Faszination HeimatDie Natur im Kreis Euskirchen blüht auf – Nabu führt mit Spaziergang durch den Wald

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Ein Buchfink im Stadtwald.

Ein Buchfink im Euskirchener Stadtwald.

In der Natur im Kreis Euskirchen ist schon ganz schön was los. Wir haben uns im Stadtwald mit dem Vorstand des Nabu Euskirchen getroffen.

Im Stadtwald von Euskirchen herrscht an diesem sonnigen Aprilmorgen reges Treiben: Jogger, Spaziergänger, Kinder und Hunde sind draußen unterwegs. Nur wenige Schritte hinter dem Parkplatz nimmt das Geräusch des Verkehrs deutlich ab, und stattdessen ist ein vielstimmiges Zwitscher-Konzert zu hören.

Günter Lessenich beobachtet seit 1992 die heimischen Vögel

„Ich höre da schon die Misteldrossel“, sagt Günter Lessenich, kaum hat er den Wald betreten und ahmt den Gesang des Vogels nach. Lessenich sitzt im Vorstand des Nabu Euskirchen und beobachtet schon seit 1992 alles, was da so zwitschert im Kreis. „Die Vogelwelt ist schon etwas Tolles.“

Eine Blaumeise

Eine Blaumeise sitzt im Stadtwald auf einem Ast.

Beim Spaziergang durch den Wald, ruft er immer wieder „Da!“ und zeigt irgendwo in Baumkronen oder Hecken. Gesehen hat er die Vögel nicht, aber gehört. Jeder Vogel habe seine eigene Stimmfarbe, erklärt er. Als geübter Beobachter reichten ihm die ersten Töne, um klar zu erkennen, welcher Vogel da singe. „Hier vorne, da singt der Zaunkönig. Sechs Gramm schwer und eine Wahnsinnsstimme!“

Dabei singe jeder Vogel nicht immer das Gleiche. „Entweder ist das ein Kontaktruf, es kann ein Warnruf sein oder Gesang“, berichtet Lessenich. Der Buchfink habe sogar noch einen Regenruf. „Man sagt , wenn er das macht, dann regnet es“, erzählt Lessenich und lacht.

Der Gesang sei vor allem jetzt im Frühjahr zu hören, denn damit markierten die Vogelmännchen ihr Revier. Aktuell herrsche Balzzeit, danach folge die Brutzeit und im Juli die Mauser. „Dann singen die fast gar nicht mehr.“

Manche Vogelarten hört man im Kreis nicht mehr so oft wie noch vor 20 Jahren – oder gar nicht mehr

Der Wechsel des Gefieders sei für die Tiere anstrengend, aber auch in den folgenden Monaten blieben sie meist stumm – auch die, die hier überwinterten. „Rotkehlchen und Zaunkönig sind die Einzigen, die auch im Winter singen.“

Ein Nest im Stadtwald.

Ein Nest aus dem Vorjahr, bald ist wieder Brutzeit.

Deshalb sei der Beginn des Frühlings vor allem zu hören, sagt Lessenich. Dafür brauche man nur um diese Jahreszeit das Fenster morgens zu öffnen. „Natur fängt bei uns vor der Haustür an, man braucht nicht weit zu fahren.“

Allerdings werde das Gezwitscher immer weniger. Seit 1992 führt Lessenich Buch darüber, wann welcher Vogel das erste Mal zu hören ist. So kann er genau sagen, wann Zugvögel wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke oder Mauersegler in den vergangen Jahren zurück aus ihrem Winterquartier kamen. Völlig verschwunden sei noch keine heimische Art, aber: „Alles wird selten.“

Er könne sich noch an den Beginn der 2000er-Jahre erinnern. „Wenn du morgens um sechs Uhr hierher kamst, da war ein Vogelgezwitscher, das konnte man gar nicht auseinanderhalten.“ Nun werde es immer weniger. Den Kuckuck beispielsweise höre man kaum noch.

