EIFELLAND. Senecio jacobaea - sonnengelb und hübsch, aber bedrohlich und hochgiftig. Die Rede ist vom gelb blühenden Jakobskreuzkraut. Der Korbblütler macht sei einigen Jahren immer wieder als Horrorpflanze Schlagzeilen. Die zwei- bis mehrjährige Pflanze hat sich explosionsartig in unserem Gebiet ausgebreitet, sagt der Diplom-Biologe Dr. Karl Lindemann aus Kerperscheid.
Wie kleine Sonnen leuchten die Blüten, stehen dicht an dicht und strahlen gelb an buschigen, stark verzweigten Blütenständen. Besonders Straßenböschungen, trockene Offenlandflächen aber auch extensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen sind im Juli stellenweise mit den Blumen übersät. Das Jakobskreuzkraut ist ein schöner Anblick - und kann für Nutztiere dennoch tödlich sein.
Kraut ist auch
für Menschen giftig
Gefürchtet wird die Pflanze vor allem von Pferdebesitzern. Pferde, so Biologe Dr. Lindemann weiter, reagieren auf das Gift der Pflanze empfindlicher als andere Weidetiere. In der Pflanze stecken leberschädigende so genannte Pyrrolizidinalkaloide. Eigentlich fressen Pferde das Kraut wegen des Geschmacks in der Regel nicht. Unter besonderen Umständen tun sie es doch, und das hat schon zu Todesfällen geführt, so der Biologe. In Heu und Silage ist das Kreuzkraut für die Pferde nicht mehr zu identifizieren, und dann ist die Vergiftungsgefahr besonders hoch.
Doch Grund, jetzt in Hysterie auszubrechen, sieht Lindemann nicht. Eine ganze Schubkarre voll mit dem Kraut sei notwendig, um eine zum Tode führende Menge zu erreichen. Das sind rund 25 Kilogramm Frischpflanzen für ein Großpferd. Allerdings: Durch einen speziellen Stoffwechsel der Pyrrolizidinalkaloide addieren sich kleinere Mengen über einen längeren Zeitraum, so dass auch immer wiederkehrende kleinere Mengen im Heu zu Krankheiten führen können. Auch für Menschen ist die Pflanze im hohen Maße giftig, so der Landwirt.
Es gibt allerdings ein Tier, dass sich dieses Gift sogar zunutze macht und das hat Lindemann nun bei einer Jakobskreuzkraut-Rupfaktion auf einer Pferdeweide bei Reifferscheid entdeckt. Auf einigen Pflanzen saßen die Raupen des Jakobskrautbären (Tyria jacobaeae). Für den Naturexperten Dr. Lindemann eine kleine Sensation. Es ist jetzt das erste Mal, dass ich hier diese Raupen auf dem Jakobskreuzkraut gefunden habe, seit ich diese Pflanze beobachte.
Bei dem Schmetterling handelt es sich um ein drei bis vier Zentimeter langes Exemplar aus der Familie der Bärenspinner. Er ist überwiegend grauschwarz gefärbt, allerdings sind die Flügelränder und Unterflügel auffallend purpurrot. Die Raupen dieser Schmetterlinge sind auf das Fressen von Kreuzkräutern und anderen pyrrolizidinhaltigen Pflanzen spezialisiert. Das Gift wird von ihnen nicht verstoffwechselt, sondern im Fettkörper abgelagert, schildert Dr. Lindemann. Dadurch werden die Raupe und auch der erwachsene Schmetterling für Insektenfresser wie etwa Vögel selber sehr giftig. Wegen ihrer auffällig schwarzgelben Ringelung wird die Raupe auch als Tigerentenraupen bezeichnet.
Als Gründe für die starke Expansion ist für den Naturfreund vieles denkbar: Klimaerwärmung, Beimischung des Samens in Böschungsbegrünungsmischungen, Erzeugung von Pseudosteppen durch Überweidung und Trittschäden. Pferdehalter und Landwirte sollten nun beim Kreuzkrautrupfen genauer hingucken und diejenigen Pflanzen schonen, an denen Tigerentenraupen fressen, fordert Lindemann.
Es würde nicht Schaden, wenn einige kranke Pflanzen stehen blieben. Es kommt nicht darauf an, das Jakobskreuzkraut auszurotten. Die Pflanze gehört laut Dr. Lindemann in unseren Lebensraum: Sie war immer schon hier, nur nicht in dieser Menge.