Mit einem leichteren Seiteneinstieg ins Grundschullehramt, mit Alltagshelfern für Schulen, mit rigorosen „Abordnungen“ und vielen anderen Maßnahmen will NRW den Lehrermangel bekämpfen.
Leichterer SeiteneinstiegDieses Paket soll den Lehrermangel in NRW abfedern

Die NRW-Regierung will Lücken an Grundschulen stopfen.
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„Der Lehrkräftemangel ist die zentrale Herausforderung an unseren Schulen“, sagte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Mittwoch. Sie stellte dem Fachausschuss des Landtags ein „Handlungskonzept Unterrichtsversorgung“ mit 20 zum Teil weitreichenden Maßnahmen vor.
Im Kern geht es darum, mehr Menschen als bisher zum Einstieg in den Lehrberuf und vor allem für die Arbeit in Grundschulen zu motivieren. So bekommen Seiteneinsteiger mit Master-Abschluss die Chance, sich zu Grundschul-Lehrkräften ausbilden zu lassen. Gymnasial- und Gesamtschullehrer dürfen ohne größere formale Hindernisse in Grundschulen arbeiten.
Pädagogen können nun auch zwei Jahre in andere Schule geschickt werden
Auf der anderen Seite erhöht die Landesregierung den Druck auf viele, die schon im Lehrberuf arbeiten. So soll das „Instrument der Abordnung von Lehrkräften intensiver genutzt werden, um besonders belastete Schulen gezielt zu unterstützen“, heißt es zum Beispiel in dem Konzept. Bisher können die Pädagogen nur für ein halbes Jahr in eine Schule, in der viele Lehrkräfte fehlen, geschickt werden. Diese Frist wird auf zwei Jahre erhöht. Aus pädagogischen Gründen sei das besser, erklärte Ministerin Feller. Und wer gerade erst neu eingestellt wird, muss grundsätzlich damit rechnen, abgeordnet zu werden. In den vergangenen Monaten wurde das Instrument Abordnung schon rund 3000-mal genutzt.
Außerdem wird die „voraussetzungslose Teilzeit“ auf den Prüfstand gestellt. Das ist Teilzeitarbeit, die keinen familiären Bezug hat, zum Beispiel Kindererziehung. Über alle Schulformen hinweg nutzen rund 13000 Pädagogen diese „grundlose Teilzeit“. Lehrer, die beurlaubt oder freigestellt wurden und nicht in die bisherige Schule zurück möchten, werden künftig im Umkreis von 50 Kilometern (bisher 35) zum Wohnort eingesetzt. Die Überlegung, Lehrkräfte zu einer zusätzlichen Stunde Unterricht zu zwingen, ist allerdings vorläufig vom Tisch. Gewerkschaften wie die GEW und der Philologenverband bezeichneten dies als großen Erfolg.
Auch Alltagshelfer können eingesetzt werden
Neu ist das Angebot an Schulen, auf unbesetzten Lehrerstellen befristet Alltagshelfer einzustellen, die den Lehrkräften bei der Vorbereitung des Unterrichts oder bei der Betreuung der Kinder assistieren. Vorbild sind hier die Alltagshelfer in den Kitas. Wichtiger Punkt: Die Besoldung der verbeamteten Lehrkräfte in Grundschulen und in der Sekundarstufe 1 wird schrittweise auf A13 angehoben.
Trotz dieser Maßnahmen dürfte der Kampf gegen den Lehrermangel weiter eine „Daueraufgabe bleiben“, so Feller. An den Schulen des Landes sind nach der jüngsten Statistik des Ministeriums rund 8000 Lehrerstellen nicht besetzt. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer fehlen nach wie vor an den Grundschulen, dort sind mehr als 3400 Stellen vakant. In den vergangenen Monaten sei bei den Neueinstellungen zumindest „ein leicht positiver Trend erkennbar“, so Feller.
Lehrergewerkschaften hielten sich am Mittwoch mit Kritik an dem Konzept zurück. Der Verband „Lehrer NRW“ sieht aber angesichts der erwartbar steigenden Zahl von Seiteneinsteigern „die Gefahr, dass die Balance zwischen Quantität und Qualität verloren geht“.
FDP-Schulexperte Andreas Pinkwart sieht in dem Konzept einige wichtige Vorschläge der Liberalen erfüllt. Sie reichten aber nicht, um das Problem zu lösen. SPD-Landtagsfraktionsvize Jochen Ott geht die Initiative der Schulministerin nicht weit genug: „Die Hütte brennt, und die Ministerin kommt mit einem Eimer Wasser.“

