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Nahverkehr„Schiene.NRW“ macht Pendlern Hoffnung auf Besserung

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19.02.2025 Ein roter Vareo-Nahverkehrszug fährt durch Mechernich.

19.02.2025: Ein roter Vareo-Nahverkehrszug fährt durch Mechernich.

NRW plant, den Schienen-Nahverkehr durch die Organisation „Schiene.NRW“ ab 2027 effizienter zu gestalten und verspricht Verbesserungen für Pendler.

Man kann sich die Sache schönreden: NRW hat das dichteste Schienennetz in Europa. Das Problem: Es macht keinen Spaß, auf diesen Schienen zu reisen, schon gar nicht im Nahverkehr. „Das System ist im Moment alles andere als zuverlässig und gut“, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) am Freitag. Er setzt Hoffnung auf ein Projekt, das im nächsten Jahr Gestalt annehmen und ab 2027 funktionieren soll: Aus drei Nahverkehrs-Zweckverbänden soll einer werden: „Schiene.NRW“.

Ist das ein großer Wurf, auf den die Pendler hoffen?

Es ist zumindest eine große Verwaltungsreform. Den Schienen-Nahverkehr in NRW steuern bisher der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und go.Rheinland. Die Landesregierung will diese Drei per Gesetz zu einer einzigen Organisation, „Schiene.NRW“, zusammenführen. Sie soll möglichst ab dem 1. Januar 2027 ihre Arbeit aufnehmen.

Was bringt das den Kunden, in den Regionalzügen?

Mehr Pünktlichkeit, einheitlichere Fahrpläne, besser organisierte Baustellen und mehr Barrierefreiheit, behauptet die Landesregierung. Eine einzige, landesweit aufgestellte Organisation denke über Verbundgrenzen hinaus und an das Wohl aller Nutzer, so die Hoffnung. Sie könne auch selbstbewusster gegenüber dem wichtigsten Akteur auf der Schiene, der Deutschen Bahn, auftreten, glauben Experten.

Wer nun vermutet, in gut einem Jahr verwandele sich ein katastrophaler Schienen-Nahverkehr wie durch Zauberei in einen guten, muss mit Enttäuschungen rechnen. „Es dürfte nur ganz langsam besser werden“, erklärt Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn NRW. Das liege unter anderem daran, dass Verträge mit Bahn-Unternehmen für viele Jahre geschlossen würden. Im Jahr 2030 stünden Neuverhandlungen zu mehreren RRX- und S-Bahn-Verbindungen an. Dann sei mit mehr und besseren Angeboten zu rechnen. Grundsätzlich findet Ebbers den Schritt hin zu einem „Schienen-Nahverkehr aus einem Guss“ richtig.

Immerhin: Die angespannte Personalsituation bei den Bahn-Unternehmen – eine Haupt-Ursache für Zugausfälle – hat sich jetzt schon etwas stabilisiert. Seit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember rollen in NRW wieder mehr Züge.

Wer wird bei „Schiene.NRW“ das Sagen haben?

Die Kreise und kreisfreien Städte, denn die bisherigen Zweckverbände sind in kommunaler Hand und wollen sich nicht ausbooten lassen. Das war vom Land anders geplant. Es wollte die Macht über „Schiene.NRW“ bei sich andocken. Die Kommunen liefen Sturm, fürchteten hohe finanzielle Risiken, ohne eigene Einflussmöglichkeiten zu haben. Das Murren über die Entmachtung wirkte, der erste Gesetzentwurf wurde deutlich entschärft. Städte und Kreise sollen nun frei entscheiden können, wer im Vorstand der neuen Organisation sitzt. Es soll auch einen 24-köpfigen Verwaltungsrat geben, den die heutigen Zweckverbünde bestücken, mit je acht Personen. Dieser Rat soll „Schiene.NRW“ kontrollieren. Der Verband Pro Bahn NRW warnt aber davor, den Verwaltungsrat, wie angedacht, zur Hälfte mit Bürgermeistern und Landräten zu besetzen. „Das gefällt uns nicht“, sagt Lothar Ebbers. Hauptverwaltungsbeamte seien in solchen Runden erfahrungsgemäß eher selten Innovationsmotoren.

Was ändert sich für die Beschäftigten?

Nicht viel, betont Verkehrsminister Krischer. Zumindest noch nicht. Köln (go.Rheinland), Gelsenkirchen (VRR) und Unna (NWL) würden zunächst die drei Standorte der Gesellschaft bleiben. Es sei kein vorrangiges Zeil, die drei Einheiten an einem Standort zusammenzuführen. Der Minister schränkt aber ein: „Diese neue Gesellschaft ist auf Dauer angelegt, und ich kann nicht ausschließen, dass es mal Veränderungen geben wird. Aber das und die Frage, wo die Zentrale von Schiene.NRW sein wird, werden die kommunalen Verantwortlichen entscheiden.“

Im Zuge dieser großen Reform werde überhaupt nicht an Personalabbau gedacht, beteuerte Krischer. „Wir haben im Schienenpersonennahverkehr eher Personalmangel. Von den Menschen, die dort arbeiten, wird jede und jeder in Zukunft gebraucht. Die Arbeitsplätze sind garantiert“, sagte der Minister am Freitag. Er fügte allerdings hinzu: „Ob es dann immer die gleiche Arbeit sein wird, wird die Zukunft zeigen.“ Bei den drei Zweckverbänden arbeiten insgesamt rund 700 Menschen.

Was leistet das Land für „Schiene.NRW“?

Laut Minister Krischer eine solide und verlässliche Finanzierung. Das Land NRW werde der neuen Organisation per Gesetz ein Grundangebot auf der Schiene garantieren, auch wenn die Kosten dafür stark steigen sollten: 85 Millionen Zugkilometer pro Jahr, was 70 Prozent des heutigen Schienen-Nahverkehrs in NRW entspreche. Zum Vergleich: Das wären etwa 100 Reisen zum Mond und zurück. Solch eine Garantie gibt es bisher in NRW nicht.

Außerdem werde die Pauschale, die das Land für den Schienen-Nahverkehr zahlt, von mindestens einer Milliarde Euro auf mindesten 1,6 Milliarde Euro erhöht und künftig regelmäßig angepasst. Die Kommunen und kommunalen Verkehrsbetriebe sollen vom Land eine um 30 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro erhöhte Pauschale für den Öffentlichen Personennahverkehr, also zum Beispiel für Busse und Straßenbahnen, bekommen.