Im Kreis Euskirchen erwarten 31 Prozent der Betriebe eine Verschlechterung, nur 18 Prozent eine Besserung – das ist ein schlechterer Wert als in der übrigen Region.
KonjunkturumfrageWirtschaft: Betriebe im Kreis Euskirchen mit wenig positiven Aussichten

Die Baubranche meldet aktuell noch eine gute Geschäftslage – allgemein ist aber die Prognose schlecht.
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Die deutsche Wirtschaft könnte 2026 stärker wachsen als im Frühjahr angenommen. Führende Forschungsinstitute gehen in ihrer Herbstprognose von einem Wachstum von 1,3 Prozent aus – im Frühjahr hatten die Experten noch eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent prognostiziert. Doch diese positiven Zahlen decken sich nicht unbedingt mit den Werten der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Aachen.
Demnach bezeichnen 26 Prozent der regionalen Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Geschäftslage als gut, 25 Prozent bewerten sie als schlecht. Der Lagesaldo liegt somit bei nur +1 Punkt und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert von +21,3 Punkten.
Der Blick nach vorn bleibt verhalten: Der Erwartungssaldo sinkt sogar leicht auf -3 Punkte. Damit überwiegen seit mehr als vier Jahren die pessimistischen Erwartungen.
Stimmung in der Wirtschaft mies
Vor allem im Kreis Euskirchen ist die Stimmung in der Wirtschaft mies. Während jeweils 19 Prozent der befragten Betriebe gute beziehungsweise schlechte Geschäfte melden, hat sich der Ausblick hingegen deutlich eingetrübt. Wie die IHK mitteilt, gehen nur noch 18 Prozent der Befragten von einer Verbesserung aus. 31 Prozent befürchten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage.
Damit stehen die Betriebe im Kreis Euskirchen übrigens noch einmal etwas schlechter da als in den übrigen Kreisen und Städten im Zuständigkeitsbereich der IHK Aachen. In der Städteregion Aachen gehen etwa nur 17 Prozent der Betriebe von einer negativen Geschäftslage in der Zukunft aus.
IHK fordert verlässliche Politik und weniger Bürokratie
„Die Lage ist ernst. Unsere Unternehmen brauchen eine verlässliche Politik, die kurzfristig wirtschaftliche Impulse für eine langfristige Erholung setzt, für bürokratische Entlastung sorgt und Planungssicherheit schafft“, fordert daher auch Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. „Weniger Bürokratie bedeutet schnellere Entscheidungen und Investitionen sowie geringere Kosten“, so Bayer weiter. Mit Kritik an Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) hält Bayer sich dabei auffallend zurück. Im Gegensatz zur Vorgängerregierung, als der IHK-Chef den damaligen Minister Habeck für Fehlentwicklungen mitverantwortlich machte.

Der Export leidet unter US-Zöllen.
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Exportgeschäft unter Druck
Einen Grund für die insgesamt eingetrübte Stimmung sieht die IHK aktuell auch in den verschlechterten Bedingungen im internationalen Geschäft: Für exportierende Unternehmen haben sich die Rahmenbedingungen laut IHK im laufenden Jahr noch weiter verschärft. „Geopolitische Konflikte, Zölle und belastete Lieferketten beeinträchtigen die Planbarkeit“, so die Kammer. In der Industrie seien die Auslandsumsätze daher weiter rückläufig: 37 Prozent der Befragten melden sinkende Auslandsumsätze, nur 28 Prozent steigende. Der Saldo habe sich zwar von -28 auf -9 Punkte verbessert, die Auftragseingänge aus dem Ausland entwickeln sich laut IHK aber überwiegend rückläufig.
Auslandsgeschäfte bedeuten daher oft einen größeren Aufwand – das bestätigt auch Johannes Franzen, Inhaber des gleichnamigen Maschinenbau-Unternehmens, das in Holzheim unter anderem Kettenschärfautomaten für die Forst- und Holzindustrie herstellt. „Die Zölle der US-Regierung betreffen alle unsere Produkte und schlagen mit 14 bis 25 Prozent zu Buche. Wie hoch die Zölle im Einzelfall sind, weiß keiner so genau.“
Die Durchsetzung der Zölle scheine vielfach völlig aus der Luft gegriffen zu sein, so Franzen weiter: „Die dadurch entstehenden Einschränkungen und Verluste sind für uns aktuell spürbar, aber nicht geschäftsgefährdend, da unser Partner in den USA die Kosten trägt und abfedert.“ Man versuche, die Preise stabil zu halten, um der Willkür der US-Regierung zu begegnen, und halte einen engen Kontakt zu den Kunden in Übersee.
Auch zwischen den verschiedenen Branchen zeigen sich Unterschiede: Während Dienstleister eine eher positive Geschäftslage melden, bleibt die Stimmung im Handel angespannt. In der Industrie, so die IHK weiter, zeige sich eine leichte Verbesserung – eine breite Erholung sei jedoch nach wie vor nicht erkennbar.
Im Baugewerbe ist die Lage weiterhin positiv, verliert aber sehr deutlich an Kraft; zugleich bleiben die Erwartungen in der Branche niedrig. Damit hat sich indirekt das bestätigt, was die Betriebe aus dem Baugewerbe schon in diesem Frühjahr prognostiziert hatten: Damals rechneten nur fünf Prozent mit besseren Geschäften, 30 Prozent mit schlechteren. (thw)
