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Rettungsversuch gescheitertIn der Roisdorfer „Marktschänke“ geht das Licht aus

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Der Marktschänke drohen Schließung und Abriss. Harald Stadler (links) und Ernst Gierlich wollen dies verhindern.

Der Marktschänke drohen Schließung und Abriss. Harald Stadler (links) und Ernst Gierlich wollen dies verhindern.

Das Aus für die „Marktschänke“ am Roisdorfer Bahnhof ist wohl nicht mehr abzuwenden. Das geht aus einer Stellungnahme von Bornheims Bürgermeister Christian Mandt (CDU) auf Nachfrage der Bonner Rundschau hervor.

„Wie sicherlich viele Bornheimerinnen und Bornheimer habe ich wunderbare Erinnerungen an die Marktschänke. Mein Herz sagt Erhalten, aber die rechtliche Lage sieht leider anders aus.“ Denkmalschutz für das Gebäude sei eher unrealistisch. Damit dürfte auch eine von einem Bürger aus Roisdorf am Montag gestartete Online-Petition, die bereits knapp 1700 Personen unterzeichnet haben, keinen Erfolg mehr haben.

Der Gewerbeverein Roisdorf um seinen Vorsitzenden Harald Stadler und Ernst Gierlich, Vorsitzender der Heimatfreunde Roisdorf, werden sich wie viele Bürger damit abfinden müssen, dass die Kündigung des Pachtvertrages seitens der Edeka-Gruppe für Gastwirt und Pächter Stefan Kempf zum Ende des Monats das Schicksal der Traditionskneipe besiegelt. Wie Mandt erklärte, war am Donnerstag eine Stellungnahme der Oberen Denkmalbehörde des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) eingegangen, die eine erste Auffassung von 2010 noch einmal bekräftigte, dass weder die Fassade des ehemaligen Centralmarkt-Gebäudes noch die „Marktschänke“ Denkmalwert hätten und damit nicht unter Schutz gestellt werden könnten.

Damit wäre auch eine von Stadler angeregte Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss (SteA) am kommenden Mittwoch hinfällig: „Wir können im Ausschuss über Denkmäler diskutieren, aber nicht entscheiden“, erklärte Mandt. Die Schänke ist beliebt, wie ein Besuch vor Ort an einem gewöhnlichen Nachmittag mitten in der Woche zeigte. Schon kurz nach Öffnung gegen 17 Uhr gaben sich die ersten Gäste buchstäblich die Klinke in die Hand, um ein Feierabendbier zu trinken oder etwas zu essen.

Die „Marktschänke“ von innen.

Die „Marktschänke“ ist bei Roisdorfern und Gästen des Vorgebirges beliebt.

Seit 23 Jahren bewirtet Stefan Kempf in der „Marktschänke“ am Roisdorfer Bahnhof seine Gäste, an guten Tagen gingen bis zu 100 Speisen über den Tresen. Das Gasthaus laufe gut, sagt er. Rund 160 Gäste haben Platz im Innenraum und auf der Außenterrasse in der ehemaligen Kantine der früheren Versteigerungsfirma Landgard. Doch der Gebäudeteil gehört seit Jahren dem Kompetenzzentrum Edeka-Fruchtkontor, das auf seinem Areal bereits Hallen für den Warenumschlag betreibt, darunter auch eine Bananenreife.

Die Firma möchte das Unternehmen erweitern und braucht dafür Platz. Dafür soll das Gebäude mit der „Marktschänke“ weichen. Das Ende der „Marktschänke“ bedeute laut Ernst Gierlich einen herben Verlust nicht nur für die Roisdorfer, sondern auch für viele andere Gäste aus dem Vorgebirge: „Fast jeder Roisdorfer hat einen familiären Bezug zur Marktschänke. Geht sie verloren, verschwindet nicht nur die letzte Kneipe in Roisdorf, sondern auch ein Stück Heimatgeschichte.“ Örtliche Vereine verlieren einen Treffpunkt. Noch im Januar erstürmte Karnevalsprinzessin Nicole Pällmann mit dem Ortsausschuss das Lokal als Hofburg. Die Musikfreunde Roisdorf proben im hinteren Teil des Gebäudes.

