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Musikregeln für KarnevalIn der belgischen Eifel sind Techno-Beats im Zoch verboten

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Ein Wagenengel mit Narrenkappe und gelber Warnweste trägt beim Karnevalszug einen Gehörschutz.

Mit einem Gehörschutz gegen zu laute Musik hat sich dieser „Wagenengel“ ausgestattet. (Archivbild)

Im Nachbarland haben die Bürgermeister der deutschsprachigen Eifel-Kommunen umstrittene Regeln für die Musik bei den Karnevalszügen erlassen.

Diskussionen über die Musikauswahl im Straßenkarneval – und vor allem die Lautstärke – werden auch hierzulande seit etlichen Jahren geführt: Was ist dezibelmäßig noch angemessen, wenn die Jecken ausgelassen durch die Straßen ziehen? Verkommt der Eifeler Straßenkarneval zu einer basslastigen Musikparade, wie man sie eher am Ballermann erwarten sollte?

Karneval wird natürlich auch jenseits der Landesgrenze in Belgien gefeiert, und auch dort hat man ähnliche Probleme mit der Musikauswahl mancher Zoch-Teilnehmer. Die Bürgermeister der fünf ostbelgischen Eifel-Gemeinden wollen in dieser Session jedoch für klare Verhältnisse sorgen: Überlaute Techno-Beats, elektronische Musik, die nicht zum Karneval passt, und eine zu laute Beschallung der Zuschauer am Zoch-Weg – all das soll es bei den Umzügen in den Gemeinden Amel, Büllingen, Bütgenbach, Burg-Reuland und St. Vith nicht mehr geben. Bei Verstößen droht Gruppen, die sich nicht an die neuen Vorgaben halten, sogar ein Ausschluss von der Zug-Teilnahme im kommenden Jahr.

Neue Musikregeln werden vor Start in den Straßenkarneval rege diskutiert

Das Ziel ist klar: Mehr (musikalische) Tradition, weniger Lärm beim Zoch. Aber schießen die Verwaltungschefs mit ihren Regeln für die Musikauswahl nicht übers Ziel hinaus? Vor allem in den Sozialen Netzwerken wird seit der vergangenen Woche, als die Bürgermeister ihre Musik-Regeln vorgestellt haben, rege über Pro und Contra diskutiert. „Karneval braucht Freiheit, keine Anstandspolizei“, schreibt ein User unter einem Beitrag des Belgischen Rundfunks, der über das Thema berichtet hat. „Ich fand die Fastnacht vor 20 Jahren mit Schunkelmusik schöner“, meint eine andere.

Die Musiker und Musikerinnen des Musikvereins Eicks in ihren typischen Karnevalskostümen mit Lappenhut.

Traditionelle Karnevalsmusik – gerne auch live gespielt wie hier vom Musikverein Eicks – soll in den ostbelgischen Eifel-Gemeinden den Vorzug vor überlauten Techno- oder Ballermann-Hits bekommen.

„Uns war wichtig, dass auf den Umzügen wieder Karnevalsmusik gespielt wird. Mittlerweile gleichen manche Züge eher Techno-Paraden mit elektronischer Musik“, wird Werner Henkes, Bürgermeister von St. Vith, in einem Bericht der in Eupen erscheinenden Tageszeitung „Grenzecho“ zitiert.

Die Zugteilnehmer verpflichten sich, ausschließlich karnevalistische Musik sowie thematisch passende, traditionelle oder stimmungsvolle Karnevalslieder zu spielen.
Aus den Musik-Regeln, die in dieser Session in Ostbelgien gelten

Man habe die neuen Regeln in enger Abstimmung mit den Veranstaltern der Züge erarbeitet, heißt es darin weiter. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch der Respekt gegenüber den teilnehmenden Musikvereinen: Man höre immer wieder, dass die Musikkapellen keine Lust mehr hätten, gegen die aus den Boxen dröhnende Übermacht anzuspielen, sagte Alain Stellmann, Bürgermeister der Gemeinde Burg-Reuland, dem „Grenzecho“.

Notfalls soll die Polizei die Einhaltung der Regeln kontrollieren

Die Bürgermeister der fünf belgischen Eifel-Kommunen haben die Kriterien für die Musikauswahl schriftlich fixiert. Ein entsprechendes Merkblatt werde bei der Anmeldung an alle teilnehmenden Gruppen ausgegeben. „Die Zugteilnehmer verpflichten sich, ausschließlich karnevalistische Musik sowie thematisch passende, traditionelle oder stimmungsvolle Karnevalslieder zu spielen“, heißt es darin unter dem Punkt „Musikauswahl“. Die Lautstärke der Musik sei in einem für alle Teilnehmer und Zuschauer verträglichen Rahmen zu halten.

Und weiter: „Besonders aufdringliche Bassfrequenzen oder übermäßig laute Beschallung können zu Beeinträchtigungen führen oder demotivieren die anwesenden Musikvereine und sind daher zu vermeiden.“ Die Einhaltung der Regeln sollen die Veranstalter der Züge überwachen – es seien aber auch polizeiliche Kontrollen möglich, so die Bürgermeister.

Hellenthaler KG-Chef setzt auf Kommunikation statt auf Verbote

Diesseits der Grenze sieht man das Thema drei Wochen vor Beginn des Straßenkarnevals noch gelassen. „Wir suchen stets die Kommunikation mit den fraglichen Gruppen“, erklärt Marco Geschwind, Vorsitzender der KG Ruet-Jold Hellenthal: „Wir hatten schon Gruppen, die es mit der Musiklautstärke etwas übertrieben haben, für die gab es dann die Ansage, die Anlage etwas runterzudrehen.“

Ich finde aber nicht, dass es nötig ist, Vorschriften für die Musik zu machen. Wir haben doch alle noch den Sessionshit mit dem Möbelstück aus dem vergangenen Jahr im Ohr.
Jennifer Meuren, Bürgermeisterin und Ex-Prinzessin

Es sei auch schon nötig gewesen, die Reihenfolge im Zug zu ändern, um einen Musikverein nicht in direkter Nachbarschaft eines etwas lauteren Wagens eines Junggesellenvereins laufen zu lassen, so der Hellenthaler. Von Verboten halte er aber grundsätzlich nichts, so Geschwind weiter. Mit einer Ausnahme: „Musik von den Böhsen Onkelz oder ähnlichen Bands hat in einem Karnevalszug nichts zu suchen.“

In Mechernich freut man sich über jede Gruppe im Zug

Auch Thomas Tampier, Zugleiter beim Festausschuss Mechernicher Karneval, hält wenig von den Vorschriften, die man den Zugteilnehmern in Ostbelgien jetzt machen will. „Wir wollen ja die jungen Leute nicht verschrecken, die sollen Spaß bei der Teilnahme am Zoch haben“, betont er. In Mechernich sei man um jede Gruppe froh, die sich aktiv am Zoch beteiligen will. Er gibt aber auch zu: „Da ist manchmal schon etwas diplomatisches Geschick gefragt, speziell, was die Platzierung der Musikgruppen angeht.“

Als großer Fan von Livemusik im Karnevalszug outet sich die Blankenheimer Bürgermeisterin Jennifer Meuren, die vor genau zehn Jahren als Prinzessin Jenny aus Zingsheim beim Nettersheimer Gemeindezug brillierte. „Ich finde aber nicht, dass es nötig ist, Vorschriften für die Musik zu machen. Wir haben doch alle noch den Sessionshit mit dem Möbelstück aus dem vergangenen Jahr im Ohr“, so Meuren weiter: „Kein klassischer Karnevalshit, aber trotzdem ein Lied, das wunderbar gepasst hat.“