Energie sparenSo setzt der Kreis Euskirchen die neuen Regeln der Bundesregierung um

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Angestrahlte Gebäude – hier das Zülpicher Rathaus – wird es im Kreis Euskirchen immer weniger geben.

Kreis Euskirchen – Seit Anfang des Monats müssen die Kommunen Energie sparen. Grundlage dafür ist eine Verordnung der Bundesregierung, die den Namen Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung trägt, oder kurz: Ensikumav.

Auch der Kreis setze die Verordnung in den öffentlichen Gebäuden um, teilt Sprecher Sven Gnädig mit. Flure in den Kreisgebäuden blieben unbeheizt, die restlichen Räume würden maximal auf 19 Grad gewärmt. Weiter plane die Verwaltung, Durchgangstüren geschlossen zu halten, elektronische Türschließer zu installieren und Durchlauferhitzer zu prüfen.

Bad Münstereifel

„Die Stadt Bad Münstereifel hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die neben den Vorgaben aus der aktuellen Bundesverordnung weitere Einsparmöglichkeiten im Einflussbereich der Stadtverwaltung prüft“, erklärt Theresa Gerhards von der Verwaltung. Eingehalten werde je nach Art der Beschäftigung in Arbeitsräumen eine Temperatur von 19, 18, 16 oder 12 Grad.

Sowohl die Straßenbeleuchtung als auch die Beckentemperaturen im Eifelbad würden auf Sparpotenziale geprüft. Im Winter sei es möglich, dass das Außenbecken geschlossen und die Weihnachtsbeleuchtung an städtischen Gebäuden reduziert werde.

Die Haustechniker in den öffentlichen Gebäuden stellen Gerhards zufolge Abschaltzeiten sowie Nachtabsenkungen an den Heizungen ein. Thermostate sollen auf den Fluren die Temperatur regeln. Außerdem wolle die Stadt Klimapaten in städtischen Schulen einführen.

Louisa Scory vom City-Outlet-Marketing weist darauf hin, dass die Schaufenster im Outlet ohnehin von 23 bis 6 Uhr unbeleuchtet seien. „Zusätzlich werden die Werbeanlagen der Stores nur noch von 16 bis 22 angeschaltet.“

Blankenheim

Die Gemeinde Blankenheim habe bereits vor der Krise erste Schritte unternommen, erklärt Pressesprecherin Michelle Karschat: „Jetzt kommen hier natürlich weitere Maßnahmen dazu, unter anderem wurden Heizungsanlagen teilweise komplett abgeschaltet und werden in den nächsten Tagen und Wochen neu eingestellt.“ Die Raumtemperaturen entsprechen ihr zufolge bereits den neuen Vorgaben.

Seit 2011 seien Straßenlaternen schrittweise mit LED ausgestattet worden, so die Sprecherin: „Zusätzlich zur Umrüstung werden die Lampen im Zeitraum von zirka 22 bis 4 Uhr auf 50 Prozent abgedimmt.“

Gänzlich abgeschaltet dagegen wurden laut Karschat die Beleuchtungen an der Burg, an der Römervilla sowie an den Kreisverkehren in der Rhenn und in der Bahnhofsstraße.

Aktuell prüfe ein Techniker weitere Sparpotenziale. Daraus wolle man zusätzliche Maßnahmen entwickeln. Angedacht sei etwa, in LED und Bewegungsmelder zu investieren. Auch umgerüstete Heizungsanlagen sowie Photovoltaikanlagen seien geplant. Ein Energiemanager solle zudem energieeffiziente Gebäudekonzepte entwickeln.

Dahlem

In Dahlem liegt laut Bürgermeister Jan Lembach die Beheizung öffentlicher Gebäude bereits unter den neuen Anforderungen. Lembach: „Durch den warmen Sommer hat es ohnehin Einsparungen beim Heizen gegeben.“

Bereits seit mehreren Jahren arbeite die Gemeinde an der Umstellung auf alternative Energien, sagt er: „Bei jeder Sanierung wird geprüft, ob auf fossile Brennstoffe verzichtet werden kann. Im sanierten Dorfgemeinschaftshaus mit dem neuen Feuerwehrhaus in Kronenburg ist daher bereits eine neue Pellet-Heizung eingebaut.“

Seit etwa zehn Jahren würden in Dahlemer Straßenlampen energiesparende Leuchtmittel eingesetzt und die Leuchtstärke nachts reduziert. Nicht mehr angestrahlt werde in Kronenburg die Burgruine und in Dahlem die Kirche.

