Die Abkürzung LebEKa steht für „Lebensmittelausgabe der Evangelischen und Katholischen Kirchen“.
LebEKaZweigstelle in Kardorf gibt es seit 20 Jahren

Ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Helfern würde die Ausgabestelle in Kardorf nicht laufen. Ihnen zum Dank hatten die Organisatoren zum Jubiläumsfest eingeladen.
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Es gibt Jubiläen, die man eigentlich lieber nicht feiern würde, meinte Stefanie Schmelzer vor zwei Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung. Damals feierten ehrenamtliche Helfer das 20-jährige Bestehen der ersten Ausgabestelle der LebEKa in Bornheim-Ort. Das Kürzel steht für „Lebensmittelausgabe der Evangelischen und Katholischen Kirchen“.
Not, Armut und Hunger im Vorgebirge, das schien damals fast schon ein Tabuthema zu sein. Bedürftige, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind, sahen viele seinerzeit eher in den großen Städten jedoch nicht im Vorgebirge.
2004 erste Ausgabestelle in Bornheim-Ort
Weit gefehlt, wie die damalige Sozialberaterin der Evangelischen Kirchengemeinde im Vorgebirge, Gabi Speer, beobachten konnte: Bei immer mehr Menschen blieb am Monatsende der Kühlschrank leer. Betroffen waren damals wie heute vor allem Senioren mit einer niedrigen Rente, Alleinerziehende, Hartz IV-Empfänger (heute Bezieher von Bürgergeld beziehungsweise Grundsicherung), Großfamilien oder Geflüchtete. 2004 entstand daher die erste Ausgabestelle in Bornheim-Ort. Doch der Bedarf war so groß, dass bereits zwei Jahre später im katholischen Pfarrzentrum St. Josef in Kardorf eine zweite Ausgabestelle eröffnet wurde.
Um sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern zu bedanken, hatten Stefanie Schmelzer, die als Diakonin der Evangelischen Emmaus-Gemeinde die LebEKa gemeinsam mit Diakon Joachim Fuhrmann vom Katholischen Gemeindeverband Bornheim-Vorgebirge betreut, die Unterstützer zum 20-jährigen Bestehen der Kardorfer Ausgabestelle ins Pfarrheim der katholischen Pfarrgemeinde St. Gervasius und Protasius nach Sechtem zu einem Dankeschön-Fest eingeladen.
Es gehe nicht nur darum, Bedürftigen einige ihrer Sorgen zu nehmen, es gehe auch darum, zu vermeiden, dass Lebensmittel verschwendet werden, sagte Manfred Roschek, der das Kardorfer Team leitet und damit im November die Nachfolge von Horst Ziesemer angetreten hatte. Und noch ein Aspekt sei wichtig: „Niemand soll mit seinen Nöten alleine gelassen werden. Wir möchten auch Zuversicht geben und einander respektieren. Zudem ist die Ausgabestelle als Ort der Begegnung auch eine Möglichkeit, aus der Einsamkeit herauszukommen.“
Anfangs 30 Kunden, heute 270 Personen
Anfänglich kamen 30 Kunden zur freitäglichen Ausgabe, doch deren Zahl stieg schnell an, schon ein Jahr später nahmen 170 Menschen das Angebot in Anspruch. Heute kommen 110 Familien zur Ausgabestelle, das sind 270 Personen, darunter ein Drittel Kinder und Jugendliche, so die Bilanz von Roschek. Familien und Einzelpersonen, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht selbst zur Ausgabe kommen können, werden zudem über einen Lieferdienst mit Nahrungsmitteln versorgt. „Immer neue Krisen und leider auch Kriege zeigen uns, dass auch weiterhin viele Menschen auf Unterstützung angewiesen sind“, betonte Roschek.
Um „Akzente gegen die Armut“ setzen zu können, sei die LebEKa weiterhin auf die Unterstützung Lebensmitteleinzelhändlern, Discountern, Bäckern, Metzgern, Landwirten oder Großhändlern angewiesen, so der Teamleiter weiter: „Wir sind froh und dankbar, dass dies seit Jahren äußerst großzügig und verlässlich geschieht.“ Kritisch wurde es während der Corona-Pandemie, als die Geschäftsleute weniger einkauften und somit auch die Zahl an überschüssigen Lebensmitteln oder auch Hygieneprodukten zurückgegangen war.
Doch es seien nicht nur die Händler, die die Ausgabestellen unterstützten, weiß Roschek zu berichten und dankte auch den „warmherzigen Privatpersonen“. Sie spenden das, was sie in ihren Gärten ernten oder bringen auch schon mal Gläser mit frisch eingekochter Marmelade vorbei. Hinzu kommen Paketaktionen von Schulen zu Weihnachten oder unverzichtbare Geld- und Sachspenden von Spendern und Sponsoren. Dies gelte laut Roschek gleichermaßen für den Rotary Club Bornheim, die Faßbender-Stiftung aus Alfter und für zahlreiche Firmen. So konnten Fahrzeuge für den Transport der Lebensmittel oder ein Container, der als Lagerraum dient, angeschafft werden.
21 ehrenamtliche Helfer sind mit dabei
Doch all dies wäre nicht möglich ohne die vielen freiwilligen Helfer: 21 Ehrenamtler arbeiten derzeit für die Kardorfer Ausgabestelle. Sie fahren zu den Geschäften, um die Waren abzuholen und vor Ort auszuladen und verteilen diese dann jeden Freitag an die Kunden. Vier Frauen der ersten Stunde hob Roschek besonders hervor: Christel Janik, Elisabeth Kleißler, Renate Müller und Irmgard Notzem. Ein „rundes Jubiläum“ feierte zudem Hansjörg Bücher, der seit Jahren das Team unterstützt.
Zu den Gästen der Dankfeier gehörten unter anderem Bornheims Vize-Bürgermeisterin Gabriele Kretschmer, die städtische Ehrenamtskoordinatorin Sabine Hübel, Sechtems Ortsvorsteher Rainer Züge, der amtierende Rotary-Präsident Gerhard-Josef Brühl, Gerhard Thusek als Vertreter der katholischen Kirchengemeinde St. Josef Kardorf und der ehemalige Kardorfer Ortsvorsteher Gottfried Düx sowie Ute Kleinekathöfer, eine der Mitbegründerinnen der Bornheimer Ausgabestelle.
Dass es im Vorgebirge die LebEKa und nicht wie andernorts die sogenannten „Tafeln“, die sich seit den 1990er Jahren über einen Dachverein organisiert haben, gibt, hängt damit zusammen, dass diese Anfang der 2000er Jahre nur in größeren Städten aktiv gewesen waren. Eine Anfrage von Gabi Speer, auch eine Tafel in Bornheim zu gründen, wurde daher damals abgelehnt. So nahm die Evangelische Kirchengemeinde 2004 die Sache selbst in die Hand.
Zwei Jahre später wurde die Initiative ökumenisch mit der Eröffnung der Kardorfer Zweigstelle im Pfarrheim von St. Josef. Damit war der Name LebEKa gefunden.
2008 kam eine dritte Dependance in Hersel und 2010 die vierte in Alfter-Oedekoven dazu. Zudem gibt es die Kinderkleiderstube „Hängematte“ sowie ein ökumenisches Möbellager.
Mehr als tausend Menschen in knapp 400 Haushalten in Bornheim und Alfter sind mittlerweile auf die Spenden der LebEKa angewiesen. Um sie kümmern sich insgesamt fast 90 Ehrenamtler.
