Seoul – Nordkorea hat am Samstag nach südkoreanischen Angaben mehrere Kurzstreckengeschosse abgefeuert. Der Norden habe „eine Reihe von Kurzstreckenprojektilen von seiner Halbinsel Hodo nahe der Ostküstenstadt Wonsan in nordöstliche Richtung abgefeuert“, teilte der südkoreanische Generalstab mit.
Pjöngjang versucht damit womöglich, in den festgefahrenen Atomverhandlungen mit den USA den Druck erhöhen. Die Geschosse flogen demnach 70 bis 200 Kilometer weit und stürzten ins Ostmeer beziehungsweise Japanische Meer. Sie seien zwischen 09.06 Uhr (02.06 Uhr MESZ) und 09.27 Uhr abgefeuert worden. Zunächst hatte der südkoreanische Generalstab von einer „unidentifizierten Kurzstreckenrakete“ gesprochen. Die US-Regierung erklärte, sie sei sich „der nordkoreanischen Aktionen heute Nacht bewusst“. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, teilte in der Nacht zum Samstag mit, das Weiße Haus werde die Lage „weiter beobachten“.
Letzter Test 2017
Der letzte nordkoreanische Raketentest fand im November 2017 statt. Im vergangenen Jahr verzichtete Nordkorea darauf, stattdessen kam es erstmals zu Gipfeltreffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump sowie mit Südkoreas Präsident Moon Jae In. Kim hatte sich bei einem Gipfeltreffen mit Trump 2018 in Singapur grundsätzlich auf eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verständigt. Konkrete Schritte wurden allerdings nicht vereinbart. Bei ihrem zweiten Gipfel im Februar in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi erreichten Kim und Trump keine Einigung über Schritte zur atomaren Abrüstung. Nordkorea hatte eine Aufhebung der Sanktionen gefordert, über eine Gegenleistung Pjöngjangs wurde aber keine Einigung erzielt.
Erst am Freitag hatte Südkoreas Außenminister Kang Kyung Wha von Nordkorea „sichtbare, konkrete und substanzielle“ Schritte der Denuklearisierung gefordert, wenn es eine Lockerung der Sanktionen wolle. Zuvor hatte Nordkoreas Vize-Außenminister Choe Son Hui Washington vor einem „unerwünschten Ergebnis“ gewarnt, wenn es nicht seine Haltung zu Wirtschaftssanktionen anpasse.
Moratorium gilt unverändert
Mit den am Samstag abgefeuerten Geschossen verletzt Kim nicht das selbst auferlegte Moratorium. Dieses gelte nur für Interkontinentalraketen, sagte der Nordkorea-Experte Ankit Panda. (AFP)
