Drei Geschwister haben in Bad Münstereifel-Sasserath einen Garten mit Obst und Gemüse für Selbsternter angelegt. Die Kunden sind begeistert.
Market GardeningIn Bad Münstereifel-Sasserath ernten die Kunden Obst und Gemüse selbst

Zu den drei festen Ernteterminen am Dienstag, Donnerstag und Samstag kommen immer mehr Kunden nach Sasserath. Wer ein Ernteabo abschließt, darf zu jeder Zeit in den Garten.
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Gemüse und Salat aus dem eigenen Garten – frischer geht es eigentlich nicht. Zumindest, wenn man es mit den Produkten, die im Supermarkt verkauft werden, vergleicht. Gründe, warum es mit dem eigenen Anbau nicht klappt, gibt es einige: ein passender Garten beispielsweise oder aber die fehlende Zeit, zu säen und sich um die Aufzucht der Pflanzen zu kümmern. Drei Geschwister aus Sasserath haben darin ein Potenzial erkannt.
Max (29), Matthias (28) und Eva Hien (24) haben das Unternehmen Geco Sasserath gegründet, ein Haus an der Hochstraße samt Grundstück gekauft und darauf ein 2000 Quadratmeter großes Beet mit Gemüse und Salat angelegt. Das Konzept: Um die Aufzucht kümmern sich die Geschwister samt Helfern, darunter ihre Mutter und die Freundin von Max Hien, ernten müssen die Kunden selbst. Und das kommt gut an. „Wenn es nicht super wäre, wäre ich nicht hier“, sagt Alois Ohlert, der im Dorf lebt, und lacht.
Die Kunden können sich in Sasserath auch inspirieren lassen
„Hier im Garten ist alles vorhanden, was man benötigt“, sagt Barbara Düll Gregarek aus Ohlerath. Wie jeder Kunde hat sie ein Gartenmesser in der einen und einen Korb in der anderen Hand und macht sich auf die Suche. Salat will sie mitnehmen, Tomaten, Auberginen, Rote Bete und Gurken. Und wie fast jeder Kunde schaut sie auch einfach, was ihr sonst noch ins Auge fällt. Auf kleinen Holzschildern steht, um welches Gemüse und welchen Salat es sich handelt.
„Es ist einfach anregend, hier kann man auch Ideen sammeln“, sagt Düll Gregarek. Andrea Gassen aus Esch pflichtet ihr bei. Salat und Tomaten will sie auf jeden Fall ernten. Und dann? Lässt sie sich inspirieren. Über WhatsApp haben die beiden Frauen vom Selbsterntegarten gehört. „Was mir sehr wichtig ist: Hier werden keine Pestizide verwendet“, ergänzt Düll Gregarek. Matthias Hien erklärt: „Alles hier ist rein biologisch, aber nicht zertifiziert.“

Eva Hien hat einen Salatkopf geerntet.
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Matthias Hien schaut, ob die Tomaten reif sind.
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Ist begeistert vom Konzept: Barbara Düll Gregarek.
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Tomaten gibt es nicht nur klassisch in Rot, sondern auch in Schwarz.
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Schädlinge würden mit rein biologischen Mitteln bekämpft. Dass drei junge Menschen ein solches Projekt aus der Taufe heben, hat auch damit zu tun, wie sie aufgewachsen sind. Die Eltern der Geschwister sind promovierte Landtechniker, die nicht weit entfernt vom Garten leben. Einen eigenen Bauernhof hatte man zwar nicht. „Aber wir waren immer auf einem Bauernhof im Dorf“, sagt Matthias Hien.
Das Bewässerungssystem hat sich bezahlt gemacht
Die eigentliche Idee für den Selbsterntegarten hatte sein älterer Bruder Max, der im hessischen Witzenhausen Ökologische Landwirtschaft studiert hat. Eva studierte Forstwissenschaften, Matthias hat eher im digitalen Bereich gearbeitet. Im Studienort sowie in Sinsheim befasste sich Max Hien mit dem Gemüseanbau und lernte dort auch das Konzept des Market Gardenings kennen. Dabei handelt es sich um effizienten Gemüseanbau auf kleinster Fläche mit Direktverkauf.
Alles hier ist rein biologisch, aber nicht zertifiziert.
