Abo

Nacht-FührungMännliche Fledermäuse leben allein

4 min

Ein Fledermaus-T-Shirtist das „Markenzeichen“ von Dirk Schotten, der Experte für die nachtaktiven Tiere ist. (Foto: Klose)

RHEIN-ERFT-KREIS – Wann genau der Funke übersprang, kann Dirk Schotten (43) aus Elsdorf nicht mehr sagen. Irgendwann stand das Thema Fledermäuse im Raum. Schotten griff es auf und blieb dran hängen.

Zunächst erarbeitete und erforschte er die nachtaktiven Tiere als Projekt bei den „Naturrangern“ des Rhein-Erft-Kreises in der Heinz-Sielmann-Stiftung. Heute trägt der EDV-Kaufmann gerne mal ein Fledermaus-T-Shirts und gilt längst nicht nur bei der Stiftung als Fachmann. Auch beim NABU gehört er zu den Spezialisten und Ansprechpartnern in Sachen Fledermäuse.

Sein Wissen ist begehrt, Schulen und Kindergärten wenden sich an ihn. Er organisiert Nachtführungen durch Fledermausreviere, und sogar Erwachsene rufen Dirk Schotten oft an, um mehr über die geheimnisvollen Tiere zu erfahren.

Dabei findet es auch Dirk Schotten schade, dass den Tieren mitunter ein so schlechter Ruf anhängt. Wird die Fledermaus doch oft als mythisches, unheilbringendes, oft auch als unheimliches und teuflisches Wesen beschrieben und sogar in einem Atemzug mit Dracula genannt. „Das hat die Fledermaus wirklich nicht verdient“, sagt Schotten. Allerdings, auch sein Interesse an den Tieren wurde zunächst durch den geheimnisvollen Mythos geweckt. „Vor Jahren habe ich sogar gehört, die Tiere hätten ein Pakt mit dem Teufel geschlossen“, berichtet er. Doch das ist lange her. Dank seiner sachkundigen Erläuterungen und Führungen wächst kontinuierlich die Fangemeinde, die die Fledermäuse bewundert.

In der Nähe von Menschen

„Bei meinen Forschungen lernte ich ganz schnell die faszinierenden und nützlichen Seiten der Fledermaus kennen“, sagt er. So ernähren sie sich ausschließlich von Insekten. „Und sie hinterlassen keinen Dreck, obwohl viele Fledermäuse gerne und oft direkt in der Nähe der Menschen leben“, erklärt er.

Als die wohl häufigste im Rhein-Erft-Kreis lebende Fledermaus nennt Schotten die Zwergfledermaus. Ohne Mühe könne das Tier aufgrund seiner Größe auch in einer Streichholzschachtel schlafen. „Sie lebt vorzugsweise in kleinen Ritzen und Spalten, wie sie bei älteren Häusern schon mal zu finden sind“, weiß Schotten. Auch an verschieferten Hausgiebel und in Rollladenkästen würden sie sich gerne einnisten. Ebenfalls im Rhein-Erftkreis ist unter anderem die Breitflügelfledermaus heimisch. „Sie jagt gerne in den Wäldern, von denen es allerdings im Rhein-Erft-Kreis immer noch viel zu wenige gibt“, bedauert er.

Sie orientieren sich mit Ultraschall

Was die Menschen erst im 20. Jahrhundert erfunden haben, ist bei den Fledermäusen bereits seit Jahrhunderten Realität: der Kindergarten. „In einer Kinderstube sorgen die Fledermausmütter gemeinsam für ihre Jungen“, erklärt Schotten. Unbekümmert könnten sich daher die Fledermausmütter zeitlich versetzt auf ihre nächtlichen Jagdflüge begeben. Immer seien einige ihrer Artgenossen im Bau und würden dort auf den gesamten Nachwuchs Acht geben. „Fledermausmännchen leben hingegen alleine“, so Schotten.

Vor allen Dingen fasziniert ihn aber der Orientierungssinn dieser Tiere, die sich auch in völliger Dunkelheit bestens zurecht finden. „Das ist einzigartig“, sagt er. Und: „Fledermäuse orientieren sich mit Ultraschall.“ Dazu würden sie bis zu 400-mal in der Sekunde ihren Ruf von sich geben. „Durch das Echo erhalten sie eine genaue Struktur der Umgebung“, erklärt er die Besonderheit. Aber ihre Rufe höre man nicht, sie seien einfach von der Frequenz her zu hoch für das menschliche Ohr.

Europäische Nacht der Fledermäuse

Als weitere Besonderheit nennt er die Tatsache, dass Fledermäuse, die nachweislich bis zu 41 Jahre alt werden können, die einzigen Säugetiere der Welt sind, die fliegen können. Zwergfledermäuse bewegen sich mitunter mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 Kilometern pro Stunde durch die Luft, Breitflügelfledermäuse können laut Schotten sogar Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen.

„Außerdem sind Fledermäuse äußerst standorttreu“, sagt er. Nur wenige würden im Winter in den Süden fliegen. „Die meisten bleiben hier und halten einen Winterschlaf“, sagt er. Besonders im Frühjahr sei es dann schon öfter vorgekommen, dass bei ihm geschwächte Tiere an der Haustüre abgegeben werden. „Die werden dann einige Tage ordentlich aufgepäppelt und können anschließend wieder in die Freiheit zurück“, sagt er.

Die 16. Europäische Nacht der Fledermäuse feiert der NABU am Freitag, 24. August. Los geht es um 19:30 Uhr auf Burg Redinghoven, Niederweg, in Erftstadt-Friesheim. Die Leitung hat Dirk Schotten.