Herr Campmann, Aktuelles in der Welt oder vor der Tür in Köln – wie informieren Sie sich?
Mittlerweile ganz unterschiedlich. Früher habe ich im Internet immer nur überregionale Medien gelesen, aber heute ist mein Konsum durchaus breiter gestreut: Ich gucke in lokale Medien – auch in die gedruckte Zeitung – und im Netz auf deutsche, aber auch auf internationale Seiten.
Wie hat sich Ihr Verhältnis zu Nachrichten seit den Zeiten des Internets verändert?
Ich bin auf jeden Fall kritischer geworden. Wenn ich eine Nachricht lese beim „Spiegel“ oder auf anderen Seiten, versuche ich die Information zu prüfen. Ich versuche aber auch ab und zu auf Seiten zu gehen, die in der Kritik stehen: Was verbreiten „Russia Today“ oder „Breitbart News“? Kann man die schnell entlarven? Dann versuche ich aber auch quer zu denken und frage mich hin und wieder: Ist an deren Inhalten vielleicht etwas dran oder interpretieren sie Infos einfach anders?
Das könnte Sie auch interessieren:
Was macht guten Journalismus für Sie aus?
Vor allem Objektivität, gute Recherche und nicht tendenziös zu berichten. Ich habe selbst mal journalistisch gearbeitet und habe auch heute noch durch den Job viel Kontakt zu Redaktionen. Ich weiß, dass Zeitungen oft unter hohem Zeitdruck produziert werden. Leider merkt man das manchmal an der Qualität der Artikel. Ich denke, dass vor allem in diesen Zeiten auf die Qualität geachtet werden muss.
Wenn Sie selbst Chefredakteur wären – worauf würden Sie achten?
Quellen immer zweimal zu prüfen! Wenn mir irgendjemand etwas zusteckt, muss ich es von einer zweiten Quelle bestätigen lassen. Und die Rechtschreibung sollte auch stimmen, auch wenn ich selbst immer froh über einen Lektor war (lacht). Ansonsten sind lokale Themen immer interessant: Was passiert gerade in Kalk? Was gibt es für Veranstaltungen?
Sind Sie schon einmal auf Fake News hereingefallen oder selbst Gegenstand davon gewesen?
Da ich nicht direkt Nachrichten in den sozialen Netzwerken teile, bin ich bisher noch nicht darauf reingefallen – zumindest nicht bewusst. Gegenstand von Fake News waren weder ich noch die Band bisher. Aber auf komische News stoßen wir trotzdem: Wir engagieren uns ja politisch, damals bei der Hogesa-Demo oder auch bei „Arsch huh!“, und wenn wir dann politische Nachrichten bei Kasalla online teilen, kommen schon Kommentare, in denen User zum Beispiel Statistiken bezüglich Migration teilen. Die kommen dann manchmal von irgendwelchen obskuren Seiten – und wenn ich mir die Seiten anschaue, frage ich mich schon, warum so viele Leute auf die Inhalte hereinfallen. Sie haben meist überhaupt keinen klaren Bezugspunkt.
Haben Medien etwas versäumt, wenn sie im Verdacht stehen, nicht glaubwürdig zu sein?
Der Verdacht liegt nahe, und manchmal ärgere ich mich auch über Mainstream-Medien wie die Tagesschau. Mir fehlt manchmal die Kritik an der Regierung, und auch solche Medien berichten ab und zu tendenziös. Ein Beispiel ist der Aufmacher nach der US-Wahl, in dem es um 300 oder 400 Demonstranten vor dem Trump-Tower ging. Für mich ist das keine Nachricht wert, aber es ging eben gegen Trump. Durch solche Meldungen machen sich die Medien aber angreifbar. Ich finde es auch generell bedenklich, zum Beispiel AfD-Leute nicht zu Diskussionen einzuladen oder sie von Gesprächen auszuschließen – auch wenn ich mich damit in der „Arsch huh“-Gemeinde vielleicht unbeliebt mache. Aber durch solch ein Ausschließen befinden sich AfD-Anhänger direkt in der Opferrolle und können wieder anders argumentieren. Das ist nicht gut.
Ist die Fake-News-Debatte denn für lokale Medien vielleicht eine Chance, sich zu profilieren?
Es ist eine Chance, wenn sie sich die Zeit nehmen, Themen durch zu recherchieren. Außerdem sind Redakteure im Lokalen näher an den Leuten und können entsprechend Vertrauen schaffen, um die Themen aufzubereiten. Kölner Medien wie „Rundschau“ und „Stadt-Anzeiger“ sind besonders stark im Lokalen, eben dann, wenn sie hinter die Kulissen schauen und gut recherchiert die ganze Geschichte erzählen. Man darf nicht nur auf die Headline schauen, sondern muss Storys in Ruhe beleuchten.
Das Gespräch führte Jennifer Wagner