Bildungs- und KulturzentrumEhemaliger Lehrer rettet verschollen geglaubtes Kunstwerk in Oberpleis

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Ein Mann in blauer Jacke befestigt mit einer Klebepistole abgefallene Kieselsteine an dem großen Mosaik, auf dem Schüler die Schöpfungsgeschichte darstellten.

Mit einer Klebepistole sicherte der ehemalige Lehrer Josef Hakes einige Kiesel des Mosaiks, das er vordem Schrott gerettet hatte.

Das namensgebende Mosaik für Königswinters neues Bildungs- und Kulturzentrum galt im Dezember als verschwunden. 

Das verschollen geglaubte Mosaik ist zurück im „Mosaik“, dem neuen Bildungs- und Kulturzentrum der Stadt in Oberpleis. Zu verdanken ist die Rettung des 1995 von Schülern geschaffenen Kunstwerks, das die Schöpfungsgeschichte darstellt, dem ehemaligen Lehrer Josef Hakes (85). Dieser klebte am Donnerstag mit einer Heißklebepistole einige Kieselsteine fest, die sich gelöst hatten.

„Da schließt sich der Kreis“, sagte Henning Schammler (81), der ehemalige Leiter der Paul-Moor-Schule, die von der Stadt gerade für 4,7 Millionen Euro zum „Mosaik“ umgebaut wird. Neben Volkshochschule und Musikschule ist in dem Gebäudekomplex auch die Kita „Rappelkiste“ untergekommen.

„Das kommt nicht weg!“

Als im Dezember vorigen Jahres die Stadtverwaltung die Presse durch das fast fertige Bildungszentrum führte und die Redaktion dieser Zeitung nach dem Verbleib des namensgebenden Mosaiks fragte, musste Ulrich Berres, der städtische Geschäftsbereichsleiter Kultur, einräumen: „Es ist verschwunden.“ Als Josef Hakes das in der Zeitung las, meldete er sich beim ehemaligen Schulleiter Henning Schammler und bei Ulrich Berres. Denn der ehemalige Lehrer hatte das Mosaik in Sicherheit gebracht.

„Das kommt weg!“, hätten ihm vor gut einem Jahr die Bauarbeiter gesagt, als er aus alter Verbundenheit mal wieder an der ehemaligen Förderschule des Rhein-Sieg-Kreises vorbeikam, wo er von 1986 bis 2003 als Lehrer für das Fach Holzverarbeitung tätig gewesen war. Das gehe doch nicht, dachte sich der heute 85-Jährige.

Im Garten in Sicherheit gebracht

Dank des Hausmeisters sei das Mosaik von der Wand gelöst und auf der Rückseite der Hinweis „Das kommt nicht weg!“ geschrieben worden. Doch dann habe das Mosaik doch vor einem Container mit Bauschutt gestanden. Kurzerhand organisierte Hakes über Bekannte einen Anhänger und brachte das Werk erstmal in seinem Garten in Sicherheit.

Die Schule habe damals einen neuen Brennofen bekommen, erinnerte Josef Hakes an die Entstehung des Mosaiks im Jahr 1995. Dabei sei die „tolle Idee“ aufgekommen, Keramikplatten zu brennen, die die Schöpfungsgeschichte zum Thema hätten. Einzelne Platten stellen beispielsweise die Wüste, die Sonne, erste Tiere und zum Schluss den Menschen dar – wobei ein Schüler „Mama“ und „Papa“ auf seine Kachel geschrieben hat. Henning Schammler schätzt, dass die beteiligten Schüler damals zwischen elf und 13 Jahre alt waren.

Da die damalige Paul-Moor-Schule seinerzeit um einen Anbau erweitert wurde, habe er von den Baumaterialien einige Kieselsteine genommen, sie gewaschen und mit den gebrannten Kacheln zum „Mosaik“ zusammengefügt. Danach hing das Werk mit dem Titel „Schöpfung“ über Jahre im Foyer des damaligen Haupteingangs der Schule, die 2013 geschlossen wurde. 2015 kaufte die Stadt Königswinter das Gebäude und brachte dort zeitweise Geflüchtete unter.

Auf einer gebrannten Keramikplatte sind vor einem grünen und blauen Hintergrund in Braun zwei Figuren dargestellt, ein Mann und eine Frau.

Auch Menschen sind auf dem Mosaik abgebildet, das die Schöpfungsgeschichte darstellt.

Nun hängt das wiedergefundene Mosaik nahe dem neuen Haupteingang des Bildungszentrums, und laut Ulrich Berres wird vor der offiziellen Eröffnung des Hauses im März noch eine Tafel mit Informationen zur „Schöpfung“ installiert. Mit Blick auf die Rettung des Schülerkunstwerks sprach Berres von „einer Verkettung unglücklicher Umstände“, die sich zu „glücklichen Umständen“ gewandelt hätten.

Der Name „Mosaik“, der auch auf die vielfältige Nutzung des Gebäudes hinweisen sollte, war übrigens das Ergebnis eines kleinen Namenswettbewerbs der Stadt. Damals waren 18 Vorschläge eingegangen.

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