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Bischofskonferenz
Heiner Wilmer, der Heilige Geist und der Widerspruch

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Bischof Heiner Wilmer, neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht bei einer Pressekonferenz nach seiner Wahl.

Bischof Heiner Wilmer, neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht bei einer Pressekonferenz nach seiner Wahl. 

Mit leisen, spirituell geprägten Worten hat sich der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz der Öffentlichkeit präsentiert. Warum dieses zurückhaltende Auftreten große Chancen bietet.

Über die Wahl des Matthias in den Kreis der Apostel hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am Dienstagmorgen vor seinen Mitbrüdern gepredigt. Die damalige Versammlung, daran erinnerte er, bat Gott, zu zeigen, wen er erwählt habe.

In Würzburg präsentierte sich diese himmlische Wegweisung nicht sofort: Es brauchte drei Wahlgänge, um Heiner Wilmer aus Hildesheim als neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zu ermitteln. 2020, bei der Wahl von Wilmers Vorgänger Georg Bätzing, waren es sogar vier. Und das, obwohl Bätzing als ehemaliger Trierer Generalvikar ebenso wie sein Mentor Reinhard Kardinal Marx eine besondere Verbindung zum Apostel Matthias haben dürfte, der in Trier begraben liegt.

Das zeigt: Bei allem Vertrauen auf Gott gibt es unter Menschen, auch unter Christen und auch unter Bischöfen, Meinungsunterschiede. Die verschwinden nicht durch eine gemeinsame Gebetsstunde. Bätzing nahm da oft prononciert Stellung. Wilmer trat als in sich gekehrter Geistlicher vor die Medien. Dass ein Bischof viel vom Glauben redet, ist ihm nicht zu verübeln, im Gegenteil. Seine druckreifen geistlichen Sentenzen halfen ihm freilich zumeist, sachliche Festlegungen zu umgehen. Immerhin hielt er auf eine Frage dieser Zeitung hin fest, dass der heilige Geist nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch lebe.

Debatten über Inhalte und nicht über den Debattenmodus

Wenn Wilmer daraus die richtigen Schlüsse zieht, dann hat er die Chance, manchen Graben unter katholischen Christen – nicht nur unter Bischöfen – zu überbrücken. Für die Bischöfe selbst wäre es wichtig, zu einem gemeinsamen Umgang mit dem synodalen Prozess zu finden. Der Passauer Bischof Stefan Oster, der diesem Prozess nicht weniger kritisch gegenübersteht als Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, ist zur letzten Synodalversammlung gekommen, ohne auch im Nachgang mit seiner Meinung hinter dem Berg zu halten. Es wäre gut, wenn Woelki und Vorderholzer sich dieser Praxis anschlössen

Eine Bischofskonferenz sollte über den Weg der Kirche (mit) debattieren, aber sich nicht an der Frage des Debattenmodus abarbeiten. Wäre sie weiter dazu gezwungen, dann entstünde der Eindruck, die Kirche drehe sich um sich selbst. Bischof Wilmer ist zu wünschen, dass ihm im nationalen Rahmen gelingt, was Papst Leo auf der Ebene der Weltkirche versucht: die Gemüter zu beruhigen. Wenn der heilige Geist auch im Widerspruch lebt, dann müssen Christen Widerspruch aushalten.