12.000 Fans feierten den Rapper bei seinem vorletzten Deutschland-Konzert frenetisch. Auf der Bühne versuchte der 47-Jährige, seine kontroverse Vergangenheit mit seiner heutigen Rolle als fürsorglicher Familienvater zu versöhnen. Fünf seiner acht Kinder waren dabei.
Konzert in Lanxess ArenaBushido übt Spagat zwischen Gangsta-Rap und Familienliebe

Mit seiner „Alles wird gut“-Abschiesdtournee auch in Köln unterwegs: Gangster-Rapper Bushido.
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Der Abend beginnt mit einer Absichtserklärung. „Ich habe mir vorgenommen, heute nicht mehr so viel zu quatschen, denn bei all den Konzerten vorher habe ich so viel gequatscht, dass wir immer überzogen haben“, sagt Bushido am Dienstag in der Lanxess Arena.
Aber am Ende werden’s auch in Köln, der siebten Station seiner „Alles wird gut“-Abschiedstournee, wieder fast drei Stunden. Die 15 Minuten Warm-Up mit DJ Gan-G und einen Kurzfilm mitgerechnet, in dem sich der 47-jährige als harter Rapper und als fürsorglicher Familienmensch inszeniert.
Für 12.000 Fans sind die 30 Minuten Überlänge kein Ärgernis. Ganz im Gegenteil. Sie feiern Anis Mohamed Youssef Ferchichi, wie der gebürtige Bonner bürgerlich heißt, frenetisch und mit vollem Körpereinsatz.
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Bushido macht den Spagat von gestern und heute
Bis der Abend kurz vor 23 Uhr mit eingeblendetem Karel Gott bei „Für immer jung“ endet, versucht Bushido, seine Vergangenheit mit der Gegenwart zu versöhnen. Aber lässt sich die Rolle des kontrovers diskutierten „Gangsta“-Rappers mit der eines liebenden Vaters in Einklang bringen?
In „Papa“, einem der Lieder vom Album „Black Friday“ (2017), bringt Bushido das Dilemma auf den Punkt. Darin heißt es: „Andre Papas werden morgens nicht geweckt von der Polizei, andre Papas werden nicht genervt von Fotoblitzen. Doch weil Papa böse Sachen sagt, denkt die ganze Nachbarschaft, dass er auch böse Sachen macht. Aber Papa sagt die Sachen, die er sagt. Nur damit er nicht mehr tun muss, was Papa früher tat.“
Wenn das Stück in Köln als zweite Zugabe drankommt, sind fünf von Bushidos acht Kindern auf der Bühne zugegen. Nur die 2021 geborenen Drillinge fehlen. Die schlafen schon. Teil des Programms ist die Absolution, um die Bushido seinen Nachwuchs bittet. Um noch einmal aus „Papa“ zu zitieren: „Papa hatte keine Wahl, nahm sich alles auf die falsche Art. Ich war auf mich allein gestellt, als ich in eurem Alter war. Bevor man mich für die Geschichten ins Gefängnis steckt, entschied ich mich, sie aufs Papier zu bringen, und jeder kennt sie jetzt.“ Rap als Form der Vergangenheitsbewältigung.
Bushido macht auf alte Schule
Bushido gibt sich während des Konzerts ausgesucht höflich, hilfsbereit und freundlich, Er spricht sein hingerissenes Publikum immer wieder mit „Liebe Damen und Herren“ an. Er fordert zum Bilden einer Rettungsgasse auf, wenn jemand im Innenraum Kreislaufprobleme bekommt.
Und die 18-jährige Sam aus der Nähe von Siegen, die ihm mit ihrem astreinen, professionell dargebotenen Rap bei „Sonnenbank Flavour“ und „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ fast die Show stiehlt, kann er nicht genug loben: „Sehr nett und sympathisch, das hast das richtig gut gemacht. Das war sehr erfrischend. Das war echt cool.“ Nur kurz gerät er dabei ins Rudern.
Wenn er, nach Sams applausumtosten Abgang von der Bühne, noch anfügt: „Ein aufgewecktes Kerlchen, diese Sam. Darf man das sagen? Oder bekommt man jetzt Ärger mit der Genderpolizei?“ Und wenn er beim Wettstreit „Wer ist lauter? Die Männer oder die Frauen im Publikum?“, davor noch ein „die sich als Männer oder Frauen definieren“ einfügt, weiß man nicht genau, ob das jetzt Bemühen um wokes Verhalten oder angewandte Ironie ist.
Dass er sich bei der Vorstellung seines zweiten DJs, dem erst 20-jährigen Rabe („Er kommt aus Chemnitz, dafür kann er nix“), wünscht, der solle doch mal die Treppe vom DJ-Pult zur Bühne runterfallen, „weil das echt lustig wäre“, kommt befremdlich rüber.
Und völlig unverständlich ist, warum er den einst indizierten Song „Stress ohne Grund“ mit all seinen Gewaltfantasien, Diffamierungen und vulgären Fäkal-, Genital- und Geschlechtsverkehrsausdrücken auf der Setliste hat. Wo der doch zum Programm „Vom rüden Rapper zum Knuddelpapa“ so gar nicht passen will. Da nutzt auch die Vorab-Erläuterung zum krassen Text – „Das ist Rap, das ist zu 99 Prozent alles Quatsch!“ – herzlich wenig.
Dank der tollen Lightshows und Songs wie „Kleine Bushidos“, Wenn wir kommen“ und „Berlin“ über „Alles wird gut“, „Sterne“ und „Alles verloren“ bis hin zu „Ronin“, „Nie ein Rapper“ und „Für immer jung“ ist es für Bushido-Fans trotzdem ein rundum gelungener Abend.
Am 6. März gastiert Bushido auf „Alles wird gut“-Abschiedstournee im PSD Bank Dome in Düsseldorf. Für das Konzert gibt es noch Karten.

