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Abenteuerliche Geschichten der Auswanderer

3 min

AHRHÜTTE. „Im New Yorker Telefonbuch gibt es 20 Seiten nur mit dem Namen Daniels“, sagte Albert Daniels aus Ahrhütte, als seine Frau nach der Durchsicht des neuen Buches „Von der Eifel nach Amerika“, über die vielen Daniels stolperte, die vor mehr als 100 Jahren aus dem Raum Blankenheim nach Amerika auswanderten. Hermann-Josef Pauls aus Dollendorf meinte grinsend dazu: „Der Whiskeybrenner Jack Daniels war mit Sicherheit auch ein Auswanderer aus der Eifel.“

Nach dem New Yorker Telefonbuch zu urteilen, ist ein Teil der Daniels aus der Eifel wohl in der Großstadt geblieben. „Das ist ungewöhnlich“, erläuterte bei der Buchvorstellung Dr. Christoph Bungartz. Die meisten zogen weiter und ließen sich in Wisconsin, Minnesota Nebraska oder Florida als Farmer nieder oder arbeiteten im Bergwerk. „Das waren Berufe, die man von zu Hause her kannte“, erläuterte Dr. Bungartz.

Das Buch über die Auswanderungswelle der Bürger aus dem Raum Blankenheim ist in der Reihe „Geschichte sollte uns eine Lehre sein“ des Geschichtsvereins des Kreises Euskirchen erschienen. Der Verein wurde 1958 gegründet und hat 750 Mitglieder. Er versteht sich als Verein, der die Geschichte im Kreis Euskirchen bewahrt und pflegt. Er veröffentlich jedes Jahr einige Werke zur Geschichte des Eifelraums.

Die dargestellten Lebensgeschichten der Eifeler in Amerika verliefen zwar oft abenteuerlich, aber meist friedlich - bis auf die von Bernhard Giefer aus Dollendorf , der am 18. August 1892 des Mordes bezichtigt wurde. Er habe seinen Arbeitskollegen beim Streit um Geld mit einem Hammer erschlagen.

Zu lebenslanger

Haft verurteilt

Giefer, der zunächst flüchten konnte, wurde später gefasst und von einem Richter zu lebenslanger Haft verurteilt, obwohl die Geschworenen die Todesstrafe forderten. Er wurde 1917 begnadigt, von da an verliert sich seine Spur.

Manche Auswander-Geschichte verlief aber auch wie ein amerikanisches Märchen. Die Freilingerin Gertrud Göbel, die am 5. Februar 1882 geboren wurde, arbeitete sich von der Tellerwäscherin zur Millionärin hoch und erwarb Hotel um Hotel. Sie wurde später Nonne und unterstützte bei Besuchen in der Eifel die Daheimgebliebenen mit Geld, damit diese Stall und Scheune bauen konnten.

Das Buch erklärt auch, warum viele Bürger auswanderten. Auswanderer waren damals selten die Armen und auch nicht die Reichen. „Es war eine gutbetuchte Mittelschicht, die für die Auswanderung nicht selten Haus und Hof verkaufte, um die Überfahrt zu bezahlen“, berichtet Dr. Bungartz. Manche kamen schnell zurück, manche sahen sich erst um und holten dann ihre Familien nach. Einige verkauften den Hof und blieben dann doch hier. Andere wurden wegen Krankheit erst gar nicht ins Land gelassen - auch Alkoholiker wurden abgewiesen. Mit dem Düsenjet überquert man heute in wenigen Stunden den Atlantik. Doch für die Auswanderer dauerte die Überfahrt mit dem Dampfschiff 13 Tage, mit dem Segelschiff gar 40 Tage.

Die Fakten und Daten zu dem Buch wurden zusammengetragen von den Autoren Christoph Bungartz, Ralf Gier und Peter Scheulen. Insgesamt wurden 800 Personen ermittelt, die zwischen 1840 und 1914 auswanderten.

Umfangreiches

Wissen

Bei ihren Recherchen zu dem Buch konnten die drei Autoren auf ein umfangreiches Wissen von Blankenheimer Bürgern wie Klaus Ring, Herbert Caspers, Harald Weißkopf, Bernd Michels, Erwin Stein und Hejo Mies zurückgreifen, die als Ahnenforscher über ein umfangreiche Archiv aus dieser Zeit verfügen.

Dem Buch beigefügt ist eine CD-ROM mit allen personenbezogenen Daten der Auswanderer und Faksimiles von Briefen und Dokumenten. Erhältlich ist das Buch bei Elfriede Gier in Freilingen, Herbert Caspers in Dollendorf, Erwin Stein in Uedelhoven, Bernd Michels in Hüngersdorf, Harald Weißkopf in Mülheim, Hejo Mies in Blankenheimerdorf, Bücherecke Renate Elsen in Blankenheim und dem örtlichen Buchhandel.

„Von der Eifel nach Amerika - Auswanderung im Gebiet der Oberahr 1840-1914“, ca. 350 S., 123 Abb., Euro 19,50, ISBN 3-93 52 21-55-X.