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Schäden durch Sturm und BorkenkäferBad Münstereifeler Wald wirft weniger Gewinn ab

8 min
Das Luftbild einer Drohne zeigt eine Waldfläche bei Arloff mit Blick in Richtung Bad Münstereifel.

Windwürfe im Jahr 2017, dazu noch die Borkenkäfer ein Jahr später: Der Bad Münstereifeler Forst weist auch kahle Stellen auf.

Im Bad Münstereifeler Forst gibt es riesige Schadensflächen. Nach den Fichten bereiten jetzt die Buchenbestände Probleme.

Als Stefan Lott, Büroleiter des Forstbetriebs Bad Münstereifel, vor 23 Jahren seinen Dienst bei der Stadt Bad Münstereifel angetreten hat, hat er an einigen Stellen „einen Märchenwald“ vorgefunden. Doch wie in jedem Märchen gibt es Ungemach – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Eine Mischung aus Klimawandel, Orkanböen und Stürmen sowie die Borkenkäferplage haben dem Forst in Bad Münstereifel arg zugesetzt. Daran, dass es ein Happy End gibt, arbeiten Lott und seine beiden Förster-Kollegen.

Der Wald glich vielerorts einem Industriekomplex. Mit Riesenmaschinen wurden die Bäume rausgeholt. Ich hatte Tränen in den Augen.
Stefan Lott, Büroleiter des Forstbetriebes Bad Münstereifel

Viele Jahre war der Wald „die Sparkasse der Stadt“, wie Lott es ausdrückt. Die Holzverkäufe brachten große Erlöse, mit denen im Endeffekt so mancher städtische Haushalt konsolidiert wurde. 600.000 bis 800.000 Euro jährlich hat der Forst damals eingebracht. Auch Bürgermeister Sebastian Glatzel (SPD) kann sich noch an die goldenen Jahre erinnern. 1999, zu Beginn seiner politischen Laufbahn, habe er als Jungspund zwischen lauter Grünröcken als sachkundiger Bürger im Forstausschuss gesessen. Damals seien Erlöse in Höhe von einer Million D-Mark jedes Jahr erzielt worden.

Förster rechnet mit geringeren Erlösen aus dem Holzverkauf

Doch innerhalb der vergangenen acht Jahre ist einiges passiert. Windwürfe im Jahr 2017, dazu noch die Borkenkäfer ein Jahr später. Einige der größten Fichtenkomplexe im Bad Münstereifeler Forst sind laut Lott in den vergangenen acht Jahren verloren gegangen. „Der Wald glich vielerorts einem Industriekomplex. Mit Riesenmaschinen wurden die Bäume rausgeholt. Ich hatte Tränen in den Augen“, sagt Lott. Das Holz wurde natürlich verkauft, erzielte aber viel niedrigere Erlöse, denn es gab ein Überangebot. Für die nahe Zukunft rechnet Lott, dass jährlich 400.000 Euro weniger Einnahmen aus dem Holzverkauf erzielt werden.

Die Karte zeigt sehr viel rot dargestellte Kalamitätsflächen im Bad Münstereifel Forst.

Die roten Flächen in dieser Karte des Landwirtschaftsministeriums NRW zeigen die Kalamitäten im Forst von Bad Münstereifel an.

Geändert haben sich auch die Anforderungen an einen Wald. Eine hohe Industrienachfrage nach Holz gibt es immer noch. Aber Wälder werden so umgebaut, dass sie nach der Kalamität wieder möglichst schnell und nachhaltig CO2 aufnehmen und speichern können. Bis 2040 will die Bundesregierung den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß um mindestens 88 Prozent reduzieren. 2045 soll eine Klimaneutralität erreicht sein.

Statt auf die Fichte, setzt man in Bad Münstereifel mittlerweile vermehrt auf die Eiche, kombiniert mit einer Mischung aus Ahorn, Linde, Ulme, Hainbuche, Rotbuche und Kirsche. Dazu kommen Kiefern, Douglasien, Fichten, Birken und Lärchen, die sich selbst aussäen. Zuletzt hat das Land den Anbau von Eichen mit knapp 130.000 Euro gefördert (siehe: „Fördermittel vom Land NRW“). Doch die Kosten für eine Kultur sind dreimal so hoch wie die Förderung. Ob die Situation im Forst durch die Maßnahmen wirklich besser wird, kann Lott nur ahnen: „Wir können nur das tun, von dem wir denken, dass es richtig ist. So haben es meine Vorgänger auch gemacht.“

„Der Geldbaum Fichte schien stabil, aber der Klimawandel war schneller“

Eines ist im Forst ebenfalls anders als in anderen Projekten: Man muss Geduld mitbringen. „Man pflanzt etwas in der Hoffnung, dass man in 120 Jahren was damit anfangen kann“, sagt Sebastian Glatzel, erinnert aber auch daran: „Der Geldbaum Fichte schien stabil, aber der Klimawandel war schneller.“ Und während man bei städtischen Baumaßnahmen Fördermittel direkt investiert, sieht das im Wald anders aus. Das Geld wird für zehn Jahre zurückgelegt. Alles andere sei zu riskant, da bei Nichtgelingen die mögliche Rückgabe der Fördermittel drohe, so Lott.

