Abo

Und plötzlich war es ein Selbstläufer...

3 min

Instrumente, Boxen, Bühnenelemente - das Rüstzeug für ein Konzert haben Norbert Dederichs , Uwe Reetz , Daniela Kamps , Roland Kill , Hardi Nowald , Alex Kamps und Matthias Poth in Windeseile im Golbacher Bürgerhaus stehen. Die Gruppe ist eingespielt und routiniert, eine beinahe familiäre Einheit. Aber diesmal ist die Wehmut nicht zu leugnen. Kein Wunder, es ist das letzte Mal, dass sich die Band „Cadillacs“ vorbereitet: Das Abschiedskonzert (bei dem auch Dominic Sanz und Daniela Kamps „Akustica“-Gruppe auf der Bühne stehen) steht heute Abend an - und ist restlos ausverkauft. Wenn zu vorgerückter Stunde ein „Tschüss, macht s gut“ über die Lautsprecher geht, ist die Ära der „Cadillacs“ Historie. Die Band verabschiedet sich nach fast 20 Jahren von ihrem Publikum.

Für Norbert Dederichs wird es ein besonders emotionaler Moment. Der Schlagzeuger war 1990 bei der Gründung der Cover-Band dabei. Damals noch zu viert - neben Dederichs Norbert Dahm , Rolf Krüger und Klaus Zimmermann - feierten sie beim Feuerwehrfest in Krälingen Premiere. Ans erste Lied erinnert sich Dederichs nicht mehr, aber: „Wir waren furchtbar aufgeregt und fanden uns eigentlich schlecht.“ Doch die Feuerwehr im Ahrtal lud die Band wieder ein.

Früher standen vor allem Tango, Cha-Cha-Cha und Walzer auf dem Programm. „Die Zeiten sind vorbei. Heute will keiner mehr Schneewalzer, sondern Partyklassiker und Radio-Hits hören“, sagt Dederichs. Ende der 90er Jahre waren die Auftritte umfangreicher. „Auf der Hollerather Kirmes haben wir 32 Stunden am Stück gespielt, uns quasi einquartiert.“ Damals sei auf vielen Dorfkirmessen viel mehr los gewesen. „Heute siehst du 70 bis 80 Prozent Jugendliche.“

Eine Aufwertung der Band, die sich nach den ersten Erfolgen aus dem Schatten der bekannten Eifeler Bands „Sunflower“ und „Breakpoint“ lösen konnte, gab es 2000. Mit Daniela Kamps (Ronig) komplettierte eine Sängerin die Formation. So konnten neue Stücke einstudiert werden, das Repertoire wurde umfangreicher. Die Fan-Gemeinde wuchs, die Nachfrage stieg. Dederichs: „Und plötzlich war es ein Selbstläufer...“ Doch dann ein Rückschlag: Sängerin Daniela bat nach der Gemünder Kirmes 2005 um eine Pause, verabschiedete sich. Anna Kühnast sprang ein. Doch Daniela ließ sich zwei Jahre später überreden und startete wieder durch.

Immer, wenn neue Hits im Radio laufen, setzten sich Reetz und Kill zusammen, bereiteten Texte, Noten und Akkorde vor. Nach ein oder zwei Proben waren die Stücke „abrufbereit“. Vor allem in der Kirmessaison von Mai bis November war für „Cadillacs“ Hochkonjunktur - und das über die Grenzen der Eifel hinaus. Bis zu 35 Auftritte im Jahr kamen so zusammen. Doch: „Der Charme einer Kirmes geht deutlich zurück“, findet Dederichs. „Die traditionellen Kirmes-Freitage und -Montage sind so gut wie tot.“

Das Grinsen ist breit, wenn die Musiker sich an Ereignisse aus der Kategorie „Kurioses“ erinnern: So krachte Dederichs bei einem Auftritt plötzlich hinter seinen Trommeln von der Bühne. Dem früheren Bandmitglied Marco Kiunka ging es ähnlich. Beim Eier- und Hühnerfest in Straßbüsch hatte er das Ende der Bühne übersehen und stürzte samt Instrument ab. Einen Schrecken gab es, als beim Auftritt plötzlich eine Endstufe rauchte. Bei der Kirmes in Broich wurden einmal Mischpult und Lautsprecher gestohlen, der Dieb stellte sich später.

Der Kontakt zu den Fans ist sehr persönlich. „Nach der Kirmes in Wolfgarten ging es zu einem Fan. Da haben wir gegrillt und Eier gebacken.“ Uwe Reetz sowie Alex und Daniela Kamps reizen nun neue Projekte. „Damit sind unsere Frontleute weg. Es ist schwierig, qualitativen Ersatz zu finden“, so Dederichs. Getreu dem Motto, „aufhören, wenn s am Schönsten ist“, entschloss sich die Band Anfang des Jahres, im Dezember Schluss zu machen. Vielleicht mit „Hotel California“ (The Eagles), dem Lieblingsstück der Band.

www.cadillacs-feel-it.de