Nach Tuffi-Rückzug in KölnGroßes Entwicklungspotenzial für Fläche zwischen Nippes und Ehrenfeld

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Die Zentrale von Friesland Campina

Die Zentrale von Friesland Campina

Friesland Campina zieht sich auf der Geldernstraße in Köln zwischen Nippes und Ehrenfeld zurück. Das weckt Begehrlichkeiten

Zugegeben, Genaues weiß man nicht. Aber mit dem Rückzug von Friesland Campina (Tuffi) an der Geldernstraße werden Begehrlichkeiten frei für einen der potenziell letzten großen innerstädtischen Entwicklungsbereiche: Dem „Lückenschluss“ zwischen Nippes und Ehrenfeld.

Das an das Gleisdreieck angrenzende Gebiet galt Jahrzehnte lang als Schmuddelkind zwischen hippem Ehrenfeld und familientauglichem Nippes. Geprägt von Industrie, Schlachthof, Gewerbe und Gewerbe ganz anderer Art – Kölns Großbordelle liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Auch wenn sich speziell Richtung Ehrenfeld viel getan hat in den letzten Jahren, waren Gleisdreieck und diese Teile Neuehrenfelds und Bilderstöckchens nicht unbedingt das, was man sich in Köln unter „1a“-Wohnlage vorgestellt hat.

Das könnte sich nun schrittweise ändern. Nicht über Nacht, dazu müssen noch viele offene Fragen geklärt und viele politische Entscheidungen getroffen werden. Und dass es nicht reicht, einfach neuen Wohnraum zu schaffen ohne ausreichend für Schulen, Kitas und Nahversorgung Sorge zu tragen, ist auch keine neue Erkenntnis. Wenn auch in der Vergangenheit viel zu oft vernachlässigt. Nicht zuletzt wird man Lösungen   finden müssen, um die Anwohner in den dicht und eng besiedelten Nachbarvierteln nicht über Gebühr zu belasten.

Einige hundert Wohnungen könnten entstehen

Aber mal gesetzt den Fall. Von „einigen hundert Wohnungen“ sprach der neue Besitzer von Friesland Campina, die Unternehmensgruppe Theo Müller (Müller Milch), die im Nordwesten neu entstehen könnten. Wer sie baut und in welcher Form, bleibt zunächst außen vor. Direkt angrenzend liegt aber auch das Gelände des ehemaligen Mobau-Baumarktes Linden, der an die Widdersdorfer Straße umgesiedelt ist – dort ist bislang ebenfalls weitgehend Brachland. Und wiederum ein paar Meter weiter an der   Escher Straße tut sich auf dem ehemaligen Praktiker-Baumarkt nichts mehr.

Gleichzeitig wird an der Liebigstraße, direkt gegenüber des Schlachthofes, bereits eifrig gebaut: „Attraktive Stadthäuser, abwechslungsreiche Eigentumswohnungen und Mietwohnungen“ entstehen dort laut Bouwfonds Immobilienentwicklung (BPD), „die den modernen Ansprüchen unterschiedlicher Lebensstile gerecht werden“.

Das Baugelände auf der Liebigstraße.

Das Baugelände auf der Liebigstraße.

Ein Bürohaus und kleinere Ladeneinheiten sowie der Bau einer Kindertagesstätte sollen die Entwicklung von „Ehre & Liebig“ vervollständigen. Ein günstiges Vergnügen wird das sicher nicht. Was zur Frage führt, ob eine gut betuchte Klientel dauerhaft dem Lkw-Verkehr auf dem Schlachthof gegenüber zuschauen möchte. Denn der wäre dann der letzte, große Schlussstein mit Auswirkungen direkt ins Gleisdreieck hinein.

Produzierende Betriebe von Stadt erwünscht

Eine reine Wohnbebauung in dem ganzen Bereich dürfte allerdings nur schwer umzusetzen sein. Denn nicht nur das Wirtschaftsdezernat hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, „Gewerbe bleibt Gewerbe“.

Produzierende Betriebe – auch kleinteilig – mit wenig bis gar keinen Immissionen sind von Stadt und Politik ausdrücklich erwünscht. Und Gewerbe wird auch gebraucht, sei es zur Schaffung von Arbeitsplätzen oder um überhaupt Unternehmen in der Stadt zu halten oder neu anzusiedeln. Gewerbeflächen sind ebenso rar wie Flächen für den Wohnungsbau. Von daher bleibt abzuwarten, ob die Müller-Ankündigung nicht vielleicht ein wenig großspurig war.


Campina

Aus der 1924 gegründeten Milchversorgung Köln wurde durch Fusion die Milchversorgung Rheinland, später Tuffi, die 1998 von Campina übernommen wurde, die zur Friesland Campina fusionierte. Vor knapp einem Jahr hat Friesland Campina erklärt, sich vom Deutschland-Geschäft zu trennen. (raz)

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