HERHAHN. Blaue Tonziegel, Glas und Holz ergeben ein extravagantes Etwas. Es ist eine merkwürdige Kuppel, die da auf einem Bergkamm mitten in der Eifel thront. Diesen gigantischen Spezial-Iglu erdachten Sigrid Münch und Ernst Chur. Auf dessen Ideenkonto geht auch die bundesweit einzige Radioprogramm-Zeitschrift mit dem Titel „Dampf-Radio“.
Seine Karriere startete Chur als Bergmann. Mit 18 wechselte er zur Polizeischule ins westfälische Münster. Anschließend ließ er sich bei der Bereitschaftspolizei zum Tastfunker ausbilden. Bereits nach drei Monaten Lehrzeit gewann Ernst Chur einen bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb im Tastfunken. Sein Lebensweg führte Chur nach Schleiden. 35-jährig quittierte er den Beamtendienst und begann, sich der Druckerkunst zu widmen.
Nebenher bastelte der heute 65-Jährige mit Radiowellen herum und machte es - damals noch ohne Satellitentechnik - möglich, in der Eifel z. B. den „Hessischen Rundfunk“ zu hören.
Als ärgerlich empfand es der Radio-Fan, dass er nirgendwo ein Programm für ortsfremde Radiostationen auftreiben konnte. „Ich kann doch nicht der einzige Verrückte sein, der weit entfernte Sender hören möchte“, grübelte Chur und die Idee „Dampf-Radio“ war geboren.
Satz, Druck, Redaktion und Vertrieb - alles liegt heute in einer Hand. Ende 1996 erhielten Chur und Münch zudem den Zuschlag, alle zwei Wochen die WDR-eigene Hörfunkzeitschrift „Hör Radio!“ zu produzieren.
Der bisherige Firmenstandort in einem Fachwerkhaus in Golbach (bei Kall) platzte zuletzt aus allen Nähten. Im Gewerbegebiet Herhahn enstand dann die ominöse Kuppel von 24 Metern Durchmesser, die dem Verlag samt Druckmaschinen ein angemessenes Dach bieten soll. Noch ist das Gebäude nicht ganz bezugsfertig. Vieles managten Sigrid Münch und Ernst Chur in Eigenregie oder mit Hilfe ihrer sieben Mitarbeiter. So installierte der Verlagsinhaber eine Holzvergaser-Heizung selbst.
In der oberen Etage möchten die studierte Germanistin und der Ideenproduzent ihr privates Domizil einrichten. Die Fernsicht, die die beiden am oberen Rand der rund 500 Quadratmeter großen Fensterfläche genießen werden, ist fantastisch. Wie ein Regenschirm ist die Halbkugel konstruiert. 14 Leimbinder, je 18 Meter lang, finden in der Mitte des Gebäudes Halt in einem 16 Meter hohen Kamin. Treppen umrunden den „Regenschirmgriff“. Der Preis: Seit sechs Jahren hatten die beiden keinen Urlaub mehr.