Mit Tümpeln fängt die Stadt Bad Münstereifel Wasser aus dem Wald auf, das sonst in Richtung Arloff fließen würde.

Diese Tümpel im Wald dienen dem Hochwasserschutz.

Stefan Lott, einer von drei Bad Münstereifeler Förstern, mit einer rund 15 Jahre alten Eiche, die vorbildlich gewachsen ist.

Eine 15 Jahre alte Eiche hält Stefan Lott fest.

Dass der Forstbetrieb nun weniger Geld ausgeben soll (siehe: „Forstbetrieb muss 100.000 Euro sparen“), sieht dessen Leiter, der Bürgermeister, kritisch. Zuletzt seien zwei Hektar mit 5000 Eichen aufgeforstet worden. „Das macht man von Hand“, so Glatzel. Würde man nun die Mittel dafür streichen, dann würden die Arbeiten nicht durchgeführt. „Das sammelt sich über die Jahre an und man wird das in 10 oder 20 Jahren schmerzlich merken.“ Kurzfristigkeit, ergänzt Stefan Lott, sei der falsche Ansatz. „Ein Förster guckt in die Zukunft.“

Nach der Fichte macht jetzt die nächste Baumart Probleme: die Buche. Die wurde lange von der Fichte geschützt, doch die Buchen sind nun der prallen Sonne ausgesetzt und bekommen Sonnenbrand. „Die Buche mit ihrer feinen Rinde braucht einen Rundum-Schutz. Es gab hier eine über Jahrzehnte gewachsene Gemeinschaft“, erklärt Lott und erwähnt diesbezüglich noch die Kiefer. „Die Buche war vor 20 Jahren die Baumart der Baumarten“, sagt der Förster.

Einen „Märchenwald“ hat Bad Münstereifel noch zu bieten

Zur Stabilisierung des Waldes gehören auch die Schaffung von Lichträumen und das Schlagen der beschädigten Bäume. „Für die Bevölkerung sieht das immer nach Waldvernichtung aus. Für uns Förster ist das studiertes und gelerntes Fachwissen“, sagt Lott. Das gehe nur per Handeinschlag, nicht mit einem Harvester.

In Richtung Steinbachtalsperre befindet sich dann der „Märchenwald“, wie Lott es nennt, eine geschlossene Waldfläche aus groß gewachsenen, 200 Jahre alten Eichen. Doch die bereitete ihm zu Beginn seiner Laufbahn ein Problem. Er musste dem Märchenwald zu Leibe rücken, obwohl man „einen fertigen Eichenwald eigentlich nur schützen will“. Doch es war zu wenig Licht vorhanden.

Es kann zu der Erkenntnis führen, dass Bad Münstereifel keine geeigneten Flächen für Windräder hat.
Sebastian Glatzel, Bürgermeister Bad Münstereifel

Abgestorbene Bäume wurden abgeholzt, eine Verjüngung stand an. Um das Naturerbe zu erhalten, hat man rund um den Prototyp einer Eiche, einem besonders gerade gewachsenen Exemplar, Samen geerntet, an eine Baumschule übergeben und nach dem Rückkauf die Zöglinge gesetzt. Im Idealfall entstehen so neue Prototypen. Die Eingriffe kann erneut keine Maschine übernehmen. Für Lott ist klar: „Wir werden den Märchenwald wiederherstellen.“

Bürgermeister wünscht sich Hoheit über die Windkraft-Planungen

Auch für den Förster ist ein Wald nicht nur ein Sehnsuchtsort, er ist auch eine Einnahmequelle. „Wir müssen mit dem Wald wirtschaften“, beschreibt er die Anforderungen. Doch weil der Klimawandel die Einnahmen durch den Holzeinschlag verringert hat, benötigt man Alternativen. Eingeplant sind Erlöse aus der Windenergie. Windräder sollen auf Kalamitätsflächen angesiedelt werden. Bislang sind in Bad Münstereifel, genauer bei Nöthen, nur zwei Ansiedlungen verpachtet. Bei Rheinbach ist ein Windpark geplant, der Bad Münstereifeler Gebiet streift.

Wo mögliche Windräder gebaut werden dürfen, bestimmt der Regionalplan. „Schön wäre es, wenn die Entscheidung bei der Stadt liegen würde“, sagt Bürgermeister Sebastian Glatzel. Einige der Flächen seien den Bürgern schwer vermittelbar, weil sie die schöne Landschaft stören, und stießen auf Widerstand. Solche Bürgereingaben bezeichnet Glatzel als wichtig. Bei Sasserath hatte eine derartige Eingabe zuletzt Erfolg, weil die Flächen zu nah an der Wohnbebauung lagen. Richtige Areale zu finden, sei schwierig. „Es kann zu der Erkenntnis führen, dass Bad Münstereifel keine geeigneten Flächen für Windräder hat“, so Glatzel.

