In unserer Serie zum 50. Jubiläum des Museum Ludwig stellen wir die Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig vor.
Freunde des Museum Luwig in Köln„So eine Situation birgt natürlich auch Chancen“

Der Vorstandsvorsitzende der Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und des Museum Ludwig, Karl-Ludwig Kley
Copyright: Thomas Brill
Wie kam es eigentlich, dass Sie Vorsitzender der „Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig“ wurden?
Durch einen tragischen Zufall. Mein Vorgänger und Freund Frank Zurlino starb plötzlich und für uns alle unerwartet. Daraufhin haben mich Mitglieder und Freunde gefragt, ob ich in der Nachfolge das Amt übernehmen würde. Nach einiger Überlegung habe ich zugesagt. Und da bin ich nun.
Die Freunde haben nun einen neuen Preis eingerichtet und nach Frank Zurlino benannt, der sich an junge Kunsthistoriker richtet. Wie kam es dazu und wie läuft es bis jetzt?
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Seine Geschwister kamen auf uns zu. Sie wollten gerne im Gedenken an ihren Bruder einen Preis stiften, um sein Wirken zu ehren und in Erinnerung zu halten. Da Franks besondere Liebe dem Wallraf, wie wir es gerne nennen, galt, haben wir uns zusammen mit Markus Dekiert auf den Weg gemacht, ein geeignetes Projekt zu identifizieren. Kunstpreise gibt es ja nun zuhauf. Aber für die so wichtige Gruppe junger Kunsthistoriker findet sich kaum etwas. Diese Lücke haben wir nun geschlossen. In der Positionierung mit dem Wallraf und der Veröffentlichung im Wallraf-Richartz-Jahrbuch wird dieser Preis Wirkung über Deutschland hinaus entfalten. Viele gute Beiträge sind eingegangen. Sie werden derzeit von der Jury bewertet. Ich bin gespannt auf das Ergebnis. Das werden wir dann angemessen und würdevoll feiern.
Sie selbst sammeln asiatische Kunst und hatten offenbar schon sehr früh Ihre Leidenschaft fürs Sammeln entdeckt. Tüten machten den Auftakt, wirklich?
(Lacht). Ja, manchmal sind Menschen Jäger, manchmal Sammler. Ich bin beides, habe aber früh mit dem Sammeln angefangen. Papierservietten, Zuckertütchen und ich weiß nicht was. Der Zucker ist verbraucht, die Servietten genutzt. Viel später im Leben begann das ernsthafte Sammeln, ganz überwiegend asiatische Kunst.
Ein Teil Ihrer Sammlung von Netsuke (kleine Figuren aus Japan, mit denen Behältnisse am Gürtel eines Kimonos befestigt wurden) wurde kürzlich im Museum für Ostasiatische Kunst ausgestellt.
Ja, das war eine schöne Ausstellung in einem wundervollen Museum. So kleine Gegenstände sind als Ausstellungsobjekte schwierig zu präsentieren. Das hat das Museum hervorragend kuratiert. Anlass für die Ausstellung war übrigens der 60. Geburtstag der Städtepartnerschaft zwischen Köln und Kyoto.
Im vergangenen Jahr sagten Sie in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger, Sie seien von der Idee abgerückt, einen Teil Ihrer Sammlung südostasiatischer Kunst dem Rautenstrauch-Joest-Museum anzubieten. Aufgrund der einseitigen ideologischen Fokussierung auf Anti-Kolonialismus, Anti-Rassismus, Anti-Irgendwas komme das für Sie nicht mehr in Frage. Nun wurde Nanette Snoeps Direktorinnen-Vertrag nicht verlängert und die Stelle neu ausgeschrieben. Ändert sich damit etwas für Sie?
Ich habe die neue Ausschreibung gelesen. Sie entspricht eigentlich voll und ganz der alten. Wenn es aber der Wille der Verantwortlichen in der Stadt ist, dass sich an der Positionierung des Museums nichts ändern soll, stellt sich schon die Frage, warum der Vertrag mit Frau Snoep dann nicht verlängert wurde. Denn das, was in der Ausschreibung stand und jetzt wieder steht, hat sie ja geliefert.
Noch mal, was ändert sich nun für Sie?