Das Ensemble als Denkmal?

Der frühere SPD-Ratsherr Harald Stadler glaubte, noch ein Ass im Ärmel zu haben, um das Lokal retten zu können: die „vorläufige Unterschutzstellung“ des Ensembles mitsamt seinem Inventar als Denkmal. Stadler verwies auf eine 2022 in Kraft getretene Novellierung des Denkmalschutzgesetzes. Aus seiner Sicht räume diese Kommunen eine weitgehende Autonomie ein, Bauwerke unter Schutz zu stellen. Zuständig sei dafür die Untere Denkmalbehörde, die im Bornheimer Rathaus angesiedelt ist. Weisungsbefugt, dies durchzusetzen, sei der Bürgermeister einer Kommune, also Christian Mandt.

Stadler ging davon aus, dass es aufgrund der Gesetzesnovelle genüge, wenn die Untere Denkmalbehörde dem LVR-Amt mitteile, warum nach eigener Bewertung das Gebäudeensemble sehr wohl denkmalwürdig wäre: „Somit liegt es allein im Entscheidungsrahmen der Unteren Denkmalbehörde Bornheims und dem Beschluss der Ausschussmitglieder, ob sie den Wünschen und Anregungen vieler Bürger folgen werden, um die sichtbare Erinnerung an ihre Obst- und Gemüseversteigerung und ihre letzte Roisdorfer Dorfgaststätte zu erhalten“, schrieb Stadler in einem Brief, der der Rundschau vorliegt. Treffe die Mehrheit der Ausschussmitglieder keine oder eine andere Entscheidung, würde „ein bedeutendes Element der Erinnerungskultur und Identität“ verloren gehen, so Stadler weiter.

Aus dem Rathaus hieß es auf Anfrage aber, dass die Untere Denkmalschutzbehörde ihre Entscheidungen im Benehmen mit dem LVR treffe. Der LVR sei für die denkmalfachliche Einschätzung zuständig, während die Untere Denkmalschutzbehörde die formale Bearbeitung übernehme, so Pressesprecher Christoph Lüttgen: „Eine fehlende Beteiligung des LVR wäre ein formaler Fehler, der die Rechtskräftigkeit der Entscheidungen grundsätzlich in Frage stellen würde. Daher ist die Aussage von Herrn Stadler falsch, dass die Behörde ,aus Liebe zur Marktschänke‘ Entscheidungen treffen könne. Der Ausschuss kann beraten, hat aber keine Entscheidungsbefugnis darüber, was unter Denkmalschutz gestellt wird.“

Eine Unterschutzstellung wäre daher eine Ermessensfehlentscheidung, für die die Stadtverwaltung regresspflichtig gemacht werden kann.
Christian Mandt, Bürgermeister

Die von Harald Stadler aufgeführte vorläufige Unterschutzstellung könne nur erfolgen, wenn es eine fachliche Begründung gebe, diese liege aber nicht vor. Lüttgen: „Die Behörde kann hier nicht willkürlich tätig werden, sondern ist an Gesetze gebunden. Diese Entscheidung ist im Übrigen vollständig gerichtlich überprüfbar und kann bei Rechtswidrigkeit im Zweifelsfall auch zu Schadensersatz führen.“ Dazu Christian Mandt: „Eine Unterschutzstellung wäre daher eine Ermessensfehlentscheidung, für die die Stadtverwaltung regresspflichtig gemacht werden kann.“ Von Seiten der Edeka-Zentrale in Hamburg gab es auf Anfrage der Rundschau keine weiteren Informationen: „Wir bitten um Verständnis, dass wir derzeit keine Auskunft zu möglichen Planungen geben. Sollte es einen konkreten und kommunizierbaren Stand geben, informieren wir entsprechend“, so Miriam Heimberg vom Edeka-Presseteam.

Bürgersprechstunde

Die Stadt bietet im Vorfeld zur Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Mittwoch, 11. März, um 17 Uhr im Ratssaal eine Bürgersprechstunde an. Baudezernent Robert Lehmann steht dafür den Fragen der Bürger zur Verfügung und wird über den Sachstand informieren. Anschließend wird Bürgermeister Christian Mandt eine Stellungnahme abgeben.