Nettersheim – „Die Jury ist gleichermaßen von der eigenständigen Gestaltung des Gebäudes wie von dem massiven Einsatz des Baustoffes Holz beeindruckt, der nicht nur konstruktiv, sondern auch als dekoratives Innenmaterial Verwendung findet“, las Joachim Seinecke vor. Was vom Jury-Vorsitzenden so hoch gelobt wurde, ist das Einfamilienhaus des Architekten Michael Danke in Gehn. Für diesen Bau erhielt er den „Holzbaupreis Eifel“, den das Holzkompetenzzentrum Rheinland, das Holzbau-Cluster Rheinland-Pfalz und das Kompetenzzentrum Holz Ostbelgien im vergangenen Jahr ausgelobt hatten.
Damit hatte die siebenköpfige Jury Dankes Arbeit unter 31 Einsendungen zum Sieger gekürt. Den Preis konnte der Architekt nun im Holzkompetenzzentrum Rheinland in Nettersheim entgegennehmen.
In zwei Tagen aufgebaut
Auch gefiel der Jury die „klare Konstruktion in Form zweier verbundener Raummodule“. Beeindruckt zeigte sie sich ebenfalls von den Ausblicken in den Innenräumen, die den Himmelsrichtungen zugeordnet sind. Dabei betonte die Jury in ihrer Urteilsbegründung den Ausblick in den Garten, der „durch die rahmenlose Glasfassung die Natur wie einen Bildausschnitt darstellt“.
Das Haus bewohnt Danke mit seiner Frau Ulrike Danke-Sanders. „Wir haben 22 Tonnen Holz verbaut“, erklärte der Holzpreis-Sieger, der seine Büros in Mechernich und Berlin betreibt. Innerhalb von zwei Tagen sei sein Haus aufgebaut gewesen. „Der Vorteil ist, dass das Material trocken ist und man direkt weiterbauen kann“, so Danke. Eine der zahlreichen Besonderheiten ist der Zusammenbau der Holzelemente ohne Leim. Die Bohlen wurden aus Weißtanne gefertigt, die Dübel aus Buchenholz. Aufgrund der unterschiedlichen Ausdehnungseigenschaften der Holzarten war der Einsatz von Leim unnötig.
Ein weiterer Vorteil laut Michael Danke: „Das Haus besteht nur aus einem einzigen Stoff. Man kann deshalb keine Fehler machen mit den Maßen.“ Natürlich ist das Haus auch energieeffizient. Obwohl es keine spezielle Dämmung besitzt, braucht es rund 240 Stunden, bis es ausgekühlt ist. „Wir bezahlen für die Heizung 35 Euro im Monat“, so Danke. Auch die Einrichtung hat der Architekt eigens für das Haus entworfen.
Den zweiten Preis sprach die Jury dem Dürener Architekten-Büro „Amunt“ zu. „Als ich den Wettbewerbs-Beitrag zum ersten Mal gesehen habe, habe ich gestutzt“, gab Seinecke zu. Beim Bau handelt es sich um eine Kombination aus Friedhofs- und Café-Pavillon, der in Düren steht. Unter anderem beeindruckten die Jury die Raumformen, die dem Pavillon einen hohen Aufenthaltswert geben. „Man sieht, dass man mit Holz nicht immer rechteckig bauen muss, es gibt auch Bögelchen“, so Seinecke.
Auch sprach die Jury zwei Anerkennungen aus. Die erste wurde den „Archau Architekten“ aus Malmedy zuteil für die Erweiterung eines Hotels im belgischen Stavelot. Eine weitere erhielte das Büro „AXT Architekten“ aus Trier für eine Lagerhalle in Weidingen, die der Präsentation und Lagerung von Kunstobjekten dient.
Zum zweiten Mal war der Preis ausgelobt worden. „Vor vielen Jahren hat man gedacht, viel mehr als ein Dachstuhl aus Holz sei nicht möglich“, so Seinecke. Doch neue Methoden eröffneten neue Bauweisen. Er erinnerte sich an sein Studium Anfang der 70er Jahre: „Da haben wir in Beton geschwelgt. Wir dachten, das sei der Baustoff, mit dem wir zukünftig alles machen werden.“ Der „Holzbaupreis Eifel“ soll der Förderung und Innovation im Holzbauwesen dienen. Er soll aufmerksam machen auf die Vielfalt und Leistungsfähigkeit des Bauens mit Holz, so die Auslober des Wettbewerbs. Gerade die Eifel spiele für die Holzindustrie eine große Rolle. Denn dort gebe es leistungsstarke Unternehmen in der Kette des Holzproduktion. Kommunen und Brancheneinrichtungen verfolgten das Ziel, die heimische Forst- und Holzwirtschaft zu fördern.
Auch in diesem Jahr wird der Holzbaupreis ausgelobt. Einsendeschluss ist der 31. Juli. Weitere Informationen im Internet.
