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SchachMichael Gorny erneut Euskirchener Stadtmeister – Autor von Ratgebern

5 min
Das Bild zeigt den Obengenannten an einem Schachbrett.

Michael Gorny ist zum dritten Mal in Folge und zum fünften Mal insgesamt Stadtmeister im Schach. Er schreibt zudem Schachbücher.

Michael Gorny gewinnt zum fünften Mal die Euskirchener Stadtmeisterschaft im Schach – Faszination, Strategie und digitale Zukunft vereint.

Das Bild hat sich eingeprägt, wohl auch, weil es als Foto im Familienalbum vorhanden ist: Als Fünfjähriger sitzt Michael Gorny mit seinem Vater Manfred vor dem Schachbrett und spielt eine Partie. „Mein Vater hat mir die Regeln beigebracht“, erinnert sich Gorny. 44 Jahre später hat er zum dritten Mal in Folge und zum fünften Mal insgesamt die Euskirchener Stadtmeisterschaften gewonnen. Rekordhalter ist nach wie vor Jürgen Neubauer mit neun Titeln. Er mischt immer noch oben mit und wurde zum vierten Mal in Folge Zweiter.

Doch zurück in die Zeit Anfang der 1980er-Jahre. Anstatt das Schachspiel zunächst weiter zu intensivieren, entschied sich Gorny für Fußball und Tischtennis. Aber so ganz verschwunden ist seine Liebe zum Spiel der Könige nicht. Die ein oder andere Partie hat er privat gespielt, etwa gegen seinen Nachbarn Andreas Schwarz, der ihm auch die ersten Tipps gab. Auch für Schachbücher hat er sich damals schon interessiert.

Mit der Schulmannschaft nach Wuppertal gefahren

1991, Gorny war mittlerweile am Emil-Fischer-Gymnasium, suchte Lehrer Rudi Vielhaber ein Mitglied für die Schachmannschaft der Schule. Im Ausscheidungsturnier setzte sich der Euskirchener durch. „Wir haben es sogar bis nach Wuppertal geschafft, wo wir im Finale der Landesmeisterschaft gespielt haben“, berichtet Gorny. Dem Gymnasium blieb Gorny auch nach dem Abitur treu, als Student bot er eine Schach-AG an.

Ebenfalls 1991 hat ihn Simon Franzmann, Mitglied der Schulschachmannschaft, für den Schachklub Turm Euskirchen angeworben. Gespielt wurde in der Grotte im Haus Grober. Zwischendurch hat er, nach einem Umzug, in Dinslaken auch einmal höherklassig Schach gespielt. Mitglied im SK Turm ist er mittlerweile nicht mehr.

Es ist die intellektuelle Herausforderung. Beim Schach benötigt man Logik und Fantasie. Schach ist ein bisschen wie Kunst.
Michael Gorny

Doch was fasziniert den 49-Jährigen, der Aktienberater und Dozent im Börsenbereich ist, so sehr am Schach? „Es ist die intellektuelle Herausforderung. Beim Schach benötigt man Logik und Fantasie. Schach ist ein bisschen wie Kunst“, sagt Gorny. Und was er auch mag: Man ist selbst verantwortlich für das Ergebnis. Gorny zieht den Vergleich zum Tischtennis, das er beim TTV Euskirchen praktiziert: „Es gibt beim Schach keine Kantenbälle oder Netzroller – und auch keine Ausreden.“

Sportarten wie Tischtennis und Fußball kann man auch nicht so gut alleine trainieren. Natürlich ist es möglich, wie die Filmfigur Forrest Gump eine Hälfte der Tischtennisplatte aufzustellen und gegen sich selbst zu spielen oder sich den Fußball zu schnappen und Freistöße zu üben. Aber Schach kann man auch am Computer trainieren – und nicht nur das.

Das Bild zeigt Vater und Sohn bei der Schachpartie.

Schnappschuss: Als Knirps spielte Michael Gorny gegen seinen Vater Manfred, der ihm die Regeln beigebracht hatte.

