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„Abläufe sind unbefriedigend“Zwei Kölner warten seit Monaten auf Geld von der Stadt

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Norbert Krautz (l.) und Matthias Wiese warten seit einem halben Jahr auf die Auszahlung ihrer bewilligten Solar-Förderung durch die Stadt Köln.

Norbert Krautz (l.) und Matthias Wiese warten seit einem halben Jahr auf die Auszahlung ihrer bewilligten Solar-Förderung durch die Stadt Köln. 

Die Stadt Köln verweist auf eine große Nachfrage, weshalb es zu Wartezeiten bei der Bearbeitung der Zuschüsse für Photovoltaik-Anlagen kommen könne. 

Die Photovoltaik-Anlagen auf den beiden nebeneinander liegenden gelben Reihenhäusern in Weiden sind seit dem vergangenen August installiert und bezahlt. Aber auf die von der Stadt Köln zugesagten Zuschüsse aus dem Förderprogramm „Photovoltaik – klimafreundliches Wohnen in Köln“ warten Norbert Krautz, Besitzer des Endhauses, und sein Nachbar Matthias Wiese bis heute.  

Ende Juli 2025 hatte die Stadt ihre Anträge auf Förderung bewilligt. Anfang Oktober hatten sie dann alle nötigen Unterlagen für den so genannten „Verwendungsnachweis“ der Stadt zusammen und luden sie hoch. Seither: Funkstille bei Wiese. Zweimal hat er per Mail nachgefragt, ob der Stadt noch irgendetwas fehle. Zweimal bekam er keine Antwort. Lediglich eine automatische Mail, in der ihm mitgeteilt wurde, er solle von weiteren Rückfragen absehen, da diese die Bearbeitungszeit nur zusätzlich verlängerten. 

Krautz ist es einmal gelungen, während der äußerst knapp bemessenen Telefonzeiten einen zuständigen Mitarbeiter der Stadt ans Telefon zu bekommen. Wegen Personalmangels seien seine Unterlagen noch nicht geprüft worden, hieß es. Mehr konnte man ihm nicht sagen.

Bei allen anderen geht es schneller als bei der Stadt Köln
Norbert Krautz, hat eine Photovoltaik-Förderung bewilligt bekommen

Das ärgert die beiden Männer, die in Vorleistung gegangen sind. Und die mit anderen Behörden ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Etwa mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beim Einbau neuer Haustüren. Oder mit der staatlichen Förderbank KfW bei der Installation einer Wärmepumpe. „Bei allen anderen geht es schneller als bei der Stadt Köln“, sagt Krautz. 

Die Stadt wirbt für ihre Photovoltaik-Förderprogramme mit diesen Worten: „Dadurch werden der CO₂-Ausstoß reduziert, die Energiekosten gesenkt und die lokale Umwelt geschützt. So leisten wir einen Beitrag zu einer lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt.“ Krautz und Wiese fühlen sich von dieser Aussage verschaukelt. Bisher haben nur sie ihren Beitrag geleistet. Und sie bekommen keinerlei Aussagen der Stadt dazu, wann die zugesagten Zuschüsse gezahlt werden sollen.

„Dass die Förderung angeboten wird, ist ja klasse“, sagt Wiese: „Aber die Abläufe sind unbefriedigend.“ Er hat umfassend in die von der Stadt propagierte klimafreundliche Umstellung investiert und die PV-Anlage, ein E-Auto und eine Wärmepumpe angeschafft. „Das zahlt man nicht mal eben aus der Portokasse, ich erwarte die Zuschüsse der Stadt dringend.“

Die Solarenergie sei eine zentrale Säule der Energiewende. „Wir wollen mit der Anpassung unserer Förderung den Ausbau von PV-Anlagen und Speichertechnologien unterstützen und gleichzeitig die Förderung für die Antragstellenden vereinfachen“, hatte William Wolfgramm, Dezernent für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften, im Mai des vergangenen Jahres gesagt. Das Photovoltaik-Förderprogramm für 2024 war bereits im August ausgeschöpft gewesen, 20 Millionen Euro hat die Stadt dafür bereitgestellt.

