In mehr als 60 Ortschaften in den Kommunen Hellenthal, Dahlem, Kall und Schleiden gilt weiterhin ein Abkochgebot wegen Enterokokken.
Hellenthal, Dahlem, Schleiden, KallWas bislang zur Trinkwasser-Verunreinigung bekannt ist

Der Hochbehälter in Giescheid fasst rund 2500 Kubikmeter Trinkwasser und gehört zu den größten Anlagen des Wasserverbands Oleftal.
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Für rund 10.000 Bürgerinnen und Bürger aus den Gemeinden Hellenthal, Dahlem und Kall sowie der Stadt Schleiden gilt seit Mittwoch ein Abkochgebot für Trinkwasser. Der Wasserverband Oleftal hatte bei einer Routinekontrolle des Trinkwassers im Hochbehälter Giescheid (Gemeinde Hellenthal) eine Belastung mit Enterokokken festgestellt. Das Abkochgebot gilt für alle Haushalte, die aus dem Hochbehälter Giescheid versorgt werden. Die Liste der Orte, die insgesamt 63 Einträge umfasst, kann auch über die Internetseite der Euskirchener Kreisverwaltung abgerufen werden.
Im Folgenden gehen wir den wichtigsten Fragen rund um die Trinkwasserverunreinigung nach.
Woher stammt die Verunreinigung?
Ralf Stollenwerk, Betriebsleiter des Wasserverbands Oleftal, der den rund 2500 Kubikmeter Trinkwasser fassenden Hochbehälter in Giescheid betreibt, ist ratlos: „Aktuell haben wir noch keinerlei Erkenntnisse darüber, wie es zu der Verunreinigung gekommen ist.“ Es habe in letzter Zeit keine Baumaßnahmen und keinen Rohrbruch gegeben, wodurch es zum Eintrag der Enterokokken gekommen sein könnte. „Das macht es tatsächlich schwierig, die Ursache zu finden. Wir tappen da noch im Dunkeln.“
Festgestellt worden sei die Belastung bei der monatlich stattfindenden Routinekontrolle durch das Gesundheitsamt. Von dort kam dann am Donnerstag die Mitteilung, dass der Keim definitiv „fäkalen Ursprungs“ sei. Problematisch, so Stollenwerk, sei natürlich die Größe des Hochbehälters: „Anders als im vergangenen Jahr in Tondorf, wo ebenfalls eine Verunreinigung mit Enterokokken festgestellt wurde, werden von Giescheid aus mehr als 60 Orte in vier Kommunen mit Trinkwasser versorgt.“
Was tun Gesundheitsamt und der Wasserversorger?
Das Gesundheitsamt hat am Donnerstag die Chlorung des Trinkwassers angeordnet. „Das ist eine desinfizierende Maßnahme“, erklärt Stollenwerk: „Ansonsten können wir aktuell nicht viel mehr machen, als weitere Proben zu nehmen.“ Die Ergebnisse der ersten Nachbeprobung werden für Freitag erwartet. „Das Abkochgebot bleibt aber so lange bestehen, bis wir an drei aufeinanderfolgenden Tagen unauffällige Testergebnisse haben“, informiert Corinna Lawlor von der Pressestelle der Kreisverwaltung in Euskirchen. Das bedeutet, dass die Menschen in den betroffenen Ortschaften vermutlich auch über das Wochenende ihr Trinkwasser weiterhin abkochen müssen.
Aktuelle Infos erteilt auch der Wasserverband Oleftal.
Für welche Verwendungen muss das Trinkwasser abgekocht werden?
Das Gesundheitsamt empfiehlt, Leitungswasser nur abgekocht zu trinken: „Lassen Sie das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen und dann langsam über mindestens zehn Minuten abkühlen.“ Die Verwendung eines Wasserkochers sei dafür aus praktischen Gründen zu empfehlen. „Nehmen Sie für die Zubereitung von Nahrung, zum Zähneputzen und zum Reinigen offener Wunden ausschließlich abgekochtes Leitungswasser“, heißt es in der Empfehlung weiter. Für die Toilettenspülung und andere Zwecke könne das Wasser ohne Einschränkungen genutzt werden.