Erstmal nichts. Ich wundere mich, dass die Stadt nicht die Chance genutzt hat, das Rautenstrauch-Joest-Museum neu zu positionieren. Umfassender, vielseitiger, wissenschaftlicher, weniger ideologisch. Ein Museum, das Kunst und Information den Besuchern näherbringt, ohne etwas wegzulassen. Das durch vielfältige Perspektiven die Meinungsbildung den Besuchern überlässt. Das Museum verfügt über unglaubliche Schätze, die übrigens weitgehend von Bürgern der Stadt gestiftet wurden. Das sollte in angemessener Form auch zum Ausdruck gebracht werden.
Die Freunde wollen die Freude an der Kunst weitergeben. Über 5000 Mitglieder machen sich in einem der größten Fördervereine Deutschlands dafür stark, Kunst in den Fokus zu nehmen, ist das heute wichtiger als in der Vergangenheit?
Ich denke, das war zu allen Zeiten gleich wichtig. 1857 wurde der Kölner Museumsverein gegründet, 1922 unser Vorläufer, die Wallraf-Richartz-Gesellschaft. 1929 schlossen sich die beiden zu den Freunden zusammen. Seit fast 170 Jahren vermitteln wir Kunst über verschiedenste Formate an die Kölner Bürger. Mal wissenschaftlich, mal leicht und locker — wie in der Kunstnacht.
Was bedeutet Ihnen das persönlich? Warum ist Ihnen das wichtig?
Ich habe mein Leben lang in der Wirtschaft gearbeitet. Mitarbeiter habe ich immer dazu aufgefordert, dass sie neben der Arbeit und Familie und Freunden versuchen sollten, noch andere Interessen zu entwickeln. Nicht nur Sport. Nicht nur der Körper will trainiert werden, sondern auch der Geist. Der menschliche Horizont verengt sich zunehmend, wenn man sich nicht auf Anregungen außerhalb des täglichen Erlebens einlässt. Und da ist die bildende Kunst natürlich sehr geeignet: zum Anschauen, zum Verstehen lernen, zum Nachdenken. Und genau da leisten wir Freunde unseren Beitrag.
Für die Freunde wird sich in naher Zukunft einiges ändern: Das Wallraf schließt für einen längeren Zeitraum der Sanierung. Auch das Museum Ludwig soll saniert werden, wobei der Start derzeit ausgesessen wird. Damit stehen Sie vor einigen Herausforderungen.
Das stimmt. Aber, so banal das auch klingen mag, so eine Situation birgt natürlich auch Chancen. Und die wollen wir nutzen. Eine Chance ist zum Beispiel, dass wir unseren Mitgliedern auch Zugang zu anderen Museen eröffnen. Durch Kooperationen mit den anderen Museen, in Köln und im Umland, auch durch neue Formate. Zum Beispiel konnten wir neulich mit dem Wallraf in der Fritz-Thyssen-Stiftung ein wissenschaftliches Symposium zum Thema „Forschung im Museum“ veranstalten, was ich persönlich ganz großartig fand. Alle anderen, mit denen ich sprach, übrigens auch. (Lacht). Ich könnte mir vorstellen, dass sich mit der Zeit daraus etwas ergibt, was auch in Zukunft über alle Museen hinweg trägt. Denn wenn Köln etwas im Überfluss hat, sind es Museen, die der Renovierung bedürfen. Und die dadurch entstehenden Lücken können wir nur über Zusammenarbeit, jedenfalls teilweise, schließen.
An der Kultur wird gespart, dabei hat Köln doch immense Werte. Wünschen Sie sich nicht manchmal mehr Wertschätzung durch die Politik, auch angesichts Ihres ehrenamtlichen Engagements.
Wertschätzung wird oft eingefordert, ist aber letztlich wohlfeil. An ihren Früchten (= Taten) sollt ihr sie erkennen, heißt es schon in der Bibel bei Matthäus. Drei Themen sind mir in der Diskussion mit der Politik besonders wichtig.
Welche sind das?
