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Unterstützung an SchulenWie ein Förderprogramm junge Kölnerinnen und Kölner nach vorne bringt

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Gutes Team: Sozialpädagoge Carl Liedtke (l.) und Schüler Daniel.

Seit 2007 bekommen einige Kölner Schülerinnen und Schüler eine ganz besondere Unterstützung.

„Bei mir war alles chaotisch, ich hatte gar keine Ahnung, was ich im Praktikum machen will“, erinnert sich Daniel. Das war vor rund fünf Jahren, als der heute 17-Jährige gerade erst aus Angola mit seiner Familie nach Köln gezogen war. Deutsch konnte er noch gar nicht. Die Situation war geprägt von Hindernissen: Sprachschwierigkeiten, ein neuer Kontinent, eine neue Kultur, ein Schulsystem, das weder seine Eltern noch er richtig verstanden. Als Sozialpädagoge Carl Liedtke in den siebten Klassen der Willy-Brandt-Gesamtschule das Förderprogramm PlanBildung vorstellte, war für Daniel sofort klar, dass er teilnehmen möchte. Daniel ist einer von 40 Schülerinnen und Schülern, die Liedtke an der Höhenhauser Gesamtschule betreut.

Der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds (KGS) hat PlanBildung vor rund 20 Jahren eingerichtet. Das Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die besonderen Unterstützungsbedarf haben. Aktuell wird es an drei Schulen in Köln angeboten.  Die Teilnehmenden werden intensiv durch Pädagoginnen und Pädagogen betreut, die täglich als feste Anlaufstelle an den Schulen vor Ort sind. Sie helfen bei schulischen Herausforderungen, Bewerbungen für Praktika oder Ausbildung, aber auch bei Konflikten mit Lehrkräften, Mitschülern oder zu Hause. In Workshops setzen sich die Jugendlichen mit ihren Stärken und möglichen Berufszielen auseinander.

„In Deutschland entscheidet noch immer das Elternhaus darüber, wie erfolgreich Jugendliche in der Schule sind“, sagt Valeska Damm-Berndorff, Koordinatorin von PlanBildung beim KGS. „Mit unserem Programm wollen wir Jugendliche unterstützen, die sonst Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren, und sie dazu befähigen, ihre Potenziale zu entfalten.“

Sehr guten Abschluss der 10. Klasse erreicht

Bei Daniel hat dieses Konzept funktioniert.  „Die zehnte Klasse habe ich mit einem Notendurchschnitt von 1,2 abgeschlossen“, sagt er. Sein Deutsch ist akzentfrei, die Ausdrucksweise gewählt. „Das kommt auch daher, dass Carl mir oft Bücher empfiehlt, die ich lese“, erklärt Daniel. Weil er so gut in der Schule war, durfte er an einer Fahrt nach Brüssel teilnehmen, die der KGS organisiert hat. „Pro Schule vergeben wir drei Plätze für diese Fahrt zum Europaparlament. Ausgezeichnet werden das beste Zeugnis, die beste Zeugnisverbesserung vom Halbjahr zum nächsten Halbjahr und das beste soziale Engagement“, erläutert Liedtke.

Auch wenn Daniel schon gut aufgestellt ist, schätzt er immer noch die Unterstützung, die er von Liedtke bekommt, beispielsweise das Ipad, das der KGS ihm finanziert hat. „Das hilft mir sehr, effektiver zu lernen“, sagt er und fügt hinzu: „Bei der Berufsorientierung brauche ich auch auf jeden Fall auch noch Unterstützung.“ Für Ingenieurswissenschaft und für Informatik interessiert sich der 17-Jährige. Welche Wege es in ein solches Studium gibt, kann er mit dem Sozialpädagogen ebenso besprechen wie persönliche Probleme. „Was ich bei Carl sehr gut finde, ist, dass er uns zeigt, wie viele Möglichkeiten wir haben“, sagt Daniel.

„Es ist auch viel Beziehungsarbeit, die ich hier mache“, sagt Carl Liedtke und fügt hinzu: „Ich weiß, dass ich sinnvolle Sachen hier mache. Die Schülerinnen und Schüler, die im Programm sind, sind natürlich sehr unterschiedlich. Nicht jeder ist so gut in der Schule wie Daniel. Aber egal, welche Bedürfnisse sie haben, wir arbeiten grundsätzlich sehr eng zusammen.“ Und während er das erzählt, klopft auch schon der nächste Schüler an die Tür zum geräumigen Büro des 38-Jährigen. „In der Pause ist hier oft so eine Art Jugendzentrum“, lacht der Sozialpädagoge, „Ich bin halt ansprechbar. Zuspruch, Wertschätzung, Anerkennung, gesehen werden – das ist das Wichtigste für die Schülerinnen und Schüler.“


Über den Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds

Der Kölner Gymnasial- und Stiftungfonds verwaltet das Stiftungsvermögen von über 300 privaten Stiftungen, die sich für Bildungsförderung einsetzen. Die älteste Stiftung unter dem Dach des KGS stammt aus dem Jahr 1422, die jüngste wurde 2025 gegründet. Aus den Erträgen dieses Stiftungsvermögens finanziert der KGS Schüler- und Studienstipendien sowie vielfältige Bildungs- und Förderprogramme, darunter PlanBildung.

PlanBildung gibt es aktuell an folgenden Schulen in Köln: Willy-Brandt-Gesamtschule (Höhenhaus), Genoveva-Gymnasium (Mülheim) und Heinrich-Böll-Gesamtschule (Chorweiler).