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Werk wird geschlossenNach fast 100 Jahren kommt das Aus für Tuffi-Molkerei in Köln

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Tuffi-Milch gibt es weiter im Supermarkt-Regal. Produziert wird aber nicht mehr in Köln.

Tuffi-Milch gibt es weiter im Supermarkt-Regal. Produziert wird aber nicht mehr in Köln.

Ende Oktober schließt das Werk in Köln. Betroffen davon sind rund 200 Mitarbeiter in Köln-Bilderstöckchen. Nun sollen hier mehrere 100 Wohnungen entstehen.

Den runden Geburtstag erlebt die Molkerei in Köln-Bilderstöckchen nicht mehr. Der hätte nächstes Jahr begangen werden können, auch wenn die Mitarbeitenden schon länger keinen Grund zum Feiern mehr haben. 650 Mitarbeitende haben auf beiden Seiten der Geldernstraße und entlang des Bahndamms hier einst Milch verarbeitet. Jetzt sind noch rund 200 von der angekündigten Schließung Ende Oktober betroffen.

Aus der 1924 gegründeten Milchversorgung Köln wurde durch Fusion die Milchversorgung Rheinland, später Tuffi, die 1998 von Campina übernommen wurden, die schließlich zur Friesland Campina fusionierte. Und seit Friesland Campina vor knapp einem Jahr erklärte, sich weitgehend vom Deutschland-Geschäft zu trennen, ist die Angst im Kölner Werk groß.

Zum 1. April schließlich verkaufte der niederländische Molkerei-Riese die Markenrechte sowie Produkte der Marken Landliebe und Tuffi inklusive der Produktionsstandorte Heilbronn, Köln und Schefflenz mit insgesamt 730 Mitarbeitenden an die Unternehmensgruppe Theo Müller. Das Bundeskartellamt genehmigte den Deal aber nur unter der Auflage, dass Müller Teile des Geschäfts von Friesland Campina weiterverkauft.

Die Müller-Gruppe musste unwiderrufliche und unbefristete Lizenzen an der Marke „Landliebe“ erteilen. Und sie musste den gesamte Geschäftsbereich Tuffi an eine unabhängige dritte Molkerei veräußern, so Kartellamtschef Andreas Mundt Anfang März.

Beides ist inzwischen erfolgt. Die Molkerei Hochwald hat die Marke Tuffi gekauft sowie die Lizenz, Milchreis unter der Marke Landliebe herzustellen und zu vertreiben. Hochwald erweitere sein Produktportfolio und runde sein Milcheinzugsgebiet in Rheinland-Pfalz und dem Saarland jetzt auch Nordrhein-Westfalen mit der Marke Tuffi ab.

Landwirte liefern die Milch weiter an Friesland Campina

Die Milch der Genossenschaftsmitglieder von Friesland Campina geht aber weiter an das niederlänische Unternehmen und werde dann vor allem in den Niederlanden verarbeitet, sagte Hans Stöcker, Vorstandsmitglied bei Friesland Campina. Es gebe allerdings auch einen Austausch mit anderen Molkereien, um lange Transporte zu vermeiden.

Die Kartellauflage sei nun mitausschlaggebend dafür, dass der Standort Köln zu Ende Oktober geschlossen werden muss, teilte die Unternehmensgruppe Theo Müller am Mittwoch. An dem Tag wurden auch die Mitarbeitende informiert.

Sie erhielten Übernahmeangebote für die anderen Produktionsstandorte der Müller-Gruppe. Wie viele diese Angebote annehmen, ist unklar. Der nächstgelegene Standort der Müller Gruppe ist in Ratingen, andere liegen in Süddeutschland oder in den neuen Bundesländern. Da wäre zumindest ein Umzug für die Kölner Mitarbeitende angesagt .

„Die Schließung ist bitter, nicht nur, weil wir trotz der Auflagen voll und ganz hinter der Übernahme stehen, sondern auch, weil wir in Köln eine gut aufgestellte und motivierte Mannschaft vorgefunden haben“, sagte Marcus Almeling, Finanzchef von Theo Müller und in der Geschäftsführung der Gruppe auch für das Markengeschäft im Molkereibereich verantwortlich.

Mehrere hundert Wohnungen könnten entstehen

Mit dem zuständigen Betriebsrat in Köln würden Interessenausgleichs- und Sozialplanverhandlungen geführt, teilte die Müller-Gruppe mit. Und wo jetzt noch Milchprodukte entstehen, könnten demnächst mehre hundert Wohnungen gebaut werden. Das stehe als Nachnutzung im Raum, heißt es bei Müller.

Die Lage ist attraktiv. Zwischen dem S-Bahnhof Geldernstraße/Parkgürtel und der Molkerei sind schon Wohnungen entstanden. Auch auf einem ehemaligen Autohaus in der Nähe in Liebig-Straße wird gebaut. Und eine Nachnutzung sucht auch ein ehemaliger Baustoff-Handel schräg gegenüber von Tuffi.

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