Washington – Cassidy Hutchinson war die wichtigste persönliche Helferin von Donald Trumps früherem Stabschef Mike Meadows. Nun ist die 26-Jährige mit ihrem stundenlangen spektakulären Auftritt am Dienstagabend vor dem Kongress zur Kronzeugin gegen den Ex-Präsidenten der USA geworden, was dessen Verhalten am 6. Januar 2021 – dem Tag der Erstürmung des Kapitols durch wütende Trump-Anhänger – angeht.
Und das Bild, das Hutchinson in ihren Aussagen zeichnete, belastet Trump schwer. Denn während innerhalb des Parlamentsgebäudes der Wahlsieg des Demokraten Joe Biden ratifiziert werden sollte, gerierte sich der scheidende Präsident offenbar als von Wut getriebener Politiker, der tatsächlich daran glaubte, sich eine zweite Amtszeit mithilfe seiner Fußtruppen sichern zu können.

Die Schatten von Trumps Amtszeit haben ihn auch in der eigenen Partei Zustimmung gekostet.
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Es fällt schwer zu entscheiden, welche der Aussagen Hutchinsons vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses die höchste Brisanz hat – so zahlreich sind die Erinnerungen, die Trump in einem schlechten Licht zeigen. Es sind Anekdoten wie diese: Trump wollte nach seiner öffentlichen Rede unbedingt zu seinen Anhängern vor dem Kapitol stoßen. Als sich abzeichnete, dass aus zunächst friedlichen Demonstranten ein gewalttätiger Mob werden würde, bestanden die Bewacher vom Secret Service allerdings auf einer Rückkehr zum Weißen Haus.
Ein Griff ins Lenkrad
Hutchinson zitierte den Sicherheitsbeauftragten Tony Ornato: Als Trump von den Rückkehrplänen erfuhr, habe er nach dem Lenkrad seiner gepanzerten Limousine gegriffen und musste von seinem Chef-Leibwächter Robert Engel mit Gewalt zurückgehalten werden, den Kurs des Autos Richtung Kapitol zu ändern. „Ich bin der verdammte Präsident“, soll Trump gerufen und nach dem Hals des Bewachers gegriffen haben.
Justizminister entscheidet über Anklage
Trotz der schweren Vorwürfe gegen Trump bleibt fraglich, ob der Milliardär angeklagt wird. Der Sturm auf das Kapitol, bei dem mehrere Menschen getötet wurden, war den Zeugenaussagen zufolge Teil eines umfassenden „Putschversuches“ von Trump und seinem Anwalt John Eastman. „Die Chancen stehen gut, dass das Justizministerium Herrn Trump anklagt“, sagt Kevin O'Brien, ehemaliger Staatsanwalt in New York. Der Ausschuss erklärte stets, die Entscheidung den zuständigen Behörden überlassen zu wollen. Er ließ aber durchblicken, dass er den Ex-Präsidenten mindestens zweier Vergehen beschuldigen wird: der Behinderung der Auszählung der Wahlmännerstimmen und der Beteiligung an einer kriminellen Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten. (afp)
Schon vier Tage vor der Erstürmung des Kapitols habe ihr Stabschef Meadows geraten, sich von dem Parlamentsgebäude fernzuhalten, berichtete Hutchinson. Die Dinge dort dürften „sehr sehr schlimm“ werden, habe er gesagt. Dies spricht dafür, dass Meadows und Trump von Eskalationsplänen der Anhänger wussten. Trump sei auch klar gewesen, dass ein Teil seiner Fans mit schusssicheren Westen und Waffen zum Kongress ziehen würde. Er habe jedoch erklärt, es interessiere ihn nicht, ob seine Anhänger bewaffnet seien, so Hutchinson. „Sie sind nicht hier, um mir wehzutun“, soll Trump gesagt haben, bevor er seine Anhänger dazu aufrief, zum Kapitol zu marschieren.
Es gibt auch einige Zweifel am Auftritt der Zeugin
Wie schwer Trump das Eingestehen seiner Niederlage gefallen ist, zeigt nach Aussage der Mitarbeiterin auch ein Zitat des Ex-Präsidenten, als er von der Absicht der Demonstranten erfuhr, Vizepräsident Mike Pence aufzuhängen. Er verdiene dies, soll Trump gesagt haben. Und als der frühere Justizminister William Barr in einem Interview im Dezember 2020 sagte, er sehe keine Anzeichen für weitreichenden Wahlbetrug, soll Trump voller Wut einen Teller mit seinem Mittagessen an die Wand geschleudert haben. Ketchup sei von der Wand getropft, und sie habe ihn zusammen mit einem Butler abgewischt.
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Unmittelbar nach dem Auftritt der Zeugin gab es allerdings erste Zweifel an einigen Details ihrer Aussagen. Ein Sprecher des Secret Service teilte dem Sender CNN mit, den Lenkrad-Vorfall habe es nicht gegeben. Dies könnten auch die von Hutchinson zitierten Bewacher bestätigen. Im Trump-Lager hieß es, ein Teil der Behauptungen beruhten lediglich auf „Hörensagen“. Trump selbst erklärte in einer Stellungnahme, die Assistentin seines früheren Stabschefs habe ihn kaum gekannt – und viele ihrer Aussagen seien schlichtweg unwahr.
Die Angaben von Hutchinson sind für den Ausschuss des US-Parlaments auch deshalb wichtig, weil Meadows eine Aussage ablehnt und sich juristisch gegen eine Vorladung wehrt. Er stellte den Abgeordneten lediglich Tausende von SMS zur Verfügung, die mit der Wahl 2020 zu tun haben. (mit afp)


