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50 Jahre Museum LudwigAus Leidenschaft für die Moderne Kunst

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Richtfest für das Museum Ludwig Im Bild v.l.: der Kölner Oberstadtdirektor Kurt Rossa, mit Peter und Irene Ludwig.

Richtfest für das Museum Ludwig Im Bild v.l.: der Kölner Oberstadtdirektor Kurt Rossa, mit Peter und Irene Ludwig.

Vor 50 Jahren stellte der Rat der Stadt die Weichen für das Museum Ludwig, das mit der Schenkung von 350 Werken der Gegenwartskunst einen Fundus erhielt, der allen öffentlich zugebar ist. 

In seiner Heimatstadt Aachen wurde Peter Ludwig mit Argwohn betrachtet: Als der Sammler 1968 im dortigen Suermondt-Museum – ein Jahr nachdem er mit dem Ankauf eines Werks von Tom Wesselmann den Schritt auf den Kunstmarkt der USA gemacht hatte – Premiere mit einer Pop-Art-Ausstellung feierte, wetterten einige, dass er das Geld seiner Frau Irene verjuxe. Diese stammte aus der Aachener Schokoladen-Dynastie Monheim.

Pralinenfabrikant

Beide einte die Liebe zur Kunst. Aber dass ein Pralinenfabrikant über Picasso promovierte hatte, nährte hartnäckig die Vorurteile der Skeptiker in der Kaiserstadt.

Schau mit Gegenwartskunst: Köln hatte da weitaus mehr Augenmerk auf die Qualität. Bereits 1969 gab es hier eine Ausstellung, in der erstmals Gegenwartskunst aus der Sammlung Ludwig in der Ausstellung des Wallraf-Richartz-Museum unter dem Titel „Kunst der sechziger Jahre“, die mit der Dauerleihgabe eines großen Teils der Sammlung Ludwig an die Stadt gezeigt wurde. Fluxus-Künstler Wolf Vostell gestaltete den Katalog. Die Schau war ein voller Erfolg.

Mit Wolfgang Hahn, Sammler und Chefrestaurator des WRM, verband das Ehepaar Ludwig eine Leidenschaft für moderne Kunst, sie bezeichneten ihn als Impulsgeber. Kulturdezernent Kurt Hackenberg und Gert von Osten, Generaldirektor der Museen, öffneten dem Sammlerpaar dann die Türen in der Domstadt und nahmen auch in Kauf, dass es mit Ludwig nicht immer leicht war. Am 5. Februar 1976, also heute vor 50 Jahren, gab der Rat der Stadt grünes Licht für den „Deal“.

Peter Ludwig, ganz Manager, wollte indes ein eigenes Museum und stellte der Stadt unter anderem mit dem Neubau damals Bedingungen, die sie in der heutigen Zeit wohl so nicht mehr erfüllen könnte. Das Geschenk des kinderlosen Sammlerpaars versetzte die Museen in Köln und an vielen anderen Orten der Welt jedoch in die Lage, die Öffentlichkeit partizipieren zu lassen. Das hat bei allem gesellschaftlichen Wandel, Pandemie oder Populismus bis heute Bestand. Das Angebot wird wahrgenommen.

Schenkungsvertrag

Als das Aachener Sammlerpaar am 23. Februar 1976 den Schenkungsvertrag über 350 Werke der modernen Kunst mit der Stadt Köln unterzeichnete, war das gleichzeitig mit der Gründung des Museum Ludwig verbunden.

Noch im selben Jahr erfolgte die Auftragsvergabe an die Kölner Architekten Peter Busmann und Godfrid Haberer, die im Jahr zuvor den entsprechenden Wettbewerb für eine Bebauung zwischen Dom und Rhein gewonnen hatten. Die Stadt Aachen mit Sitz der Stiftung, dem Suermondt-Ludwig-Museum sowie dem Ludwig Forum in der ehemaligen Schirmfabrik Emil Brauer wurde zwar auch bedacht. Aber die eigentliche Musik spielte fortan in Köln.

