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„Mr. Verbraucherschutz“ sagt Tschüss

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EUSKIRCHEN. Er ist nun gar nicht der Typ, den man sich landauf, landab als Verbraucherschützer vorstellt: Dr. Karl-Heinz Schaffartzik sieht nun wirklich nicht aus wie ein Alternativer, ein unverdrossener Kämpfer und Querkopf, der die Interessen der Kleinen gegen die Großen vertritt. Doch der Euskirchener, der seit 27 Jahren Chef der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist, wird allgemein als „Vorbild für Verbraucherschützer“ geschätzt. Schaffartzik ist gelernter Bankkaufmann und der Hang zum unauffälligen Bürodress der Bankbranche ist dem „Chef“ der größten Verbraucherzentrale in der Bundesrepublik geblieben.

Und noch eins hat der ehemalige Wertpapierspezialist verinnerlicht: Auch Verbraucherschutz muss sich rechnen. Nicht nur für die Verbraucher, nicht nur für die Verbraucherschützer selbst, sondern auch für diejenigen, deren Produkte man kritisch unter die Lupe nimmt und für gut oder befriedigend befindet.

Nordrhein-Westfalens oberster Verbraucherschützer Schaffartzik selbst ist in der Kreisstadt Euskirchen nicht so bekannt, wie es seiner Stellung im deutschen Verbraucherschutz gerecht würde: Schließlich ist der Mann auch Vorsitzender im Kuratorium der Stiftung Warentest und Mitglied im Rundfunkrat des WDR. Doch in Euskirchen, jener Stadt, in der Schaffartziks Frau Liesel als Lehrerin und Basketballerin einen Namen hat, ist er nach eigener Einschätzung „nicht so bekannt“.

Schließlich verlässt der emsige Arbeiter jeden Tag um 6.57 Uhr per Bahn Euskirchen, um einen weiteren stressigen Tag in Düsseldorf oder Köln anzutreten und einen weiteren Baustein in die 80-Stunden-Woche einzufügen.

Keine Angst

vor Langeweile

„60 Stunden arbeite ich für die Verbraucherberatung, 20 Stunden ehrenamtlich in weiteren Funktionen“, lacht der 65-jährige, der gestern seinen letzten Arbeitstag hatte.

Dennoch wird Dr. Schaffartzik nicht ins Loch der „Arbeitslosigkeit“ fallen, denn künftig will sich der Euskirchener, der nach mittlerer Reife und Banklehre noch Volkswirtschaft studiert hat, um den Förderverein der Verbraucherzentrale kümmern. „Unruhestand“ nennt man so etwas.

Die beiden Hobbys Briefmarken und Pilze sammeln kamen auch früher schon zu kurz, denn auf seinen „Schlafraum Euskirchen“ zog sich Schaffartzik zumeist erst spät abends zurück, wenn er aus der Landeshauptstadt zurückkehrte.

Dass ihm die Verbraucherzentrale persönlich am Herzen liegt, hat der Vater von drei erwachsenen Kindern bewiesen, als er die Richtung der Organisation nachhaltig veränderte. „In der Nachkriegszeit wurden die Hausfrauen mit dem Gebrauch von Elektrogeräten vertraut gemacht. Als ich Vorstand wurde, habe ich diese Geräteschauen in den Beratungsstellen abgeschafft. Produktberatung ist Sache des Handels, habe ich mir gedacht“, so Schaffartzik. Heute zahlen die Verbraucher für Beratungsleistungen, lassen sich über Baufinanzierung, Vorsorge und in Versicherungsfragen beraten und nutzen vielfach das Internet. In 52 Beratungsstellen arbeiten rund 100 Mitarbeiter, die Finanzierung steht auf unterschiedlichen Beinen, wird von Land, Kommunen und durch selbst erwirtschaftete Erlöse betrieben.