Altkanzlerin Angela Merkel erhält eine europäische Auszeichnung. In Straßburg richtet sie zugleich eine eindringliche Warnung an Europa.
Wie Bono und SelenskyjMerkel erhält Europäischen Verdienstorden – und warnt vor Gefahren für Europa

Angela Merkel, ehemalige deutsche Bundeskanzlerin, spricht im Europäischen Parlament, nachdem sie mit dem Europäischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde.
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Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel ist im Europäischen Parlament in Straßburg mit dem Europäischen Verdienstorden ausgezeichnet worden. Bei der feierlichen Zeremonie nutzte die CDU-Politikerin die Bühne zugleich für eine eindringliche Warnung vor Gefahren für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (C) und die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (2. v. r.) posieren für ein Gruppenfoto am Ende der Zeremonie zur Verleihung des Europäischen Verdienstordens, mit dem Personen geehrt werden, die einen bedeutenden Beitrag zur europäischen Einigung, zur Demokratie oder zur Förderung und Verteidigung europäischer Werte geleistet haben.
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„Die Demokratie steht unter Druck“, sagte Merkel vor den Abgeordneten des Europaparlaments. Besonders soziale Medien bereiteten ihr Sorgen. Dort seien „plötzlich Fakten nicht mehr Fakten“. Dadurch gerieten nach ihren Worten die Grundlagen der europäischen Aufklärung in Gefahr.
Merkel mahnt bei Auszeichnung: „Fakten sind nicht mehr Fakten“
Die 71-Jährige rief dazu auf, Demokratie, Frieden und Wohlstand als zentrales Versprechen Europas zu bewahren. Geehrt wurde Merkel laut Europaparlament unter anderem für ihre entscheidende Rolle bei wichtigen europäischen Verträgen sowie für ihre „beständige und prinzipientreue Führung“.
Die frühere Kanzlerin gehört zu den ersten 20 Preisträgerinnen und Preisträgern des Europäischen Verdienstordens, der erst im vergangenen Jahr eingeführt wurde. Merkel erhielt die höchste von drei Stufen der Ehrung. Ebenfalls ausgezeichnet wurden unter anderem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der frühere polnische Präsident Lech Walesa und Bono sowie weitere Mitglieder der Band U2.
Angela Merkel war die Kanzlerin der Krisen
Merkel prägte Europa während ihrer 16-jährigen Amtszeit als Bundeskanzlerin von 2005 bis 2021 vor allem in Krisenzeiten. In ihre Amtszeit fielen unter anderem die Finanz- und Eurokrise, die Flüchtlingskrise, der Brexit und die Corona-Pandemie.
Auch Parlamentspräsidentin Roberta Metsola würdigte die europäische Einigung mit deutlichen Worten. „Europa wurde uns nicht einfach geschenkt“, sagte sie. Europa sei „Vertrag für Vertrag, Krise für Krise“ aufgebaut worden. (dpa/red)