Der Wachtberger Bürgermeister Swen Christian weist Kritik der Nachbarstadt Meckenheim zum Thema Beschulung zurück. Seine Gemeinde habe sich sehrwohl um Lösungen für eine eigene Realschule bemüht.
Schulstreit zwischen Meckenheim und Wachtberg„Konsequent nach Alternativen gesucht“

Zum Meckenheimer Schulcampus gehrt auch die Theodor-Heuss-Realschule.
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Beschulung über die kommunale Grenzen hinweg wird zum Reizthema zwischen Meckenheim und Wachtberg. Erst im Juni 2025 holte sich der damalige Meckenheimer Bürgermeister Holger Jung eine Abfuhr für seine Kostenaufstellung zur Beschulung der Kinder aus dem Drachenfelser Ländchen, jetzt müssen 19 Meckenheimer Kinder zu Gunsten von Wachtbergern zurückstehen, die gerne die Theodor-Heuss-Realschule (THR) besuchen würden. Die Meckenheimer sind sauer (wir berichteten). Jetzt bezieht der Wachtberger Bürgermeister Swen Christian auf Rundschau-Anfrage Stellung.
Schule musste losen
Der Hintergrund: Die Theodor-Heuss-Realschule in Meckenheim sah sich wegen einer übermäßigen Anzahl von Schulanmeldungen für die 5. Klasse zum Schuljahr 2026/2027 gezwungen, das im Schulgesetz geregelte Losverfahren anzuwenden. Insgesamt mussten 23 Bewerbungen danach abgelehnt werden, davon 19 aus Meckenheim. Grund war, dass sich insgesamt 38 Kinder aus der Nachbarkommune Wachtberg, die diese Schulform nicht vorhält, angemeldet haben. Das gesetzlich geregelte Losverfahren sieht vor, dass hier alle Kinder unabhängig vom Wohnort gleichbehandelt werden müssen.
Swen Christian dazu: „Für die Enttäuschung der Meckenheimer und Wachtberger Familien, dass ihre Kinder keinen Platz an der Theodor-Heuss-Realschule erhalten, habe ich größtes Verständnis. Da die Stadt Meckenheim keine weiteren Plätze schaffen kann, verfügt aktuell nur die Stadt Bonn über ein darüber hinausgehendes Realschulangebot. Die Gründung einer eigenen Realschule in Wachtberg setzt die Schließung unserer bestehenden Hauptschule voraus. Daher sind ein hohes Verantwortungsbewusstsein und eine politische Willensbildung Voraussetzung. Der minimale Eingriff in das bestehende Angebot wäre die Schaffung eines echten Realschulzweigs an der bestehenden Hauptschule, was rechtlich, im Gegensatz zur umgekehrten Lösung Hauptschulzweig an einer Realschule nicht möglich ist. Daher werbe ich für ein verantwortungsvolles, wohl bedachtes, vor allem aber gemeinsames Vorgehen.“
Der Eindruck, die Gemeinde Wachtberg verhalte sich untätig oder entziehe sich ihrer Verantwortung, entspricht nicht den Tatsachen.