Im Hellenthaler Wasserwerk an der Oleftalsperre wird das Trinkwasser aufbereitet, bevor es zum Hochbehälter gepumpt wird.
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Viele Menschen aus den betroffenen Ortschaften deckten sich noch vor Geschäftsschluss am Mittwoch mit Mineralwasser aus dem Supermarkt ein. Vor allem bei den Discountern, zum Beispiel in Hellenthal und Blumenthal, setzte ein Run auf günstiges Flaschenwasser ein. „Die Vorräte sind aber noch nicht erschöpft“, sagte ein Marktleiter am Donnerstag. Ein Kollege aus einem anderen Markt hoffte zum gleichen Zeitpunkt jedoch schon auf eine Nachschublieferung.
Welche Gefahren bestehen durch Enterokokken im Trinkwasser?
Enterokokken sind kugelförmige Bakterien, die zur natürlichen Darmflora von Mensch und Tier gehören und wichtige Aufgaben bei der Verdauung erfüllen. Sie sind jedoch sogenannte fakultative Krankheitserreger: Gelangen sie in andere Körperregionen (zum Beispiel die Harnwege) oder infizieren sie Personen mit geschwächtem Immunsystem, können sie schwere Infektionen, etwa Entzündungen der Herzinnenhaut, auslösen.
Wie lief die Information der betroffenen Bürgerinnen und Bürger?
Der Kreis Euskirchen informierte die Bevölkerung in den betroffenen Kommunen im Südkreis am Mittwochabend über die Warnapps Nina und Katwarn. Während man in Kall, Schleiden und Dahlem ebenfalls vollständig auf digitale Kommunikationswege (Infos in den Bürger-Apps, über Social Media und die Websites der Verwaltungen) setzte, um die Bevölkerung zu informieren, wurde in der Gemeinde Hellenthal die Freiwillige Feuerwehr beauftragt, Lautsprecherdurchsagen in den Orten zu machen.
„Uns war es wichtig, auch ältere Mitbürger, die nicht ständig ein Smartphone nutzen, schnell und verlässlich zu erreichen“, betonte Bürgermeister Martin Berners: „Gefahrenabwehr ist unsere Aufgabe, daher habe ich mich für den Einsatz der Feuerwehr entschieden.“
Betroffen vom Abkochgebot sind nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen, die sich in der Region aufhalten. „Wir haben unsere Gäste mit Flyern und Aushängen informiert“, sagte Pieter Vos vom Eifelpark am Kronenburger See: „Freitag ist großer Anreisetag, da werden wir alle ankommenden Gäste außerdem persönlich ansprechen.“
Bislang sei das Verständnis bei den meist niederländischen Gästen groß, so Vos weiter: „Die Ursache liegt ja nicht bei uns. Wir hoffen trotzdem alle, dass das Abkochgebot bald aufgehoben wird.“
Wasser stammt aus Oleftalsperre
Der Wasserverband Oleftal betreibt mehrere Wassergewinnungsanlagen, um insgesamt knapp 70.000 Bürger in der Region mit Trinkwasser zu versorgen.
Das gesamte Gebiet der Gemeinde Hellenthal und der Stadt Schleiden sowie Teilbereiche der Gemeinden Kall und Dahlem sowie die Orte Einruhr (Gemeinde Simmerath) und Kalenberg (Stadt Mechernich) werden mit Wasser aus der Oleftalsperre beliefert.
Dieses Wasser wird zunächst im Wasserwerk in Hellenthal aufbereitet, bevor es über eine rund acht Kilometer lange Leitung in den Hochbehälter nach Giescheid gepumpt wird. „Insgesamt betreiben wir rund 60 solcher Hochbehälter. Der in Giescheid gehört mit einem Fassungsvermögen von rund 2500 Kubikmetern zu den größten“, so Betriebsleiter Ralf Stollenwerk. Die Verunreinigung sei erst in Giescheid festgestellt worden. „Das Wasser in Hellenthal ist unbelastet.“
