, erklärt Klingel. In ein paar Wochen holt er die „Leiharbeiterinnen“ wieder ab. Von der Kirschplantage geht es dann oft ans Rapsfeld, wo sich die Völker erfahrungsgemäß erholen und vergrößern.

Hier haben die Mauerbienen ihr zu Hause.
Copyright: Magret Klose
Die Kirschblüte im Vorgebirge hat Geschichte. In den 1950er und 1960er Jahren hat die Köln-Bonner-Eisenbahn sogar Sonderfahrten zur Kirschblüte ins Vorgebirge angeboten. Allerdings fordert die zunehmende Klimaerwärmung und Globalisierung auch ihren Tribut im Obstanbau: Beispiel Kirschessigfliege. Der ursprünglich aus Asien stammende, invasive Schädling hat sich seit seinem Erstfund 2011 rasant schnell in Deutschland und Europa ausgebreitet. Heute ist er mit dafür verantwortlich, dass die Süßkirschen von Roland Schmitz-Hübsch in einer fast „eigenen Welt“ abgeschottet von den Blicken der meisten Menschen wachsen und reifen.
Auf dem etwa 2,5 Hektar großen Areal stehen rund 3000 Süßkirschbäume acht verschiedener Sorten. Das komplette Gelände ist mit einer sehr hohen und dichten Thuja-Hecke umfriedet. Diese hat die Aufgabe, den Wind abzufangen. Wegen der aktuell noch sehr kalten Aprilnächte hat Schmitz-Hübsch auch das Foliendach über der Plantage ausgefahren.
Tröpfchenbewässerung mit 50 Liter pro Baum in der Woche
„Das Foliendach schützt vor der Kälte, es hält aber auch die Blüten trocken und so den Schimmelpilz Monilia draußen“, erklärt er. Die Bewässerung der Bäume erfolge vollautomatisch per Tröpfchenbewässerung – 50 Liter pro Baum und Woche. Inzwischen stehen alle acht Süßkirschsorten in voller Blüte. „Unsere Leiharbeiterinnen haben jetzt richtig was zu tun“, kommt Schmitz-Hübsch wieder auf die Bienenvölker zu sprechen.
Wenn sie ihr Werk beendet haben, müssten die feinmaschigen Netze ausgefahren werden. „Diese haben eine Maschenweite von nur 0,8 Millimeter“, beschreibt der Obstbauer die Besonderheit. Die feinen Maschen verhindern, dass die Kirschfruchtfliege und die Kirschessigfliege in die Anlage gelangen können.
„Die Netze bilden beiden Eindringlingen eine natürliche Barriere“, erklärt Schmitz-Hübsch. Sie helfen somit auch mit, Pflanzenschutz erheblich einzusparen. Denn über 90 Prozent der Schädlinge könnten dank der Biotechnik einfach so aus der Anlage gehalten werden. Roland Schmitz Hübsch vermarktet seine Süßkirschen im Übrigen ausschließlich im Hofladen – vom Start der Ernte Anfang Juni bis zum Ende, dass etwa Mitte August zu erwarten ist.