Holunder und Schneeball sind im Herbst wichtige Nahrungsquellen für Vögel

Woran das liegt? „Der Lebensraum wird weggenommen.“ Es gebe kaum noch Hecken zwischen Feldern und Wiesen, in denen die Vögel nisten könnten, so Lessenich. Außerdem mangele es durch das Insektensterben an Nahrung.

Schlehen blühen in voller Pracht.

Schlehen blühen derzeit in voller Pracht.

Wer die Vögel unterstützen wolle, solle Holunder oder Schneeball im Garten stehen lassen. Die Beeren seien im Herbst wichtige Nahrungsquellen. „Ich vermute mal, es wird ein stummer Frühling werden“, ist seine düstere Prognose.

Etwa 260 Vogelarten gebe es in ganz Mitteleuropa, 80 davon lebten in menschlicher Nähe. Letztere seien auch alle im Kreis vertreten. Aktuell sei eine gute Zeit, um sie zu beobachten. „Da das Blattwerk noch nicht an den Bäumen ist, ist das ideal für Vogeleinsteiger.“ Noch kann man bis in die Baumkronen gucken.

Eine besondere Blüte blüht nur in der Eifel

Doch im Stadtwald sind auch schon die ersten Blüten und grünen Blätter zu sehen. Und eins wird bei einem Blick in die Botanik schnell klar: Die Farben des Frühlings sind weiß und gelb. Schlehen, Weißdorn, Kirschen und Buschwindröschen blühen in weißer Pracht. Dazwischen immer wieder gelber Löwenzahn und Schabockskraut.

Schabockskraut im Euskirchener Stadtwald

Im Stadtwald blüht auch das Schabockskraut.

Der Frühling wolle noch strahlen, sagt Dr. Susanne Lipps und lacht. Die 65-Jährige hat einen botanischen Reiseführer über die Eifel geschrieben. Das Meiste, was gerade blühe, wachse auch in vielen anderen Teilen Deutschlands. „Das Einzige, was nur in der Eifel wächst, sind die Narzissen.“

Normalerweise sei die Hauptblüte jetzt schon vorbei. Doch wie die Gemeinde Hellenthal mitteilt, wird diese in diesem Jahr erst kommende Woche erwartet. Der Winter habe dieses Jahr einfach länger gedauert, sagt Lipps. „Manche Sachen sind wirklich 14 Tage später dran als sonst.“ Im Stadtwald jedenfalls fühlt und hört es sich an diesem Morgen schon sehr nach Frühling an.


Wandertipps

Am besten lassen sich Vögel laut Günter Lessenich in den frühen Morgenstunden beobachten und belauschen. Schon eine Stunde vor Sonnenaufgang beginnen die Ersten mit ihrem Gesang. Den Sonnenaufgang über den grünen Hügel der Eifel zu sehen und dabei ein Vogelstimmenkonzert zu hören, ist schon ein besonderes Erlebnis.

An diesen vier Aussichtspunkten lässt sich der Sonnenaufgang laut Nordeifel Tourismus GmbH besonders schön beobachten:

  • Eifelschleife Berg und Tal, Aussichtspunkt Tötschberg
  • Eifelspur Toskana der Eifel, Aussichtspunkt Kalvarienberg
  • Eifelschleife Michelsberg, Aussichtspunkt Michelsberg
  • Eifelspur Soweit das Auge reicht, Aussichtspunkt Galgennück.

Alle Aussichtspunkte sind auch mit dem Auto erreichbar.


Über die Serie

In „Faszination Heimat“ schauen wir uns jeden Monat in der Natur bei uns vor der Haustür um. Was kriecht und krabbelt da, was wächst und blüht?

In jedem Monat setzen wir dabei unterschiedliche Schwerpunkte und sprechen mit Expertinnen und Experten. Dazu gibt es Tipps, wo man die Natur im Kreis selbst entdecken kann.

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