Viele Schwimmbäder haben massive Personalprobleme. Vor allem Fachpersonal fehlt. Teilweise müssen Bäder deshalb schließen.
Badegäste auf dem TrockenenPersonalmangel – Schwimmbäder in Rhein-Sieg verkürzen Öffnungszeiten

Wegen Personalmangel bleibt das Niederkasseler Helmut-Loos-Hallenbad erneut rund zwei Wochen lang für die Öffentlichkeit gesperrt.
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Es ist inzwischen keine Seltenheit mehr: Immer mehr Schwimmbäder im Rhein-Sieg-Kreis können nur einen eingeschränkten Service anbieten. Es herrscht fast überall Personalmangel, auch Rettungsschwimmer werden händeringeend gesucht, die für den Freibadbetrieb im Sommer unerlässlich sind.
Niederkassel: Badegäste sitzen bis April auf dem Trockenen
Schwimmerinnen und Schwimmer, die nicht am Schul- oder Vereinsschwimmen teilnehmen, bleiben im Niederkasseler Helmut-Loos-Hallenbad in den nächsten Wochen erneut auf dem Trockenen. Im Zeitraum vom 28. März bis zum 12. April wird das Bad für das sogenannte Öffentlichkeitsschwimmen geschlossen. Grund ist nach Angaben der Stadtverwaltung „fehlendes Fachpersonal“ – wieder mal.
„Wir können das Bad nur betreiben, wenn wir eine personelle Mindestausstattung haben“, sagt Markus Thüren, der Pressesprecher der Stadt. Angesichts des schon länger bestehenden Personalmangels sei das aber nicht immer möglich, etwa wenn die Mitarbeitenden krank oder im Urlaub seien. Wir versuchen in solchen Fällen dann zumindest das Schul- und Vereinsschwimmen zu ermöglichen. „Das Schwimmen für die Öffentlichkeit muss dann zeitweise entfallen“, so Thüren. Zwar versuche die Stadt seit geraumer Zeit immer wieder, Fachpersonal zu finden. Entsprechende Stellenausschreibungen seien aber kaum vom Erfolg gekrönt gewesen.
Troisdorf: Eine Stelle ist schon lange unbesetzt
Mit dem Herannahen der Freibadsaison beginnt die Suche nach Saisonkräften für die Verantwortlichen im Troisdorfer Aggua. Vor allem für die Badgastronomie und für die Kasse werde gesucht, teilte Geschäftsführerin Daniela Simon mit. Aber auch ausgebildete Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer seien willkommen. Versprochen wird die Arbeit in einem entspannten Team; in Aussicht gestellt werden aber auch freier Eintritt in Schwimmbad und Sauna sowie 50 Prozent Rabatt in der Gastronomie.

Das Aggua in Troisdorf sucht vor allem nach Saisonkräften für die Freibadsaison.
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„Wir hatten im vergangenen Jahr sehr gute Resonanz“, sagt Aggua-Geschäftsführerin Daniela Simon. Manche der damals gewonnenen Saisonkräfte wollten auch in diesem Sommer mitarbeiten. Deutlich enger ist der Markt bei den Fachangestellten für Bäderbetriebe. „Wir haben eine Stelle schon lange ausgeschrieben“, so Simon. Einen Azubi gibt es, ein weiterer wird gesucht.
Fachangestellte haben eine Ausbildung absolviert, die sie in technischen Belangen, Chemie und Kontrolle der Wasserqualität ebenso qualifiziert wie als Rettungsschwimmerin oder -schwimmer, für Schwimmkurse und in der Badverwaltung. In jeder Schicht muss eine solche Fachkraft als Teamleitung anwesend sein – sonst darf das Bad nicht öffnen.
Schließungen des Aggua habe es bislang nicht gegeben, sagt Daniela Simon. Aber: „Richtig kritisch“ seien Krankheitswellen. „Da muss man die Dienstpläne schon sehr gut aufstellen“. Die Mitglieder des Teams hätten Extraschichten übernommen, Aufgaben wurden umverteilt, um die Fachangestellten zu entlasten.