Neue Solarförderprogramme der Stadt Köln seit Mitte 2025

Matthias Wiese wollte seine PV-Anlage eigentlich damals schon installieren. Er hat dann aber extra gewartet, bis im Juni 2025 die neuen Förderprogramme für klimafreundliches Arbeiten und Wohnen aufgelegt wurden. 2025 sollten dafür zwölf Millionen Euro zur Verfügung stehen, ab dem 1. Dezember wurden keine Anträge mehr angenommen. Für 2026 sind acht Millionen Euro vorgesehen. Die Förderung wird aber nur so lange gewährt, bis die Mittel ausgeschöpft sind. Berechnet wird das anhand der bewilligten, aber noch nicht ausgezahlten Mittel.    

Die Beantwortung einer Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei der Stadt dazu, wie viel Geld aus den jeweiligen Fördertöpfen bereits ausgezahlt wurde, zog sich über mehrere Wochen. Es wurde mehrfach auf Krankheitsfälle und auf die Kompliziertheit der Zahlen verwiesen. Letztlich ist es so: Von den im Juni 2025 neu aufgelegten Förderprogrammen wurden bislang 474.700 Euro ausgezahlt, 12.900 im Jahr 2025 und 461.800 im Jahr 2026. Wieviel davon für Anträge aus welchem Jahr bezahlt wurde, kann die Stadt nicht beantworten. Das werde nicht gesondert ausgewiesen.

12.500 Anträge auf Solarförderung hat die Stadt Köln seit 2022 bewilligt

Insgesamt wurden 2025 10,2 Millionen Euro an Solarförderung an Kölnerinnen und Kölner überwiesen – darin enthalten sind aber auch Zahlungen aus den vorangegangenen Solar-Förderprogrammen. Nach Aussage eines Stadtmitarbeiters haben die Antragsteller nach der Bewilligung ihrer Förderung je nach Förderprogramm zwei bis vier Jahre Zeit, ihre Projekte abzuschließen und die entsprechenden Unterlagen bei der Stadt einzureichen. 

Die Stadt Köln fördert den Ausbau von Photovoltaikanlagen bei Bestandsgebäuden im Kölner Stadtgebiet seit mehreren Jahren, die entsprechenden Förderprogramme trugen unterschiedliche Namen. Seit dem 4. April 2022 seien mehr als 14.700 Förderanträge gestellt worden, teilte die Stadt mit. Davon seien bisher rund 12.500 Anträge bewilligt worden. Für 7800 Vorgänge habe es Auszahlungen mit einem Volumen von über 26,5 Millionen Euro gegeben. Wer sein Projekt wie Norbert Krautz und Matthias Wiese schnell umsetzt und der Stadt schnell alle Unterlagen zur Verfügung stellt, kann die Abläufe dadurch aber offenbar nicht beschleunigen.

Die Auszahlung öffentlicher Mittel unterliege „strengen haushaltsrechtlichen Vorschriften“, heißt es vonseiten der Stadt. Deshalb werde vor Auszahlung der Fördermittel eine Prüfung der realisierten Maßnahme durchgeführt. Diese könne erst beginnen, wenn alle erforderlichen Informationen vorlägen. Der daraus resultierende Abstimmungsprozess zwischen Antragsteller und Sachbearbeiter könne mehrere Wochen dauern. Insbesondere Missverständnisse in der Kommunikation sowie die benötigte Unterstützung von weiteren Beteiligten wie Fachfirmen, Energiedienstleistern oder Behörden beeinflussten die Bearbeitungszeit. Und jeder Sachbearbeiter könne nur eine bestimmte Anzahl von Vorgängen bearbeiten. Solange die einen nicht abgeschlossen seien, könnte nicht mit der Prüfung weiterer begonnen werden. 

Die Kölner Förderprogramme für den Photovoltaikausbau seien ein großer Erfolg, betont die Stadt. Die nach wie vor große Nachfrage bestätige das und zeige, dass die Kölnerinnen und Kölner „gerne und zahlreich an der Energiewende mitwirken“. In NRW liege die Stadt Köln beim Zubau von Photovoltaikanlagen unter allen Kommunen auf Platz eins, bundesweit noch vor München auf Platz drei. Durch die große Nachfrage könne es aber eben leider auch zu Wartezeiten bei der Bearbeitung kommen.