Mord an Luise aus FreudenbergHat niemand etwas mitbekommen?

Ein Kommentar von
Lesezeit 2 Minuten
Man sieht die Trauerkarte samt Kondolenzbuch und einen Stift.

Ein Kondolenzbuch für Luise in der evangelischen Kirche von Freudenberg.

Zwei Mädchen aus dem Bekanntenkreis haben den Mord an Luise (12) aus Freudenberg gestanden. Gab es im Vorfeld der Tat überhaupt keine Alarmzeichen?

Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg: So wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst werden wohl die allermeisten von uns die schrecklichen Nachrichten aus Freudenberg aufnehmen. Den furchtbaren Tod der kleinen Luise, die nach zahlreichen Messerstichen noch am Tatort auf dem Weg von einem Nachbardorf zurück ins Elternhaus verblutete. Und dann den Umstand, dass die mutmaßlichen Urheberinnen dieser unfassbaren Tat zwei Mädchen aus Luises Bekanntenkreis sind, Kinder auch sie, nicht strafmündig.

Die Rufe nach Knast für Kinder

In den sozialen Medien gehen die Wogen entsprechend hoch. Das Herabsetzen der Strafmündigkeit auf zwölf oder weniger Jahre ist noch die geringste Forderung. Kinder in den Knast? Wem um Himmels willen soll das helfen? Wer nach so etwas ruft, vergisst ja, dass der Mord an Luise für die mutmaßlichen Täterinnen sehr wohl Konsequenzen hat und weiterhin haben wird. Sie sind keine freien Kinder mehr. Sie sind in der Obhut des Jugendamtes. Sie werden vermutlich viele Jahre lang nicht das Leben normaler Jugendlicher führen können, sondern intensiv mit ihrer Schuld konfrontiert werden. Was soll denn mehr geschehen?

Das Tatmotiv benennt die Polizei nicht konkret, sagt aber, dass man es am Alter der mutmaßlichen Täterinnen messen muss und dass es sich einem Erwachsenen möglicherweise nicht einmal erschließen würde. Daran knüpfen sich Fragen, die viel weiter führen als die nach der Strafmündigkeit. Hat niemand, weder Angehörige und Bekannte noch Lehrerinnen und Lehrer, hat wirklich niemand mitbekommen, was für eine unglaubliche Aggression sich bei diesen Kindern aufbaute? Löst in solchen Fällen niemand Alarm aus, greift niemand ein? Oder gab es Gründe, die rechtzeitige psychologische und pädagogische Hilfen ausschlossen? Solche Fragen muss man sich schon bei den allzu vielen Fällen von Mobbing, Quälereien und sexuellen Übergriffen von Kindern an Kindern stellen. Und erst recht heute.

Rundschau abonnieren