Abo

„Sie war mein Schutzengel“Monika Lauer ist Frau des Jahres 2026 im Kreis Euskirchen

5 min
Die Obengenannten stehen nah beieinander, halten sich an einer Hand und strahlen in die Kamera.

Geteilte Freude über die Ehrung von Monika Lauer (r.) zeigte Marlene Büchel.

Die Schulsozialarbeiterin Monika Lauer machte im Rahmen ihrer Auszeichnung auf sexualisierte Gewalt an jungen Frauen aufmerksam.

„Ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich bin“, sagt eine Schülerin des Euskirchener Thomas-Eßer-Berufskollegs (TEB). „Wenn man Frau Lauers Raum verlässt, fühlt man sich gehört und angenommen“, lobt eine weitere. „Sie war mein Schutzengel“, wird eine dritte Mitschülerin zitiert. Diese und andere Aussagen beschreiben die Erfahrungen, die junge Menschen mit der Schulsozialarbeiterin Monika Lauer gemacht haben.

Diese Zitate verdeutlichten, weshalb Monika Lauer der diesjährige Margaretha-Linnery-Preis verliehen wurde. „Die wichtigste Rückmeldungen kommen von den Schülerinnen – das sind diejenigen, die ein Feedback geben, ob die Arbeit greift“, sagte Lauer, die mit dem Preis als „Frau des Jahres 2026“ im Kreis Euskirchen geehrt wurde.

Mit der Auszeichnung soll der berufliche und ehrenamtliche Einsatz der 59-Jährigen für Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung von Frauen und Mädchen gewürdigt werden. Am TEB berät sie Schülerinnen und hilft ihnen, ihre Rechte wahrzunehmen. Über ihre berufliche Tätigkeit hinaus engagiert sich Lauer seit einigen Jahren für andere Menschen. Sie war unter anderem zehn Jahre im Kriseninterventionsdienst des Deutschen Roten Kreuzes tätig. Sie brachte sich zudem beim Verein „Frauen helfen Frauen“ sowie in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ein. Lauer hat sich in den Bereichen Trauma-Begleitung und Unfallhilfe weitergebildet und unterstützt Geflüchtete.

Ehrungen von Frauen haben Nachholbedarf

Einen Tag nach dem Internationalen Frauentag durfte Lauer diese Auszeichnung im Euskirchener Kreishaus entgegennehmen. Die Euskirchenerin bedankte sich bei Astrid Günther und Leonie Stadler für die Ausrichtung der Veranstaltung. Günther, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, sagte: „Es gibt einen unglaublichen Nachholbedarf, dass man Frauen ehrt.“ Für die kommenden Jahre wünsche sie sich mehr Vorschläge für den Margaretha-Linnery-Preis. „Auch die Nominierten waren total gerührt, dass ihr Engagement gewertschätzt wird“, berichtete Günther.

„Es tut einfach gut, gesehen zu werden“, pflichtete ihr Lauer bei: „Ich habe mich sehr über den Preis gefreut.“ Die vielen Rückmeldungen, insbesondere seitens der Schülerschaft, empfinde sie als Bestärkung: „Diese Arbeit zu machen, das braucht eine Menge Energie und Durchhaltevermögen.“

Monika Lauer begegnet Menschen mit professioneller Nähe statt Distanz

An der Schule beschäftige man sich an vorderster Front mit Gleichberechtigung, sagte die stellvertretenden Landrätin Annegret Lewak in ihrer Rede: „Ich bin sehr dankbar, dass Frauen wie Monika Lauer mit viel Beharrlichkeit an den Menschen und Themen dranbleiben.“ Das Wort Beharrlichkeit fand sich auch in Lauers Ausführungen zu ihrer Arbeit mit der Schülerschaft: „Es braucht manchmal viel Zeit, bis Menschen in Veränderungen gehen können.“

Anstatt von einer professionellen Distanz, sprach Lauer von einer notwendigen professionellen Nähe: „Menschen in Krisen brauchen Nähe.“ Und die Diplom-Pädagogin forderte allgemein auf, Resonanz zu zeigen: „Menschen ohne Resonanz kommen in große Verunsicherung und tiefe Einsamkeit.“ Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, solchen Menschen lebendig zu begegnen und Licht in ihre Dunkelheit zu tragen.

