Ein Teil der Gewerbefläche bei Euskirchen-Großbüllesheim soll zum interkommunalen Gewerbegebiet werden. Die Erschließung startet frühestens 2029.
Prime Site Rhine RegionGewerbegebiet für Euskirchen und Weilerswist könnte in den Ipas kommen

An der L 210 wird gerade der Ipas-Kreisel erneuert. Im Hintergrund befindet sich die LEP-Fläche der Prime Site Rhine Region.
Copyright: Tom Steinicke
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen treibt die Überarbeitung des Landesentwicklungsplans weiter voran – und damit auch eines der bedeutendsten Strukturprojekte der Region: die „Prime Site Rhine Region“ zwischen Euskirchen und Weilerswist.
Das rund 205 Hektar große Areal östlich des Industrieparks am Silberberg (IPAS) bei Großbüllesheim gilt seit Jahren als Hoffnungsträger für eine großflächige Industrieansiedlung. Internationale Konzerne wie Haribo, BMW, Tesla und zuletzt Northvolt prüften den Standort intensiv – entschieden sich am Ende jedoch gegen Euskirchen.
Mindestgröße für Ansiedlungen sinkt von zuvor 50 auf 20 Hektar
Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen nimmt das Land nun Anpassungen vor. Bereits im ersten Beteiligungsverfahren wurde die Fläche für großflächige Industrieprojekte von ursprünglich 220 auf 190 Hektar reduziert. Gleichzeitig sinkt die Mindestgröße für Ansiedlungen deutlich – von zuvor 50 auf künftig 20 Hektar.
Ein Teilbereich von rund 30 Hektar soll künftig zudem für interkommunale gewerbliche Nutzung bereitgestellt werden. Ziel ist es, schneller erste Unternehmen anzusiedeln und so die Attraktivität der Gesamtfläche zu steigern.
Der Weilerswister Bürgermeister Dino Steuer sieht darin einen wichtigen Schritt: Die Anpassungen seien eine Reaktion auf bisherige Vermarktungserfahrungen und aktuelle Anfragen. Insbesondere die kleinere Teilfläche könne zügiger entwickelt werden. Die daraus erzielten Einnahmen könnten helfen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die verbleibende Fläche zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt zu erhöhen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten spiele der Grundstückspreis eine immer größere Rolle, so Steuer. Erste Ansiedlungen könnten zudem eine Signalwirkung entfalten und weitere Investoren anziehen.
Trotz der Fortschritte ist Geduld weiter gefragt
Trotz der Fortschritte bleibt Geduld gefragt. Nach der Anpassung des Landesentwicklungsplans und des Regionalplans muss die Stadt Euskirchen ihre Bauleitplanung überarbeiten. Selbst im optimalen Fall könnte dies erst bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Eine tatsächliche Erschließung – also Straßen- und Kanalbau – wäre dann frühestens 2029 möglich. Aber: Weilerswist verfügt nach Angaben von Steuer über keine freien Gewerbeflächen mehr. Daher sei das Gebiet Licht am Ende des Tunnels.
Auch aus der Landespolitik kommt weiterhin Rückendeckung. Der Euskirchener CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem bezeichnet die Entwicklung der Fläche als „herausragendes strukturpolitisches Projekt“ für Nordrhein-Westfalen und die gesamte Region.
Die „Prime Site Rhine Region“ biete ideale Voraussetzungen, um international wettbewerbsfähige Unternehmen anzusiedeln – etwa aus der Automobil-, Batterie- oder Halbleiterindustrie. Angesichts globaler Entwicklungen könnten künftig auch andere Industriezweige an Bedeutung gewinnen. Ziel sei es, nachhaltiges Wachstum, hochwertige Arbeitsplätze und eine zukunftsfähige industrielle Basis miteinander zu verbinden.
Landtagsabgeordneter Klaus Voussem mahnt zu Realismus
Gleichzeitig mahnt Voussem zu Realismus: Die bislang gescheiterten Ansiedlungen müssten ausgewertet werden. Sollte sich weiterhin kein Großinvestor finden, könne perspektivisch auch eine stärkere Nutzung durch kleinere, interkommunale Gewerbeansiedlungen sinnvoll sein.
Aus Sicht des Landes konkurriert die Prime Site deutschland- und europaweit, in Einzelfällen sogar weltweit mit anderen Standorten. „Die Erfahrungen zeigen, dass die Fläche grundsätzlich sehr gut geeignet und konkurrenzfähig ist“, heißt es aus dem NRW-Wirtschaftsministerium. Logistisch sei der Standort durch eine gute Straßen- und Schienenanbindung sowie durch die Anbindung über den Duisburger Hafen sehr gut gelegen.
Das Areal sei „nach wie vor eine der attraktivsten verfügbaren Industrie- und Gewerbeflächen für Großvorhaben in ganz Deutschland“. Dass die Prime Site bisher den Kürzeren gezogen habe, könne nicht an einem einzelnen Faktor festgemacht werden. „Die Standortentscheidungen der Unternehmen sind für jedes Projekt individuell zu bewerten“, so das Land.
