Originelles Buch würdigt die Arbeit von Kurator Kasper König für die Kunst
Kasper KönigLebenscollage von A bis Z

Kasper König mit dem Maskottchen des 1.FC Köln, der Geisbock Hennes, und seinem Herrchen Wilhelm Schäfer.
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Alles Hochtrabende und Pseudo-Elitäre war ihm ein Graus. „Connaisseurhaftes Spezialistentum hat mich immer tierisch abgetörnt“, bekannte Kasper König freimütig, und so kam eine klassische Autobiografie für den großen Ausstellungsmacher und Museumsmann (1943 - 2024) nicht in Frage. Vielmehr hat er selbst noch die Idee einer sprunghaften „Lebenscollage“ voll lustvoller Stilbrüche verfolgt, die nun mit „Kasper König A bis Z“ im Verlag seines Bruders Walther vorliegt. Ein Paperback im Telefonbuchformat.
Andreas Prinzing und Ulrich Wilmes (Königs Stellvertreter in dessen Zeit am Kölner Museum Ludwig) haben das Werk in seinem Sinn vollendet, die Designerin Yvonne Quirmbach gab dem Ganzen eine aufregend raue Ästhetik. „Wundertüte“ war Königs Spitzname als Dozent an der Düsseldorfer Kunstakademie, und so stellte er sich auch dieses Buch als Füllhorn von Überraschungen vor.
Man muss es keineswegs chronologisch durchlesen, doch schon beim „A“ bleibt man stecken: Da ist der Aasee als Kulisse seiner gemeinsam mit Klaus Bußmann seit 1976 organisierten „Skulptur Projekte Münster“. Den „Abschied“ aus Köln würdigt kein rührseliger Rückblick, sondern bloß die Einladungskarte zum Fest am 13. Oktober 2012, während das Stichwort „Abräumen“ den Autor zu einem Mini-Essay über museale und andere Kunst inspirierte.
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Wer Kasper König kannte, sieht diesen Charakter-Querkopf bei der Lektüre wieder leibhaftig vor sich. Atelierbesuche mit der hautnahen Reibung an Kunst waren ihm lieber als deren Verwaltung: „Als ich Direktor am Museum Ludwig war, musste ich mich manchmal wirklich disziplinieren, da jeden Tag hinzugehen.“
Allerdings hatten ihm Freunde schon beim vorigen Job an der Frankfurter Städelschule höchstens eine halbjährige Verweildauer zugetraut, doch in beiden Positionen blieb er zwölf Jahre. „Wenn es heißt, der König macht das nicht lange, dann erst recht.“
Das jüngste von sechs Kindern aus dem ländlichen Mettingen schmiss mit 18 die Schule, verweigerte den Wehrdienst und trat aus der katholischen Kirche aus. Und seine erste Ausstellung? Hängte er mit 19 oder 20 als Volontär von Rudolf Zwirner in den Keller der Galerie. Die Exponate verdankte er dem „Waren-Automaten-Betrieb Max Kuhs“, der damals an Autobahn-Raststätten Seife samt einem Papierhandtuch mit schlüpfrigem Witz verkaufte. Dessen Pointe wurde mit Tipp-Ex eliminiert, und so hingen die edel gerahmten Scherze wie absurde Fluxus-Objekte an der Wand.
König selbst nannte sich gern einen „passionierten Dilettanten“, der Kritiker Peter Iden sah ihn als „begnadeten Amateur“. Stichwort „Brillo-Box“: 1968 organisierte er für eine Stockholmer Warhol-Schau 300 Versandkartons der gleichnamigen Firma. Einige zusätzliche Holzkisten wurden vom Künstler abgesegnet, und eine davon diente im Hause König als Podest für den Fernseher.
Der enorme Wertzuwachs des Billigmöbels bescherte dem Besitzer später eine Eigentumswohnung… Anekdoten, Aphorismen, Bekenntnisse und Überzeugungen – alles purzelt in diesem Puzzle munter durcheinander, das zudem manchmal kreuz und quer gedruckt und mit Kunst- wie Privatfotos, verblassten Korrespondenzen, Plakaten, Einladungen und Kasper Königs eigenhändig collagierten Postkarten kunterbunt illustriert ist. Wundertüte eben.
Amüsiert liest man etwa, wie der unersättliche Augenmensch Claes Oldenburgs „Mouse Museum“ in der documenta 5 unterbrachte. Doch der Protagonist dieses genialen Wimmelbuchs muss sich hier keineswegs selbst an alles erinnern. Künstlerfreund Dan Graham kommt ebenso zu Wort wie die New Yorker Weggefährtin Barbara Brown, die ihn als „James Bond der Kunstwelt“ sah.
Dass der Münsterländer seinen Geburtsvornamen Rudolf in Kasper änderte und so ein apartes Doppel-K gewann, soll sich übrigens seiner Vorliebe für den Comic „Krazy Kat“ verdanken. Keine Bange, um „ernsthafte“ Kunst geht es natürlich auch. So war der Ausstellungsmacher im Rückblick auf die Kölner „Westkunst“ besonders stolz auf das Nebeneinander von Josef Albers“ Abstraktionen und Edward Hoppers meditativen Alltagsszenen.
Am schönsten klingt im vielstimmigen Buch immer noch der O-Ton-König. So ätzte er gegen die „dämliche Verkehrskreiselkunst“ und sah die Kreuzblumenkopie vor dem Kölner Dom als „Scheußlichkeit“ sowie Herabwürdigung von Ewald Matarés benachbartem „Taubenbrunnen“. Da wird jemand lebendig, der in vielem Spaß verstand – nur nicht gegenüber schlechter Kunst.
Kasper König von A bis Z. Eine Lebenscollage, herausgegeben von Andreas Prinzing und Ulrich Wilmes. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, 535 S., 48 Euro.