Das Finanzthema überschattet natürlich alles. Ich stimme allerdings nicht in das allgemeine Klagelied ein, wonach Staat, Land und Kommunen nicht genügend Geld hätten. Natürlich brauchen wir eine große Finanzreform, bei der insbesondere die Kommunen eine größere Eigenständigkeit der Finanzierung erhalten. Mehr dazu würde den Rahmen dieses Gesprächs sprengen. Daher nur so viel: Es ist insgesamt genügend Geld in der öffentlichen Hand da. Es muss nur fokussiert ausgegeben werden, nicht mit der Streubüchse. Das gilt auch für den Kulturetat der Stadt Köln. So lange die große Finanzreform nicht kommt, also auf lange Zeit, ist es nicht möglich, alle Museen innerhalb des städtischen Haushalts quasi zur selben Zeit zu sanieren. Auch noch gleichzeitig das seit langem liegen gebliebene Projekt einer Kunsthalle wieder neu anzustoßen. Also helfen nur Priorisierung seitens der Stadt und Kooperation zwischen den Museen.
Und zweitens?
Wir werden über alternative Finanzquellen und moderneres Marketing sprechen müssen. Und drittens muss das leidige Thema der Über-Bürokratie angegangen werden. Entbürokratisierung halte ich für Unsinn; wir brauchen Bürokratie. Die muss allerdings gut ausgestattet, wo möglich dezentral und schnell handlungsfähig sein. Sie muss an allen Stellen entscheidungsfähig und -freudig sein. Warum gibt man den Direktoren der Museen zum Beispiel nicht mehr Entscheidungskompetenzen, natürlich innerhalb eines vorher festgelegten Budgets? Die Museen wissen nämlich sehr viel besser als die Stadtverwaltung, wo sie was warum ausgeben wollen.
Das klingt nicht gerade erbaulich.
Den Kopf in den Sand stecken hilft nicht weiter. Optimismus schon. Es gibt Chancen, es gibt Lösungen. Und es gibt viele Freiwillige, die gerne ihre Beiträge leisten. Wie unsere Vereinsmitglieder und die der anderen Museumsvereine. Aber es wird nur klappen, wenn wir die eingeübten Pfade verlassen und wir alle Neues wagen. Selbst wenn dabei einige Besitzstände weichen müssen.
Felix Krämer, Direktor, des Düsseldorfer Kunstpalastes, setzt Pflöcke, indem er ganze Stadtteile einlädt. Nachbarn treffen sich bei Wein und Baguette, schauen sich die Ausstellungen an. Hapert es in Köln nicht auch am städtischen Museumsmarketing.
Felix Krämer hat an einer von den Freunden veranstalteten Podiumsdiskussion im Wallraf teilgenommen. Seine Positionen stießen – vorsichtig ausgedrückt – nicht auf die ungeteilte Zustimmung der anderen Museumsdirektoren. Ich finde es hingegen schon Klasse, was er da macht. Und im Marketing können wir alle von ihm lernen. Ich halte im Übrigen die oft betonte Abgrenzung zwischen Inhalt und Vermarktung von Kunst nicht zielführend. Das tun ja nicht einmal die Künstler selbst. Wo ist bei Jeff Koons die Grenze zwischen Kunst und Marketing? Also zusammengefasst: ja zu mehr und kreativerem Marketing und ja zu neuen Wegen. Dann werden auch die Finanznöte kleiner.
Karl-Ludwig Kley wurde 1951 in München geboren . Nach dem Abitur studierte er dort Rechtswissenschaft. Anschließend arbeitete er bei der Bayer AG im Bereich Konzernfinanzen und als Assistent des Vorstandsvorsitzenden. Nach einem Auslandsaufenthalt als Finanzchef bei Bayer in Japan hatte er von 1987 bis 1991 verschiedene leitende Positionen im Vertrieb des Geschäftsbereichs Pharma inne. Von 1994 bis 1997 führte er das Pharmageschäft von Bayer in Italien. Danach übernahm er in der Zentrale von Bayer die Leitung des Ressorts Finanzen und Investor Relations. 1997 wechselte Karl-Ludwig Kley als Finanzvorstand (Chief Financial Officer) in den Vorstand der Deutsche Lufthansa AG. 2006 verließ er auf eigenen Wunsch die Lufthansa. Danach gehörte er der Geschäftsleitung des Chemie- und Pharmakonzerns Merck an, von 2007 bis 2016 als Vorstandschef. Heute ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Lufthansa, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der BMW AG, sowie im Board of Directors von Verizon Communications Inc., New York. Von 2016 bis 2023 war er Aufsichtsratsvorsitzender des Energiekonzerns E.ON.


