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Interview

Simone Young
Korngold mit dem WDR Sinfonieorchester klingt wie Frühling

3 min
Die australische Dirigentin Simone Young

Die australische Dirigentin Simone Young

Erich Wolfgang Korngolds Sinfonie in Fis ist selten zu hören. Die australische Dirigentin Simone Young hat sie nun ausgewählt und führt sie am Freitag in der Philharmonie mit dem WSO auf.

Von Erich Wolfgang Korngold kennt man vor allem das Violinkonzert. Seine einzige Sinfonie in Fis führt eher ein stiefmütterliches Dasein.

Ich kenne diese Sinfonie schon länger und ich liebe sie. Sie ist ganz im Stil von Filmmusik komponiert.

Korngold musste als Jude aus Wien vor den Nazis flüchten und fand Arbeit in Hollywood.

Seine Filmpartituren sind genial. Vor allem die zu „Robin Hood – König der Vagabunden“, der mit Erol Flynn und Basil Rathbone verfilmt wurde. Auch seine Musik zu Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ ist wunderbar. Und seine Sinfonie in Fis ist einfach weniger bekannt. Sie haben sie gerade mit dem WDR-Symphonieorchester geprobt. Sie sagen, es ist mit seinem Repertoire prädestiniert.

Ja, ich habe gleich gemerkt, dass das Orchester in der richtigen Klangwelt unterwegs ist. Korngold hatte Einfluss auf Samuel Barber und auf die Oper selbstverständlich. Die Sinfonie ist voller Zitate aus Giacomo Puccinis „Tosca“ und Pietro Mascagnis „Cavalleria Rusticana“. In seiner Sinfonie ist Tiefe, aber auch Unterhaltsames und eine gewisse Kritik am Überintellektuellen unserer Zeit. Aber die Musik klingt vor allem wie der Frühling.

Stichwort Oper. Sie waren in den 1980er Jahre an der Oper Köln, wo sie schon bald zur Kapellmeisterin ernannt wurden. Was hat Sie damals besonders beeindruckt?

Das war ein tolles, großes Haus. John Pritchard, dessen Assistentin ich wurde, war Musikdirektor. Marek Janowski, der später die Philharmonie mit Mahler einweihte, war Konzertdirektor beim Gürzenich-Orchester. Als ich nach Köln kam, war nur noch von der Philharmonie die Rede.

Heute freut man sich nach vierzehn Jahren Dauerbaustelle auf die Wiedereröffnung der Oper. Sie ist am 24. September geplant.

Das ist schon eine traurige Geschichte. Ich habe Ähnliches selbst erfahren, als ich Intendantin in Hamburg war. Wir alle haben auf die Elbphilharmonie gewartet. Ich selbst habe erst zehn Jahre, nachdem ich aus Hamburg weggegangen bin, dort dirigiert. Für alle Beteiligten ist ein solch langes Warten eine Zerreißprobe. Wenn ein Orchester kein richtiges Zuhause hat, ist das wirklich heftig.

Wie sehen Sie die Zukunft in der Kulturbranche? Das Kennedy-Center schließt für zwei Jahre, Trump geht mit der Kultur hart ins Gericht.

Ich frage mich, wie das in Washington weitergehen soll? Das National Symphony Orchestra hat sicherlich die nächsten zwei Jahre komplett durchgeplant. Wenn die Konzerte nicht stattfinden, werden die Musiker trotzdem voll ausbezahlt werden müssen, weil die Verträge existieren. Generell denken Politiker, dass sie bei der Kultur sparen können. Ich kenne das aus meiner zehnjährigen Zeit als Intendantin und Generalmusikdirektorin der Staatsoper Hamburg.

Und jetzt bin ich ein Glückskind, weil ich in Sydney extra den Titel Chefdirigentin angenommen habe und nicht den der Musikdirektorin. Selbstverständlich rede ich mit den Politikern. Aber ich bin nicht persönlich zuständig. Ich habe meinen Geschäftsführer und den Aufsichtsrat.

Frauen in der Position als Chefdirigentin sind immer noch keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn man mittlerweile bei den Stellenausschreibungen hier auch verstärkt an weibliche Bewerberinnen denkt, sind die besten schon weg. So wie Sie. Sie haben noch die Alte Schule, eine Ausbildung als Repetitorin.

Die Frauen, die jetzt in eine solche Positionen kommen, sind meistens durch die deutsche Schule gegangen, gerade auch, was das Repertoire betrifft. Aber das deutsche System, die deutsche Gesellschaft und die Erwartungen an Frauen hinsichtlich Mutterschaft und Familie, sind alle nicht so hilfreich bei einer Karriere als Dirigentin.

Es ist schon problematisch, wenn man sich in Deutschland umschaut. Diejenigen, denen es gelingt, wie Joana Mallwitz oder Anna Skryleva, sind den Weg über die Oper gegangen. Ich gratuliere Marie Jacquot, die demnächst als Chefdirigentin beim WDR-Sinfonieorchester beginnt.

Sie haben gerade mit dem Orchester sehr strukturiert gearbeitet, haben ganz klare Ansagen gegeben ...

Das muss sein.

Ihre Bewegungen wirken federleicht. Sind Sie eigentlich jemals verspannt?

Ja, vor allem in den Zeiten, in denen ich viel Klavier gespielt habe, war ich das. Dirigieren ist physisch sehr anstrengend. Vor fast vier Jahren hatte ich einen schlimmen Unfall. Ich bin in Paris gestürzt und mit der Hand auf dem Boden gelandet. Und wenn man 60 ist, heilen die Sehnen nicht so leicht, sie waren alle durchgerissen.

Jetzt habe ich eine Prothese, eine künstliche Schulter. Ich hatte einen fantastischen Chirurgen, und schon am Tag der Operation habe ich mit der Physiotherapie begonnen. Zweieinhalb Monate später habe ich den Rosenkavalier dirigiert.


Am Freitag, 6. Februar, 20 Uhr, ist Simone Young mit dem WDR-Sinfonieorchester und Louis Lortie am Klavier in der Philharmonie zu hören. Auf dem Programm stehen Maurice Ravels Werke „Pavane pour une infante défunte“ und sein Klavierkonzert in G-Dur sowie Erich Wolfgang Korngolds „Sinfonie in Fis op. 40“. Karten von 14 bis 67 € unter 0221 280 284. www.konzerte.wdr.de