Der Anbau erfolgt in Handarbeit und mit einfachen Werkzeugen. So werden die Kosten gering gehalten. In Sasserath haben die Geschwister Hien ein umfangreiches Gemüseangebot. 80 Zentimeter breit sind die einzelnen Beetreihen. Im Februar haben die Geschwister alles aufgebaut. Die bisherige Grünland-Fläche wurde einmal umgegraben, Kompost aufgetragen, das Bewässerungssystem verlegt und Folientunnel errichtet. Gerade das Bewässerungssystem war in diesem Sommer entscheidend.
Jede Woche kommen neue Kunden hinzu
Denn während die Grünflächen am Ortsrand von Sasserath eher Gelb- oder Braunflächen geworden sind, sehen das Gemüse und der Salat so aus, dass man sofort ein Dressing machen möchte, um direkt loszuessen. Zum Reinbeißen eben. Und der Kompost wurde selbst mithilfe eines örtlichen Bauern erzeugt. Nur zum Start wurde ein Traktor verwendet, ansonsten bleibt man wie beim Market Gardening üblich bei der Handarbeit. Mitte Juni kamen dann die ersten Kunden. Zunächst nur ein paar. Aber das Angebot sprach sich schnell herum – ebenso wie die Qualität.
„Ich bin überrascht, wie gut das klappt. Jede Woche kommen neue Kunden hinzu“, freut sich Matthias Hien, dem weitere Selbsterntegarten im Kreis Euskirchen bisher nicht bekannt sind. An die frischen Pflanzen kann man auf zwei Arten kommen. Zum einen können Kunden zu den Erntestunden gekommen. Diese beginnen dienstags und donnerstags um 17 Uhr und samstags um 10 Uhr. Der Garten ist zu diesen Zeiten offen für alle. Anmelden muss man sich nicht.
Das Gemüse wird gewogen und bar bezahlt
Wer zum ersten Mal dabei ist, erhält eine kleine Führung. Ist man fertig mit der Ernte, wird das Gemüse gewogen und man bezahlt bar vor Ort. Mitbringen sollte man im Idealfall ein Messer (die man aber auch vor Ort leihen kann) und einen Korb und feste Schuhe. Ansonsten gilt: Jeder darf vorbeikommen. Eine weitere Möglichkeit ist das Ernteabo. Kunden bezahlen einen festen Betrag im Monat, können dann aber jederzeit ernten.
Drei Abostufen gibt es: Die für zehn Euro pro Woche ist eher für Alleinstehende gedacht, die alle ein oder zwei Wochen einen kleinen Korb ernten wollen. Die Abostufe für 42 Euro wöchentlich richtet sich an Familien mit zwei Kindern, die wöchentlich ernten. Wer in einem großen Haushalt lebt, zahlt 69 Euro pro Woche und darf mehrmals wöchentlich ernten kommen. Bezahlt wird natürlich nur für die Saison, die von Anfang Mai bis Ende Oktober geht. Im Winter pausiert das Abo.
Nicht nur Tomaten, auch Rote Bete sind beliebt
Klar ist den Geschwistern, das sie auch noch ein wenig Experimentieren können. Es ist schon so etwas wie ein Erprobungsjahr: Was läuft gut, was weniger? Doch die drei Hiens denken schon weiter. „Nächstes Jahr wollen wir auch Schnittblumen anbauen, Beeren, Obst, Kräuter und noch mehr Salat“, erklärt Matthias. Auch wenn der Kundenstamm stetig wächst, sind es noch deutlich zu wenig. 20 Männer und Frauen nutzen das Angebot schon regelmäßig, mindestens 100 wären besser, so die Geschwister.
Bei 1,5 Vollarbeitsstellen, die sich um den Garten kümmern, wären 150 Kunden der Idealfall. 600 der 2000 Quadratmeter Beetfläche liegen unter Folie. In den Gewächshäusern wachsen Tomaten in den unterschiedlichsten Farben, auch schwarze. Überhaupt sind die Tomaten aus dem Selbsterntegarten sehr beliebt – und auch Rote Bete, womit die Geschwister nicht unbedingt gerechnet hatten. Auch Melonen werden schon angebaut.
Wichtig ist den Dreien nicht nur das Angebot selbst, sondern auch das, was bei den Kunden entsteht: ein Zusammengehörigkeitsgefühl, oder wie man es heute nennt: eine Community. „Uns geht es nicht nur ums Produzieren, sondern auch um das Menschliche“, sagt Matthias Hien. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite des Unternehmens.
