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Kunstwerk in KölnDas Kölner Flügelauto soll weichen – HA Schult wehrt sich

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Seit 34 Jahren steht das Flügelauto von HA Schult auf dem Turm des Kölner Zeughauses.

Seit 34 Jahren steht das Flügelauto von HA Schult auf dem Turm des Kölner Zeughauses.

Nach 34 Jahren auf dem Zeughaus-Turm droht dem berühmten Wahrzeichen das Aus: Die Stadt will das Kunstwerk wegen Einsturzgefahr entfernen. Der Künstler schaltet einen Anwalt ein und kämpft um sein Werk.

Das berühmte Flügelauto von HA Schult soll den Abflug machen. Vor mehr als 34 Jahren, am 25. April 1991, wurde sein Kunstwerk „Goldener Vogel“ auf dem Treppenturm des Zeughauses installiert. Abgesehen von zwei Unterbrechungen für Reparaturen trotzt es dort seit rund 12.500 Tagen Wind und Wetter. Doch nun soll bald sein letztes Stündlein am bekannten Standort schlagen.

Gefährdete Standsicherheit: Stadt plant Entfernung des Flügelautos

Nach Rundschau-Informationen hat Kulturdezernent Stefan Charles dem Künstler Mitte August in einem Brief mitgeteilt, „dass das Flügelauto vom Turm abgenommen werden muss, um langfristig einen Einsturz des Turms zu vermeiden“. Das habe „ein zweites, umfangreicheres Gutachten mit objektbezogener Schadensanalyse sowie Rissmonitoring“ ergeben.

Vor rund drei Monaten war bekannt geworden, dass die Standsicherheit des Treppenturms gefährdet ist. Im Rahmen eines turnusmäßigen Gutachtens von April 2025 „wurden bei der Überprüfung durch einen Sachverständigen augenscheinlich Risse im Mauerwerk und im Naturstein bemerkt“, heißt es in dem Schreiben von Charles.

Umfangreiche Schäden durch Korrosion und Vogelkot

Eine vertiefte Untersuchung förderte nun eine neue Hiobsbotschaft für das Zeughaus zu Tage. „Laut Gutachten sind die Standsicherheit und Verkehrssicherheit des Treppenturms beeinträchtigt“, so Charles. Am Flügelauto festgestellte Schäden seien „vor allem auf Korrosion und Vogelkotablagerungen zurückzuführen. Er bedauere „die notwendige Maßnahme zur Sicherung des Treppenturms sehr“, sei aber „überzeugt, dass es neue Wege geben wird, um das Flügelauto in einem adäquaten Umfeld zu präsentieren“, schreibt der Kulturdezernent an den Künstler. Und er lässt ihn wissen: Eine „sichere Einlagerung des Kunstwerkes“ sei über das Kölnische Stadtmuseum möglich, dazu werde Museumsdirektor Matthias Hamann mit ihm Kontakt aufnehmen.

Zukunft des Flügelautos ungewiss

Im Klartext: Das Flügelauto soll vorerst ins Depot. Und wenn der Treppenturm saniert ist, soll es nicht an seinen Platz zurückkehren, sondern anderswo unterkommen.

Nachdem das Stadtmuseum 2021 nach einem Wasserschaden aus dem Zeughaus ausziehen musste, steht das denkmalgeschützte Gebäude inzwischen seit rund vier Jahren leer. Zuletzt ließ die Stadt aus Sicherheitsgründen die markanten rot-weißen Fensterläden abbauen (siehe Infotext).

Es ist eine Demontage auf Raten. Seit Jahren wird in Köln darüber debattiert, was mit dem Zeughaus geschehen soll. Doch ein neues Konzept sind Stadt und Politik auch nach dem Aus für die „Historische Mitte“ am Dom schuldig geblieben.

HA Schult und der Kampf um das Flügelauto

HA Schult will sich mit der Entfernung seines Kunstwerks nicht abfinden. „Das Flügelauto steht auf dem Zeughaus genau richtig“, sagte er der Kölnischen Rundschau. Sein Kunstwerk sei international bekannt und ein Kölner Wahrzeichen. „Das ist doch ein Pfund, mit dem die Stadt Köln eigentlich wuchern müsste.“ Er werde sich dagegen zur Wehr setzen, dass die Stadt das Flügelauto dauerhaft vom Zeughausturm entfernen wolle.

HA Schult hat den bekannten Kölner Rechtsanwalt Rolf Bietmann mit der Wahrung seiner Interessen betraut. Dessen Kanzlei teilte Kulturdezernent Charles in dieser Woche mit: Die Ankündigung, das Kunstwerk zu entfernen, bedürfe gemäß Urheberrechtsgesetz einer umfänglichen rechtlichen Begründung. Bei dem Flügelauto handele es sich um „ein herausragendes Kunstwerk im öffentlichen Raum“ mit einem „überdurchschnittlich hohen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit“, es sei auf vielen Werbeartikeln, insbesondere Ansichtskarten der Stadt, zu sehen. Sein Mandant mache seinen Urheberschutz geltend, er wolle, „die angeblichen Gründe der Zerstörung des Kunstwerks“ wissen, „welches gerade in der Verbindung von Baukunst und der schöpferischen Aussagekraft des Flügelautos seinen besonderen künstlerischen Schutz erfährt“. Bietmann hat die Stadt aufgefordert, ihm das Gutachten bis Montag vorzulegen und das geplante Vorgehen zu begründen. Sollte die Stadt nicht reagieren, werde man rechtliche Schritte einleiten.

Historie des Flügelautos: Vom Stapelhaus zum Zeughausturm

Das Flügelauto entstand 1989 im Rahmen einer Kunstaktion von HA Schult und Elke Koska. Als Basis diente dabei der in Köln millionenfach produzierte Ford Fiesta. Das Kunstwerk stand zunächst auf dem Turm des Stapelhauses in der Altstadt, bis der damalige Direktor des Stadtmuseums, Werner Schäfke, es 1991 auf den Turm des Zeughauses holte. Der damalige Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes versuchte bis zu seinem Ruhestand 1999 vergeblich, das Flügelauto vom Zeughaus zu verbannen.

Bleibt die Frage, wem das Flügelauto eigentlich gehört. Am Zeughaus hängt ein Schild, wonach es ein Geschenk der Ford-Werke an den Verein der Freunde und Förderer des Kölnischen Stadtmuseums war. Dessen Vorsitzender Turadj Zarinfar betont jedoch auf Anfrage, die Aktenlage sei unklar: „Im Verein gibt es kein Dokument, das belegt, dass es eine Schenkung an uns war.“ Er vermute, dass es sich um Kunst am Bau handele, mithin also um Eigentum der Stadt. Zur möglichen dauerhaften Entfernung des Flügelautos will sich Zarinfar nicht äußern. Begründung: Das Stadtmuseum residiere nicht mehr im Zeughaus, sondern im Modehaus Sauer.