Lembach appelliert aber auch an die Bürger: „Die rund 42 Millionen Haushalte in Deutschland können viel mehr einsparen als die nur rund 11.000 Städte und Gemeinden in Deutschland.“

Euskirchen

Sprecher Tim Nolden fasst sich kurz: „Alle gesetzlichen Vorgaben werden eingehalten. Konkretes befindet sich aber noch in der politischen Abstimmung. Wir bitten um Verständnis, dass wir diesen Prozess noch abwarten.“

Hellenthal

Bürgermeister Rudolf Westerburg kündigt an, dass die Räume im Rathaus und in den Schulen „im Rahmen der Vorgaben und Empfehlungen“ beheizt würden. Viele der neuen Vorgaben halte die Gemeinde bereits ein: „Die Straßenbeleuchtung wird in Hellenthal nicht verändert. Wir schalten schon seit fast 40 Jahren um 24 Uhr sämtliche Straßenbeleuchtung bis zum nächsten Morgen um 5.30 Uhr ab.“

Baudenkmäler würden seit dem 1. September gar nicht mehr angestrahlt. Die Belastung der Bürger wolle er gering halten: „Zahlreiche Verbraucher sparen jetzt schon mit Angst auf die erwarteten horrenden Nebenkostenabrechnungen.“

Heimbach

Bürgermeister Jochen Weiler: „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden für ressourcenschonendes Handeln sensibilisiert. Das betrifft die unterschiedlichsten Bereiche wie Stoßlüften und natürlich das Beheizen der Büroräume.“

Wie etwa Türen in Läden geschlossen würden, liegt seines Erachtens nach in der Verantwortung der Betreiber. Auch ansonsten hält sich die Stadt mit Änderungen zurück. „Nach unserem Kenntnisstand dürfen Schaufenster auch nachts weiter beleuchtet sein. Das erfüllt in der Nacht auch eine Art Schutzfunktion“, so Weiler.

„Die Straßenbeleuchtung bleibt aufgrund der Verkehrssicherungspflichten in Betrieb. Unsere Straßenbeleuchtung ist jedoch bereits zu zirka 90 Prozent auf LED umgestellt worden.“

Ausgeschaltet werde nachts das Licht im Außenbereich der Burg Hengebach. „Auch die Beleuchtung der Skulpturen auf unserem Kreisverkehr wird zurzeit nicht weiter betrieben“, so Weiler.

In der Grundschule sei bereits eine Erdwärmepumpe installiert worden, das sei auch im Freibad geplant.

Kall

Markus Auel, Teamleiter vom Städtebau Kall, erklärt, dass auch im Kaller Rathaus die 19-Grad-Marke eingehalten werde. Über Einsparmaßnahmen bei den An- und Abschaltzeiten der Straßenbeleuchtung werde auch nachgedacht. „Allerdings“, so Auel „spielt auch hier der Sicherheitsaspekt eine Rolle“.

Ein Sicherheitsdienst werde sich um die Einhaltung der Maßnahmen kümmern. „Aber das gesamte Paket können wir nur zusammen schnüren“, sagt Auel. Im Endeffekt müssten alle an einem Strang ziehen: Verbraucher, Politik und Industrie. „Aber wir versuchen aktiv auf die Bürger zuzugehen“, so Auel. Zum Beispiel durch die Veröffentlichung von Rundbriefen.

Mechernich

Energiesparen bedeute, die öffentliche Infrastruktur, insbesondere die Beleuchtung und Beheizung von Gebäuden zu überprüfen, sagt Beigeordneter Thomas Hambach. „Die Kontrolle erfolgte Zug um Zug ohnehin“, so Hambach.

