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Zwischen Steuererklärungen verkuppelt

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Irgendwie passt Michael Usadel nicht in das Bild, das man sich gemeinhin von einem Steuerfachmann macht. Und dennoch: Er zeigt geradezu Begeisterung für seinen Job: „Mein Beruf ist mein Hobby.“ Die Freude an seiner Arbeit bekommen offensichtlich auch seine Mandaten zu spüren. So sind viele seit Jahrzehnten treue Kunden. Das war auch im April deutlich zu bemerken. Da konnte Usadel auf Vogelsang eine schier endlos scheinende Menschenschlange begrüßen, als er im Großen Saal mit weit über 200 Personen sein 30-jähriges Jubiläum feierte.

Geboren ist Usadel im Jahre 1951 in Halle / Saale. Ein Jahr später verließ seine Mutter mit ihm und seiner älteren Schwester die russische Zone. Der Vater musste schon früher aus politischen Gründen die Sowjetzone verlassen. Zur Familienzusammenführung kam es in der Eifel. In Haus-Eichen bei Reifferscheid fanden die Usadels vorerst eine Bleibe. „Meine Mutter musste das Haupthaus in Ordnung halten, damit wir dort in einer kleinen Wohnung unterkamen.“

Obwohl er damals noch ein kleiner Junge war, hat er das Ziegenböckchen nicht vergessen, das er von einem Bauern in Hescheld geschenkt bekam und das ihn ständig begleitete. Doch seine Mutter, die von einem Bauernhof stammte, machte dem Böcklein kurzerhand den Garaus und weckte das Fleisch in Gläser ein. „Aber keiner von uns konnte das essen.“ Doch wie bei vielen Flüchtlingsfamilien ging es auch bei den Usadels wieder aufwärts, denn der Vater fand schließlich Arbeit bei der Volksbank in Gemünd.

Nach dem Schulbesuch in Düren absolvierte Sohn Michael seine Lehre bei einer Dürener Steuerberatungskanzlei. Angeregt zu diesem Beruf hatte ihn die Freundschaft mit einem Steuerberater, der für ihn Vorbild war. In die heute noch bestehende Kanzlei, die im Jahre 1959 durch den inzwischen verstorbenen Steuerbevollmächtigten Franz Döhler in Gemünd gegründet wurde, trat Usadel 1973 als vierter Mitarbeiter ein. Nach seiner Bestellung zum Steuerbevollmächtigten im Jahre 1978 machte er sich in Heimbach-Hasenfeld in seiner Privatwohnung selbstständig. Diese bewohnte er inzwischen mit seiner Ehefrau Margarete , seiner Jugendliebe. Als er sie kennen lernte, war sie 14, er 17 Jahre alt. „Ihre Schwester arbeitete im gleichen Steuerbüro wie ich in Düren“, erzählt er. Die heutige Schwägerin brachte damals ein Foto mit, das auch die junge Margarete zeigte. Jung-Michael war begeistert und wollte das hübsche Mädchen unbedingt kennenlernen.

„So wurden wir verkuppelt“, schmunzelt er. 1972 wurde geheiratet. Eine Tochter und ein Sohn sind aus der Ehe hervorgegangen. Obwohl Usadel immer noch an Hasenfeld hängt - schließlich hat er da sein Glück gefunden - hat er doch sein Domizil in Gemünd aufgeschlagen. Hier errichtete er 1986 das jetzige Firmengebäude. Dem Unternehmen Franz Döhler in Gemünd trat Usadel im Jahre 1982 als Gesellschafter bei; ab 1996 übernahm er es in eigener Regie; ab 2006 trat seine langjährige Mitarbeiterin, Steuerberaterin Natascha Türk , als Sozia hinzu. Die Räumlichkeiten des Firmensitzes in Gemünd zeugen von einem Hobby des Michael Usadel. An den Wänden hängen nämlich bemerkenswerte Fotos, die er auf Streifzügen durch die Landschaften der Eifel aufnahm. Sogar einen Fotoband „Burgen und Schlösser der Eifel“ hat er vor einigen Jahren herausgebracht.

Eine Unterbrechung erfuhr seine Leidenschaft, als vor drei Jahren überraschend der graue Star bei ihm diagnostiziert wurde. In einer Bonner Spezialklinik wurde er operiert und erfuhr es wie ein Wunder, dass nach dem Eingriff nicht nur sein Augenlicht gerettet, sondern er auch nicht einmal mehr kurzsichtig war. „Ich sehe wieder wie ein Adler“, bekräftigt er. Usadel - der ungewöhnliche Name stammt übrigens aus dem Schwedischen - gönnt sich bei aller Freude an Beruf und Familienleben einmal im Jahr eine richtige Auszeit. Da geht er fünf Tage lang ganz allein auf eine Fahrradtour durch verschiedene Landschaften. So hat er Wege längs der Flüsse Rhein, Weser, Main und die Ostseeküste schon abgeradelt. „Ich brauche das, um wieder aufzutanken.“