Und weiter: „Der Eindruck, die Gemeinde Wachtberg verhalte sich untätig oder entziehe sich ihrer Verantwortung, entspricht nicht den Tatsachen. Bereits von 2018 bis 2020 hat die Gemeinde Wachtberg eine Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der Hans-Dietrich-Genscher-Schule einberufen – unter Beteiligung von Politik, Verwaltung, der Bezirksregierung, der Städte Bonn, Meckenheim und Rheinbach sowie Schulleitungen verschiedener Schulformen. Das Ergebnis damals wie heute: Die Neugründung einer anderen Schulform ist aufgrund der rechtlichen Anforderungen nicht möglich. Diese Erkenntnis ist also nicht neu – Wachtberg hat sie früh gezogen und seither konsequent nach Alternativen gesucht.“
Die Nachbarn sehen das anders: Im Meckenheimer Rathaus ist man der Ansicht, dass „sich die Gemeinde Wachtberg nicht um eine entsprechende Beschulungsmöglichkeit in der eigenen Kommune gekümmert hat, obwohl der Gemeinde Wachtberg dazu Optionen seitens der Bezirksregierung erstmals bereits vor zwei Jahren aufgezeigt wurden“. Swen Christian dazu: „Nachdem die nicht ausreichende Anzahl an Plätzen an der THR thematisiert wurde, haben seit dem Jahr 2024 mehrere Termine zwischen den Kommunen Wachtberg und Meckenheim stattgefunden. Darüber hinaus nahmen Vertreter beider Kommunen gemeinsam ein Beratungsgespräch bei der Bezirksregierung Köln wahr – unter Beteiligung der zuständigen Dezernenten für Haupt- und Realschulen.“
„Rechtlich nicht möglich“
Wachtberg verfüge derzeit über eine Hauptschule, an der ein der Realschule identischer Abschluss möglich ist. In Meckenheim und Bonn würden alle weiteren weiterführenden Schulformen angeboten. So stelle sich die aktuelle Situation dar. „Eine vollwertige Realschule als Zweig an der bestehenden Hauptschule in Wachtberg zu etablieren, ist rechtlich nicht möglich. Die Eröffnung einer Realschule in Wachtberg hätte die Schließung der Hauptschule zur Folge – ein massiver Eingriff in die bestehende Schullandschaft und eine Belastung der Gesamtschulen und der noch vorhandenen Hauptschulen“, so Christian, die Rechtslage sei eindeutig und bindend. Es gebe nach dem derzeit geltenden Schulgesetz NRW keine Möglichkeit, an der Hans-Dietrich-Genscher-Schule in Wachtberg einen Realschulzweig einzurichten.
„Die Bezirksregierung hat dies im Herbst 2025 erwartungsgemäß bestätigt. Vergleichbare Schulversuche – sogenannte Verbundschulen – sind bereits 2011 landesweit als gescheitert erklärt worden. Diese Rechtslage ist nicht das Ergebnis fehlenden Engagements der Gemeinde Wachtberg, sondern eine gesetzliche Tatsache, die Wachtberg schlicht nicht einseitig überwinden kann“, macht Swen Christian deutlich. Die Gemeinde habe dennoch gehandelt: „Sie hat die vom Rat einstimmig beschlossene Resolution zur Einrichtung eines Realschulzweiges an der Hans-Dietrich-Genscher-Schule gegenüber dem Land formuliert und damit den politischen Handlungsbedarf gegenüber dem Land deutlich gemacht. Dieser Weg wird auch konsequent weiterverfolgt.“
Rat hat Vereinbarung abgelehnt
Zur Forderung der Beschulungskosten sagt Christian: „Die Stadt Meckenheim hatte im Jahr 2024 angekündigt, die Beschulung Wachtberger Kinder durch eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung in Rechnung stellen zu wollen. Die Aussage der Stadt, es habe hierzu konkrete Absichtserklärungen der Gemeinde Wachtberg gegeben, ist unzutreffend. Tatsache ist, dass eine Prüfung in Aussicht gestellt und eine ablehnende Entscheidung des Rates dazu getroffen wurde. Selbst wenn finanzielle Mittel durch die Gemeinde Wachtberg hätten in Aussicht gestellt werden können, löst das die Herausforderung zu weniger Schulplätze an der THR Meckenheim nicht.“ Der neue Bildungsausschuss werde sich in seiner allerersten Sitzung der neuen Ratsperiode am 23. April konkret mit der Perspektive der Hans-Dietrich-Genscher-Schule befassen, so der Bürgermeister.
Treffen mit den Eltern
Unterdessen fordert der Meckenheimer CDU-Stadtverbandsvorsitzende Rainer Friedrich: „Wir müssen eine Lösung finden!“ Das Wichtigste sei, dass die Familien, die beim Losen den Kürzeren gezogen hätten, nicht ohne Angebot dastehen und ihre Fünftklässler auf weit entfernte Schulen schicken müssen, betont die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Sabrina Gutsche. Friedrich und Gutsche treffen sich heute Abend zu einem Gespräch mit der Wachtberger CDU-Fraktion. Am selben Tag sprechen die Stadtverwaltung und die Schulleitung in Meckenheim mit Eltern, deren Kinder eine Ablehnung erhalten haben.