Die Stuhlreihen sind mit Frauen besetzt.

Gut besucht war die Preisverleihung im Kreishaus.

Weiter ging Lauer auf ein Thema ein, dass ihr in den bald 27 Berufsjahren am TEB häufig begegnet sei: „Sexuelle Gewalt gehört zur Realität vieler Mädchen und Frauen.“ Das Thema sei auch im Geiste der Verleihung, da Linnery auf Wert und Würde der Frau bedacht gewesen sei, erläuterte Lauer. Die Namensgebende Margaretha Linnery etablierte am Ende des 16. Jahrhunderts eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für junge Frauen. Nach Angaben des Euskirchener Geschichtsvereins bildeten ihre Planung und Finanzierung die Grundlage für Generationen an Mädchenbildung in Bad Münstereifel.

Lauer erlebt in ihren Gesprächen mit jungen Menschen Gewalterfahrungen als sehr ungleich verteilt: „Junge Männer haben mir noch nicht in der Deutlichkeit und Wiederholungsfrequenz von sexualisierter Gewalt erzählt.“ Damit wolle sie aber nicht ausschließen, dass die Jungen auch betroffen seien: „Für sie ist es noch mal schwerer, darüber zu sprechen.“ Die Schulsozialarbeiterin appellierte: „Wenn jemand mitbekommt, dass etwas Entwertendes, Demütigendes oder Isolierendes geschieht, sollte man sich einschalten.“

Sie ist eine Wegbereiterin für junge Frauen im Kreis Euskirchen

Myriam Kemp, die Geschäftsführerin des Paritätischen, sagte: „Es ist wichtig, dass jemand hinschaut, wenn Mädchen von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Es braucht jemanden, der zeigt, dass sie nichts falsch gemacht haben.“ Kemp lobte Monika Lauer als wichtiges Vorbild für die Stärkung von Frauen.

„Monika öffnet Türen für die Frauen, die nach ihr kommen“, brachte es Anne Decker, Laudatorin und Trainerin für Gewaltprävention, auf den Punkt.

„Gleiche Bezahlung, Aufstiegschancen, Schutz vor Gewalt, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind noch keine Selbstverständlichkeiten“, so Annegret Lewak: „Es heißt nicht umsonst ,Kampftag' – da ist noch viel zu tun.“ Aktuell werde ein Frauenbild propagiert, das deren Unterwerfung in verschiedenen Bereichen fordere. Lewak: „Wir müssen die bestehenden Errungenschaften mit Klarheit verteidigen.“ Die Kreispolitik setze sich für Schulsozialpolitik ein, so Lewak: „An allen Schulen im Kreis gibt es Schulsozialarbeiterinnen.“

Lauer lobte im Gegenzug die Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen des Kreises: „Das funktioniert hier besonders gut.“

Ausstellung „Ikonen des Möglichen“ wurde im Kreishaus eröffnet

„Ikonen des Möglichen“ heißt die Ausstellung, die im Zuge der Verleihung des Margaretha-Linnery-Preises im Kreishaus eröffnet wurde. Frauen der Kunst- und Qualifizierungswerkstatt Spectrum aus Aachen gestalteten Wandbehänge, die Frauen – oftmals sie selbst – in den traditionellen Darstellungen männlicher Heiliger zeigen.Das Projekt dreht damit klassische Rollenerwartungen um.

Spectrum-Leiterin Monika von Bernuth und Künstlerin Vera Sous lobten das Engagement der Künstlerinnen unterschiedlichster Nationen. „Frauen tragen ihre Last, das wollen wir sichtbar machen“, so von Bernuth. Die Ausstellung ist bis zum 1. April im Foyer des Kreishauses zu sehen.