Dass Windräder für den Klimawandel wichtig sind, bringt Stefan Lott zum Ausdruck: „Wenige Windräder kompensieren den Effekt eines Waldes.“ Um die CO2-Bilanz zu optimieren, müssten dringend welche gebaut werden. Grundsätzlich seien für den Bau von Windrädern in den Bad Münstereifeler Wäldern gute Wege vorhanden. Anders, als in der Bevölkerung kolportiert, müssten keine Schneisen, breit wie Autobahntrassen, in den Wald geschlagen werden. Nur aus Kurvenbereichen müssten vereinzelt Bäume umgesiedelt werden. Stefan Lott hat für die Kritiker stets ein offenes Ohr: „Als Förster bin ich immer zu sachlichen Diskussionen bereit.“

Wald übernimmt wichtige Rolle für den Hochwasserschutz

Eine weitere Funktion hat der Wald aber auch: Er spielt eine wichtige Rolle beim Hochwasserschutz. Als Förster kann man den Wald bei der Aufnahme von Wasser unterstützen. Wasser folgt den physikalischen Regeln und fließt aus Hanglagen ins Tal. So gelangt es eben auch in tiefer gelegene Ortschaften. Das ist beispielsweise oberhalb von Arloff der Fall.

Damit Wasser nicht ungebremst in Richtung Arloff fließt, hilft man in Bad Münstereifel nun nach. So wurden unterhalb von Wegen Rohre verlegt, die in neu angelegte Wassertümpel führen. „So kommt man schnell auf 100.000 Liter Wasserrückhaltung“, beschreibt es Lott. Das Wasser verbleibt dann im Wald, wo es gebraucht wird und sich von Tümpeln aus in die umliegenden Bereiche verteilt. Und dann sagt Lott noch etwas, das man als Büromensch kaum verstehen kann: „Als Förster bin ich auch gerne im strömenden Regen im Wald, um zu sehen, wie das Wasser läuft.“


Forstbetrieb Bad Münstereifel muss 100.000 Euro sparen

Der Forstbetrieb der Stadt Bad Münstereifel soll 100.000 Euro einsparen und selbst entscheiden, wie er das anstellt. Das hat nach dem Votum im Forstausschuss auch der Stadtrat mehrheitlich mit den Stimmen von CDU und AfD beschlossen, SPD und Grüne votierten dagegen, UWV und FDP enthielten sich.

„Der Wald ist keine Kostenstelle, und ein pauschaler Kürzungsauftrag ist eine schlechte Idee. Der Rat entzieht sich seiner Verantwortung“, sagte Tenzin Naktsang (SPD). Es müsse stattdessen offen gesagt werden, wo Kosten reduziert werden sollen.

CDU-Mitglied Ludger Müller fand, dass sich der Rat nicht über das mehrheitliche Votum des Forstausschusses hinwegsetzen solle. Außerdem sagte er: „Hier wird auf die Tränendrüse gedrückt. Von den 100.000 Euro könnten 80.000 Euro aus der Personalplanung stammen.“ Der Forstbetrieb habe im vergangenen Jahr schon 250.000 Euro eingespart. „Dann ist es kein Problem, noch mal 100.000 Euro einzusparen“, so Müller.

Bürgermeister Sebastian Glatzel (l.) und Stefan Lott, Büroleiter des städtischen Forstbetriebs, zeigen vor einer Waldfläche eine Urkunde des Landes NRW.

Über den Förderbescheid freuten sich Bürgermeister Sebastian Glatzel (l.) und Förster Stefan Lott.

Im Forstausschuss, so sagte es Michael Braun (SPD), habe Horst Dürholt als sachkundiger Bürger für die CDU ausgeführt, dass man im Bereich Verjüngungen sparen könne. Forstbetriebs-Büroleiter Stefan Lott, so Braun weiter, habe dem aber widersprochen, weil die Bereiche, in denen man jetzt spare, hinterher nur teurer würden.

Einfach aus der Hüfte könne man die 100.000 Euro nicht einsparen, entgegnete Lott. Nach einer intensiven Beratung werde man im Forstausschuss im März Vorschläge machen. 


Fördermittel vom Land NRW

Mit einer Fördersumme von 128.280 Euro unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen die Anpflanzung von Eichen im Bad Münstereifeler Forst. Die Stadt hatte entsprechende Mittel im Rahmen der „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen extremer Wetterereignisse im Privat- und Körperschaftswald in Nordrhein-Westfalen“ beantragt. Auf 27 Prozent der Fläche, die der Forstbetrieb bewirtschaftet, spielt die Eiche inzwischen eine große Rolle.