Die Corona-Pandemie hat zu einem Boom im Schachsport geführt. Nicht nur, weil man digital gegen den Computer spielen konnte, sondern auch, weil Online-Partien gegen echte Menschen möglich waren. Natürlich kann man auch ein digitales Fußballspiel wie die beliebte EA-FC-Reihe gegen andere Menschen spielen. Aber dabei verbessert man seine Fähigkeiten im Videospiel, nicht in der Sportart an sich. Beim Schach allerdings kann man analoge und digitale Fähigkeiten nicht voneinander trennen.

In die Corona-Zeit fiel auch ein zweiter Antrieb für viele Menschen, es einmal mit dem Spiel der Könige zu versuchen: Ende 2020 veröffentlichte Netflix die Serie „Das Damengambit“ (benannt nach einer Schacheröffnung) über eine junge Frau, die in der Mitte des 20. Jahrhundert in die von Männern dominierte Schachwelt eindringt. Für die Qualitätskontrolle am Set sorgte unter anderem der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow, der als Berater fungierte.

Leistungskurve bleibt beim Schach konstant

Was Michael Gorny ebenfalls am Schach fasziniert: Während in anderen Sportarten die Leistungskurve aus körperlichen Gründen irgendwann abfällt, bleibt die Stärke im Schach über Jahre relativ kontant. „Im Alter von 15 bis 20 Jahren konnte ich meine Spielstärke deutlich steigern, seitdem bleibt die Elo bei mir auf ähnlichem Niveau“, sagt der Euskirchener.

Gemeint ist die Elozahl, die die Spielstärke von Schachspielern beschreibt. „Anfänger haben einen Wert von grob 800, Meister einen von 2300 und Großmeister einen von 2500. Bei Weltmeistern beträgt er 2800 und bei Schachcomputern über 3600“, zählt Gorny. Seine Elozahl schwanke bei 2000.

Doch ausgelernt hat er noch nicht. Im Gegenteil. Man könne sich beim Schach auch einiges bei anderen abgucken. Oder eigene Partien von Computern bewerten lassen. „Da wird man demütig. Man erfährt aber auch viel über sich selbst und muss sich reflektieren“, so der 49-Jährige. Und er versucht derzeit, weg von den Eröffnungstheorien zu kommen. „Die Eröffnung ist für Schachspieler wie die Suppe für einen Koch. Sie bildet nur den Auftakt.“ Um sich weiterzuentwickeln, versucht sich Gorny im Blindschach, wo Partien im Kopf durchgespielt werden.

Die Eröffnung ist für Schachspieler wie die Suppe für einen Koch. Sie bildet nur den Auftakt.
Michael Gorny

Sein Wissen gibt er längst an andere weiter. Während seiner Arbeit als Aktienanalyst hatte er Lust, eine eigene Schachwebseite ins Leben zu rufen. Mit seinem früheren Kollegen Christof Sielecki, der in der zweiten Bundesliga Schach gespielt hat, hat er dann sein erstes Schachbuch geschrieben.

„Es war ein gemeinsames Projekt über das Schachspiel aus schwarzer Sicht. Das hat viel Spaß gemacht, weshalb ich das weitermachen wollte.“ Zwei eigene Bücher und ein weiteres mit Sielecki hat er seitdem veröffentlicht. Kurz vor der Fertigstellung ist sein neues Buch „Königsindisch“. Und seit Jahren arbeitet er an einem Komplett-Repertoire für Schwarz, also der Farbe beim Schach, die nicht anfängt.

Die Bücher erscheinen rein digital, was laut Gorny Vorteile hat. Denn in den dicken Wälzern muss man ständig blättern, um bestimmte Positionen der Figuren zu suchen. „Für Anfänger ist das digital viel einfacher nachzuvollziehen. Außerdem kann man alles mit Videos anreichern.“ Digital ist ohnehin die Zukunft des Schachs: Denn nicht nur Actionspiele wie Counterstrike oder die genannte EA-FC-Reihe werden bei E-Sports-Turnieren gespielt, sondern auch Schach. Beim World-Cup im August betrug das Preisgeld 1,5 Millionen Dollar. Gewonnen hat der mehrfache Weltmeister Magnus Carlsen.