Dem Grundstock folgten zahlreiche Schenkungen seitens der Stiftung. Im ehemaligen, von Architekt Rudolf Schwarz in Zusammenarbeit mit Josef Bernard entworfenen Gebäude des Wallraf-Richartz-Museums (WRM), dem heutigen MAKK, brach damals eine neue Ära an. Schlüsselwerke Moderner Kunst aus dem Bestand des WRM – Exponate, die nach 1900 entstanden waren – gingen in das neu gegründete Museum Ludwig über.

Der Museumsbau

Wie stark Ludwigs Durchsetzungsvermögen sein konnte, zeigte sich am sportlichen Baufortschritt. 1981 begannen die Rohbauarbeiten und fünf Jahre später stand der Neubau zwischen Rhein und Dom, wenn auch nicht pünktlich zum 60. Geburtstag des Mäzenen, der am 9. Juli 1985 gewesen wäre.

Die Architekten Busmann + Haberer entwarfen das Museum mit 8000 Quadratmetern Fläche, indem sich auch die Kölner Philharmonie befindet. 14 parallele in Höhe und Länge unterschiedliche Bauteile mit Zinkblechverkleidung und an Wellen erinnernden Rundungen der Sheddächer sorgen für Dynamik. Doch trotz der Größe erwies sich das am 6. September 1986 eröffnete Museum (eine Woche später erklang das erste Konzert in der Philharmonie) schon später als zu klein. Das Doppelmuseum für Wallraf-Richartz- und Ludwig Museum sollte zur Jahrtausends aufgrund des anhaltenden Mäzenatentums in zwei Häuser geteilt werden.

Platz für Picasso

1994 stifteten Peter und Irene Ludwig der Stadt Köln 90 Werke aus ihrem Picasso-Besitz, der Auszug des Wallraf-Richartz-Museums in ein eigenes Gebäude wurde unerlässlich. Im gleichen Jahr entschied man sich für eine Trennung der beiden Institute. Nun sollte das Gebäude an der Bischofsgartenstraße ausschließlich das Museum Ludwig beherbergen.

Die Wiedereröffnung des Museum Ludwig am 1. November 2001 konnte der 1996 verstorbene Sammler nicht mehr erleben. Doch Irene Ludwig nahm sie zum Anlass, 774 weitere Arbeiten Picassos zu schenken. „Damit verfügt das Museum Ludwig nach Barcelona und Paris über die drittgrößte Picasso-Sammlung weltweit“, wie es auf der Homepage heißt.

Impulsgeber Kasper König

Als „Museum unserer Wünsche“ wurde das Haus mit einer neuen Ausstellung 2001 – von Kasper König wiedereröffnet. Unter seiner Direktion (2000–2012) wurde die Sammlung besonders im Bereich der zeitgenössischen Kunst um wesentliche Werke und ganze Werkgruppen ergänzt und zählt heute zu den bedeutendsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa. Die Sammlung wird konsequent um substanzielle Positionen zeitgenössischer Kunst erweitert.

Perspektivwechsel

Der Fokus liegt mittlerweile stärker auf Themen wie Diversität, Frauen in der Kunst und Kolonialismus. Mit der für Herbst geplanten Schau „Along the Color Line – Perspektiven einer transatlantischen Moderne “ (3. Oktober bis 7. März) widmet sich das Museum erstmals umfassend dem Einfluss der europäischen Moderne auf Schwarze Künstlerinnen und Intellektuelle in den USA. Die Ausstellung untersucht deren kulturellen Austausch mit Bewegungen der afrikanischen Diaspora in Europa und vollzieht einen Perspektivwechsel. Wie das Ludwig gestern mitteilte, hat die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritikverbands AICA hat die Ausstellung „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“, zur Ausstellung des Jahres 2025 gekürt. 240 in Deutschland arbeitende Kunstkritiker sind Mitglieder der AICA.