Ruppichteroth: Es gibt Probleme, den Betrieb aufrecht zu erhalten
Auch Ruppichteroth sei von Engpässen und häufiger Fluktuation im Schwimmbadbetrieb des Bröltalbads betroffen, erklärt Johanna Koch von der Personalabteilung der Gemeinde im Gespräch mit der Redaktion. „Wir haben teilweise Probleme, den Betrieb normal aufrechtzuerhalten und müssen auch mal halbe Tage schließen.“ Besonders schwierig sei es, wenn noch Krankheitswellen hinzukämen. „Wir behelfen uns durch kurzfristige Beschäftigungen, zum Beispiel studentische Hilfskräfte, aber das ist natürlich immer zeitlich begrenzt“, so Koch.
Bis vor kurzem sei eine stellvertretende Badleitung gesucht worden, die Stelle werde gerade besetzt. Aushilfen würden aber auch nach wie vor gesucht. Aktuell laufe eine Ausschreibung der Gemeinde für Aushilfskräfte bei den Garderoben, Kassen und im Reinigungsdienst. „Aber wir suchen auch Personen, die einen Rettungsschein haben als Wasseraufsicht und für Kursleitungen“, erklärt Koch.
Much: Auf die Ausschreibung einer Lehrstelle gab es keine Resonanz
„Es ist tatsächlich so, dass wir relativ gut aufgestellt sind“, gibt Birgit Hamann Auskunft, Sachbearbeiterin im Bauamt der Gemeinde Much und dort unter anderem zuständig für das kleine Hallenbad. Die online angekündigten Sonderöffnungszeiten für die Osterferien bedeuten eher sogar eine Ausweitung des Angebots. „Es ist ja in der Regel ein Lehrschwimmbecken“; Schulen und Vereine trainieren hier.
In den Ferien wird das Bad – mit Ausnahme des Osterwochenendes – zu Zeiten geöffnet, die sonst den Schulen vorbehalten sind: Zum Beispiel als Familienbad oder Spielebad. Aber auch an der Gemeinde Much geht das Thema Personalknappheit nicht spurlos vorbei, wie Birgit Hamann sagt. „Wir hätten gerne einen oder eine Auszubildende, damit wir wissen, dass es weitergeht“. Auf die entsprechende Ausschreibung habe sich aber niemand beworben.
Neunkirchen-Seelscheid: Drei Stellen sind im Aquarena ausgeschrieben
Auch die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid berichtet von Fachkräftemangel im Aquarena-Bad. „Der Personalmangel hat bisher keine dauerhaften Auswirkungen auf die Öffnungszeiten gehabt“, teilte Sprecherin Kristina Schik auf Anfrage mit. Gelegentlich seien „kurzfristige Anpassungen“ nötig. Auf die drei online ausgeschriebenen Positionen gebe es „laufend Bewerbungen“; es sei aber noch nicht gelungen, die Stellen zu besetzen.
Sankt Augustin: Rettungsschwimmer für den Freibadbetrieb werden gesucht
Probleme beim Stammpersonal gibt es in Sankt Augustin mit seinem großen Freibad nicht. „In den Bädern sind die Stellen im Bereich der Fachkräfte, Meister und Fachangestellte für Bäderbetriebe, alle besetzt“, teilt Claudia Oberdörfer vom Pressemat der Stadt mit. Für die diesjährige Freibadsaison würden aber noch Rettungsschwimmer gesucht.
Königswinter: Schließtage und verkürzte Öffnungszeiten sind selten
In Königswinter betreibt die Schwimmtreff GmbH das städtische Hallenbad, das erst 2021 für mehr als elf Millionen Euro neu gebaut worden ist. „Aktuell wird uns von Seiten des Betreibers kein personeller Engpass geschildert“, teilte die Sprecher der Stadt auf Anfrage mit. „Zwar gab es zwischenzeitlich kurzfristige, aufgrund von Krankheitsausfällen bedingte verkürzte Öffnungszeiten oder Schließtage, diese stellen jedoch eine Ausnahme dar."
Der Betreiber sei für die Personalakquise und Personaleinsatzplanung verantwortlich. „Die Stadt Königswinter stellt dem Betreiber für den Badebetrieb aktuell zwei städtische Mitarbeiter mit einer fachspezifischen Ausbildung zusätzlich zur Verfügung.“
Geschlossen bleibt auch in dieser Saison das Lemmerz-Freibad auf halber Höhe zum Drachenfels. Die Stadt will es für rund neun Millionen Euro komplett sanieren und modernisieren. Der Schwimmtreff ist unterdessen laut Homepage vom 30. März bis zum 12. April geschlossen - wegen „Revisionsarbeiten“.