Im Rathaus werde bereits über eine Erdwärmepumpe geheizt. Der Strom werde über eine PV-Anlage auf dem Dach erzeugt. Genauso würden auch einige Kindergärten beheizt. In der Eifel-Therme werde die Wassertemperatur um zwei Grad gesenkt.

Ferner würden Kirchen sowie das Bergbaumuseum nicht mehr angestrahlt. Straßenlaternen sollen Hambach zufolge schneller auf LED umgestellt werden. Auf Kreuzungen und öffentlichen Plätzen müssten sie aber aus Sicherheitsgründen auch in Zukunft betrieben werden.

Nettersheim

Bürgermeister Norbert Crump berichtet: Im Rathaus würden künftig die Büros auf maximal 19 Grad, die Gemeinschaftsflächen gar nicht mehr beheizt. Die Straßenbeleuchtung wurde laut Crump bereits vor Jahren auf LED umgestellt. Seitdem würden in der Eifelgemeinde auch nur die verkehrswichtigen Bereiche durchgehend beleuchtet.

Die kommunale Außenbeleuchtung sei abgeschaltet worden, sagt der Bürgermeister. Beispiele dafür seien die Kirchen in Frohngau und Roderath sowie der Ortskern Steinfelder Straße in Nettersheim.

„Aber auch die Verbraucher sind in der Verantwortung, eigenständig Energie zu sparen“, sagt Crump. Daher sei auch ein kommunales Beratungsangebot für Bürger in der Diskussion.

Schleiden

Marcel Wolter, Verwaltungsvorstand und Beigeordneter der Stadt, stellt klar: In Schleiden seien viele Maßnahmen aufgrund der Flutschäden nicht wie gewünscht umsetzbar.

Der Stadtrat werde sich aber damit beschäftigen, inwiefern es möglich sei, die Straßenbeleuchtung zu dimmen. Denkbar wäre beispielsweise das Konzept, die Laternen abends ab 20 Uhr statt ab 23 Uhr abzustellen. „Ganz auslassen können wir die Laternen nicht. Wir müssen zum einen an die Verkehrssicherheit denken und zum anderen an diejenigen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind“, so der Verwaltungsvorstand. Zudem würden die Heizungen in den öffentlichen Gebäuden auf 19 Grad eingestellt.

Weilerswist

„Wir legen schon seit vielen Jahren Wert auf unsere Energieeffizienz“, so Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst. Auch jetzt halte man sich im Rathaus an die Maximaltemperatur von 19 Grad. Die Computer sollten zudem sowohl in den Büros als auch in den Sekretariaten nicht auf Stand-by bleiben.

Die Beleuchtung des Rathauses sei schon vollständig LED-betrieben. Auf den Sportplätzen gebe es nun Sektoren-Schaltung: „Es wird also nur dort beleuchtet, wo gespielt wird“ so Horst.

Zu Weihnachten könne sie sich eine LED-Beleuchtung vorstellen, sagt Horst. Auch die Türen der Geschäfte blieben in der Gemeinde zu und die Schaufenster zwischen 22 und 6 Uhr dunkel.

Zülpich

Stadtsprecher Torsten Beulen erklärt, dass in Zülpich die 19 Grad-Marke in öffentlichen Gebäuden eingehalten werde.

Darüber hinaus werde auf die durchgehende nächtliche Beleuchtung von historischen Gebäuden verzichtet: Zum Beispiel auf die der vier Stadttore.

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Unabhängig von diesen Maßnahmen seien bereits in den vergangenen Monaten sämtliche Straßenlaternen im Stadtgebiet auf energieeffiziente LED-Leuchten umgerüstet worden. Die Straßenbeleuchtung liefe nachts bereits im reduzierten Betrieb.

Die Energiesparmaßnahmen der Stadt seien perspektivisch ausgerichtet. So würden beispielsweise alte Heizungsanlagen durch energieeffiziente Wärmepumpen ersetzt. Bei Neubauten würden die Wärmepumpen sofort eingebaut.

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