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Heinrich-Böll-Gesamtschule in MertenKonzeption der Dreifachturnhalle irritiert

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25 000 Quadratmeter Fläche sollen laut Beschluss des Schulausschusses für den Neubau der Gesamtschule in Bornheim-Merten an der Händelstraße eingeplant werden.

Bornheim-Merten – Läuft alles nach Plan, ist der Neubau der Heinrich-Böll-Gesamtschule (HBG) 2026 zwischen Händelstraße und Stadtbahnlinie 16 im Neubaugebiet Me 18 schlüsselfertig. Die Baugenehmigung soll spätestens im Herbst 2023 vorliegen. Jetzt legte ein Planungsbüro die Bedarfsplanung für das gut 52 Millionen Euro teure Bauprojekt vor. Für eine Diskussion sorgte die anvisierte Grundstücksgröße, für Irritationen hingegen die Konzeption der geplanten Dreifachturnhalle.

Grundstücksgröße

Der Schulneubau am östlichen Ortsrand Mertens sollte ursprünglich auf einer Fläche von 17 000 Quadratmetern entstehen. Um genügend Platz für weitere Entwicklungen zu haben, schlug die Verwaltung vor, das Grundstück für den Neubau auf mindestens 20 000 Quadratmeter zu vergrößern. Der ursprünglich angedachte Flächenbedarf ist laut Verwaltung im Vergleich zu den Standorten Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und Europaschule unterdimensioniert. Im Schulausschuss gingen die Politiker noch ein Stück weiter: Für das Grundstückes wurden sogar 25 000 Quadratmeter veranschlagt. Dies, so die Ausschussvorsitzende Gabriele Kretschmer (CDU), solle aber „kein Freibrief“ sein, um diese Fläche auch auszuschöpfen. Schuldezernentin Alice von Bülow erklärte, dass die Stadt die erforderlichen Grundstücke noch nicht besitze.

Dreifachturnhalle

Fragen und Irritationen warf die geplante Turnhalle auf, die sowohl für den Schul- und Vereinssport als auch als Versammlungsstätte für Festveranstaltungen oder Tagungen konzipiert werden soll. Die Halle „muss unabhängig von dem eigentlichen Schulbetrieb genutzt werden können“, so beschreibt es das von der Stadt beauftragte Planungsbüro. „Für mich klingt das nach einem Kongresszentrum“ meinte Thomas Meyer (CDU) aus Hersel und wollte „Klarheit, dass hier keine Konkurrenz zur Rheinhalle Hersel entsteht“. Josef Müller (UWG/Forum) teilte diese Bedenken nicht und schilderte, dass die Mertener derzeit keine geeigneten Möglichkeiten hätten, ihre Veranstaltungen durchzuführen. So befinde sich das Schützenheim mitten in einem Wohngebiet. Hier führt beispielsweise die Laienspielgruppe Merten jährliche ihre Theaterstücke auf.

Laut von Bülow werde die Sporthalle für den Schulsport genutzt, die HBG brauche aber auch eine Möglichkeit, um eigene Feste, etwa einen Abiball, feiern zu können. Örtliche Vereine könnten die Halle darüber hinaus ebenfalls nutzen, etwa für Karnevalssitzungen. Mit der technischen Ausstattung der rund 3000 Quadratmeter großen Halle und den geplanten 500 Tribünenplätzen orientiere man sich an dem Neubau der Turnhalle der Europaschule, so die Dezernentin weiter. Damit bleibe die Rheinhalle, in der bis zu 800 Besucher Platz finden, Bornheims größte Mehrzweckhalle.

Raumprogramm

Bis zu 1140 Schüler werden an der maximal fünfzügigen HBG unterrichtet. Für die sechs Jahrgangsbereiche der Sekundarstufe I sind jeweils fünf Unterrichtsräume zwischen 72 und 80 Quadratmetern vorgesehen. Die Räume umschließen eine „gemeinsame Mitte“, die als Aufenthaltsbereich dient und Co-Learning ermöglichen soll. Die drei Jahrgänge der Sekundarstufe II erhalten einen eigenständigen Bereich innerhalb des Schulgebäudes mit Kurs- und Gruppenarbeitsräumen zwischen 48 und 72 Quadratmetern und ebenfalls einen gemeinsamen Lern- und Aufenthaltsbereich. Hinzu kommen „Fachraumgruppen“ für die Bereiche Kunst und Musik, Technik und Informatik, Natur- und Hauswirtschaften. Geplant sind weiterhin ein Forum, das als Schulaula dient, eine Mensa mit Schnellrestaurant sowie eine Schulküche. Hinzu kommen eine Schulbücherei mit Mediothek, weitere Aufenthaltsbereiche für die Ganztagsbetreuung, Beratungs- und Therapieräume sowie großzügige Kapazitäten für das Lehrerkollegium und die Verwaltung.

Das Außenareal der Gesamtschule soll vielfältige funktionale und gestalterische Anforderungen erfüllen. Geplant sind kombinierte, teils beschattete Lern- und Aufenthaltsbereiche im Freien, ein Schulgarten, eine kleine Außenbühne, Bänke, Liegen oder Hängematten zum Entspannen und jede Menge Sträucher oder Bäume, vorzugsweise Obstbäume. Hinzu kommen Bereiche, die ausreichend Sport und Bewegung ermöglichen. Die Planer aus Essen haben hier ein Kombifeld für Weit- und Hochsprung sowie Basketball vorgesehen, die Möglichkeiten Tischtennis oder Schach zu spielen, eine Kugelstoßanlage und eine Laufbahn. An der Sporthalle könnte noch eine Kletterwand montiert werden. Zudem sind 70 Pkw-, 60 Motorrad- und 257 Fahrradstellplätze sowie zwei Pkw-Parkplätze für Menschen mit Behinderungen vorgesehen.

Historie

Seit den 1970er Jahren war die Hauptschule im Mertener Schulzentrum am Heinrich-Böll-Platz (ehemals Dorfplatz) untergebracht. Zum Schuljahr 2012/13 wurde die Heinrich-Böll-Sekundarschule eingerichtet, die Hauptschule lief nach fünf Jahren aus. Zum aktuellen Schuljahr 2020/21 wurde aus der Sekundarschule die Heinrich-Böll-Gesamtschule. Damit hat Bornheim nun neben der Europaschule eine zweite Einrichtung dieser Art. Da die räumlich begrenzten Gegebenheiten im Ortskern keinerlei Entwicklungsspielraum bieten und die Kapazitäten bereits jetzt erschöpft seien, entschied sich die Politik vor einigen Jahren mehrheitlich für den Neubau an der Händelstraße.